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Sehen und Hören: Plötzlich
Watte im Ohr

Ein Hörsturz kommt aus
 heiterem Himmel – oft
 steckt Stress dahinter.

Meist trifft es einen wie aus heiterem Himmel. Von einer Minute auf die andere tritt eine Hörbeeinträchtigung ein – meist auf einem Ohr. "Ein Hörsturz kann unterschiedliche Grade und Intensitäten haben", erläutert Dr. Michael E. Deeg, Hals-Nasen-Ohrenarzt sowie Sprecher des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. "Das reicht von einer leichten Beeinträchtigung des Ohres bis hin zum Gefühl, völlig taub zu sein." Begleitet wird ein Hörsturz oft von Ohrgeräuschen (Tinnitus). Mit Gleichgewichtsstörungen oder Schwindelgefühlen hingegen hätten Hörstürze nichts zu tun, so der Experte. Schätzungen der deutschen Tinnitus-Liga zufolge verlieren in Deutschland jährlich mehr als 15.000 Menschen plötzlich das Hörvermögen. Ein Hörsturz tritt meist um das 50. Lebensjahr herum auf, allerdings können auch jüngere Menschen betroffen sein.

Über die Ursachen wird von wissenschaftlicher Seite aus noch spekuliert. "Wahrscheinlich spielen immunologische Prozesse, also ein verändertes Abwehrsystem, eine Rolle, wenn der Mensch einen Hörsturz erleidet", sagt Dr. Michael E. Deeg. Ein großer Einflussfaktor seien auch Stress und psychische Belastungen. In der Diskussion sind auch nach wie vor Veränderungen des Stoffwechsels an den Sinneszellen des Innenohres, möglicherweise in Zusammenhang mit Störungen der Duchblutung. Vor der populären Beschreibung als "Infarkt im Ohr" warnt der HNO-Mediziner Dr. Deeg allerdings. "Solche Begriffe schüren unnötige Ängste. Dass es sich bei Hörstürzen um massive Durchblutungsstörungen handelt, ist nicht erwiesen." Allerdings hätten alle Erkrankungen, die einen Einfluß auf das Blutgefäßsystem haben, einen begünstigenden Effekt auf einen möglichen Hörsturz. Dazu gehören unter anderem Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen. In einigen Fällen ist es aber schlichtweg ein verschobener Halswirbel, der für eine schlechtere Durchblutung im Innenohr und damit Tinnitus und Hörsturz verantwortlich ist.

Viele Hörstürze heilen innerhalb weniger Stunden von selbst. Je schwerer der Hörverlust ist, desto sweniger wahrscheinlich ist das. Die Heilungschancen steigen bei frühzeitiger Behandlung deutlich. In den meisten Fällen wird zunächst medikamentös behandelt, in aller Regel mit Cortison. Bei geringer Aussprägung werden Corticosteroide oral als Tablette, in schwereren Fällen als Infusion verabreicht oder mit Hilfe einer Spritze direkt in das Mittelohr gespritzt. Greifen die medikamentösen Therapien nicht, kann die Sauerstoffüberdrucktherapie (hyperbare Sauerstofftherapie, HBO) eingesetzt werden und in manchen Fällen wird auch eine Operation am Mittelohr durchgeführt. Im Fall einer Halswirbelverschiebungen hilft in vielen Fällen schon eine Behandlung durch einen Manualtherapeuten. Bei anderen Therapien ist der HNO-Mediziner eher skeptisch, so etwa bei der Laser-Ginkgo-Methode. "Diese Therapie ist nicht mehr üblich und hat keine nachgewiesene Wirksamkeit", so der HNO-Mediziner. Sinnvoll sei in jedem Fall – sowohl prophylaktisch als auch nach einem Hörsturz – eine ausgeglichene Lebensweise, die genügend Entspannungsphasen beinhaltet. "Da ein Hörsturz oft mit Stress assoziert ist, sollten die Betroffenen auf jeden Fall möglichst schnell aus der Belastung heraus."

Datum:  6 | 2 | 2012
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