Der Amazonas, der längste Fluss der Erde, ist von Trockenheit bedroht. In Peru, wo der Strom entspringt, ist der Wasserstand auf einen historischen Tiefstand gefallen. Flussdampfer kommen nur langsam voran, und die Preise für Güter des täglichen Bedarfs haben sich zum Teil verdoppelt.
„Wir haben Bojen verankern müssen, damit die Schiffe die Fahrtrinne finden und überhaupt nach Iquitos hereinkommen“, beschreibt Hugo Montoro, der Chef des peruanischen Schifffahrtsamtes, die Lage. Iquitos, die an der Grenze zu Brasilien und Kolumbien gelegene Amazonas-Metropole, ist nur über den Fluss oder auf dem Luftweg zu erreichen. Die kleineren Schiffe kommen noch durch, die größeren warten aus Angst, auf Grund zu laufen, in tieferen Gewässern des Amazonas.
In Iquitos ist der Amazonas auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Wasserstandsmessungen in Peru vor 45 Jahren gefallen – knapp unter 106 Meter über dem Meeresspiegel. Normal zu dieser Jahreszeit sind 110 Meter. Zwar ist für die nächsten Tage Regen vorhergesagt, aber die Lage wird sich vorerst nicht ändern. Im Gegenteil, die Experten rechnen damit, dass der Wasserstand um weitere 20 Zentimeter fällt. Denn der Regen wird zunächst einmal vom Boden aufgesogen. Erst Ende des Monats soll sich die Lage wieder normalisieren.
„Der wichtigste Grund für die Trockenheit sind die fehlenden Niederschläge in den Quellgebieten der Flüsse Ucayali, Huallaga und Marañón“, die sich flussabwärts zum Amazonas vereinen, sagte Marco Paredes, der Chef des Wetteramtes in Iquitos, vor Journalisten, „und die hohen Temperaturen von 34 Grad hier bei uns tragen auch nicht dazu bei, dass sich die Lage bessert“. Seit Mitte August ist der Pegel des wasserreichsten Flusses der Welt um mehr als zwei Meter gefallen.
Trockenheit bedeutet höhere Preise
Paredes führt die kritische Lage auf eine Kette von meteorologischen Ereignissen in Folge des El-Niño-Phänomens zurück, das in unregelmäßigen Zyklen zwischen drei und acht Jahren das Weltklima durcheinanderbringt. Der peruanische Biologe José Álvarez macht die Abholzung verantwortlich: „Wenn die Wälder gefällt werden, fehlt die aufsteigende Feuchtigkeit, die den Regen erzeugt“. Auch die Zerstörungen, die die zahllosen kleinen Goldsucher anrichten, trügen dazu bei.
Für Iquitos und Umgebung bedeutet die Trockenheit zunächst höhere Preise. Die Flussschifffahrt des Amazonas ist an so tiefe Wasserstände nicht gewöhnt, so dass sich die Fahrtzeit verdoppelt – statt zwei brauchen die Versorgungsschiffe bis zu vier Wochen. Kochgas kostet in Iquitos mittlerweile doppelt so viel wie bei normalem Wasserstand. Die Behörden erwägen sogar eine Luftbrücke, um die Stadt und ihre 400 000 Einwohner zu versorgen. In Außenbezirken und Nachbargemeinden wurden Pumpen angeworfen, die Ärmeren müssen weite Wege in Kauf nehmen, um an das stark zurückgegangenen Wasser zu kommen.
Bereits 2004 wurde Amazonien von bedrohlicher Trockenheit heimgesucht. Aber damals lag der Wasserpegel immer noch einen halben Meter höher als jetzt.
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