Die Nationale Armutskonferenz (NAK) hat eine Armutsspirale in Deutschland beklagt. Breite Einkommensarmut schaffe eine millionenfache Nachfrage nach Billigstprodukten und Billigstarbeit – weitere Armut sei die Folge, heißt es in einem „Schattenbericht“ der NAK, einem Zusammenschluss von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden sowie Gewerkschaften.
„Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer und die Politik schaut weitgehend tatenlos zu“, kritisierte ihr Sprecher Thomas Beyer. Der „Schattenbericht“ verweist darauf, dass in Deutschland inzwischen fast jeder Vierte im Niedriglohnsektor arbeitet und 9,3 Prozent der Bevölkerung staatliche Leistungen zur Sicherung ihres Existenzminimums beziehen.
Seit Anfang 2012 zahlt der Staat Hartz-IV-Empfängern minimal mehr Geld. Erwachsene bekommen jetzt monatlich 374 Euro. Kinder erhalten...
Foto: picture-alliance/ dpaGefordert werden unter anderem gesetzliche Mindestlöhne, höhere Regelsätze und Förderprogramme gegen Wohnungsnot. Die Geschäftsführerin Carola Schmidt monierte gegenüber unserer Zeitung zudem, dass die NAK von der Bundesregierung als „Feigenblatt“ missbraucht werde. Sie werde gehört, ihre Vorschläge würden aber nicht aufgegriffen.
Der erstmals herausgegebene Bericht soll ein Gegenentwurf zum alle vier Jahre erscheinenden Armutsbericht der Bundesregierung sein, der Mitte November im Kabinett behandelt werden soll.
Das Statistische Bundesamt kommt in einer aktuellen Studie zu dem Schluss, dass 15,8 Prozent der Bevölkerung 2010 von Armut bedroht waren. Das entspricht einer Gesamtzahl von rund 12,8 Millionen Menschen. Ein Jahr zuvor waren noch 15,6 Prozent der Bevölkerung betroffen gewesen. Stark gefährdet sind demzufolge Alleinerziehende und ihre Kinder. Als armutsgefährdet galt jeder mit weniger als 952 Euro im Monat. (mit dpa)