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Alnatura: Unfaire Löhne für Bioarbeiter

Kunden zahlen im Bioladen oft einen Aufschlag - auch weil sie das faire Geschäftsmodell unterstützen wollen. Ausgerechnet Marktführer Alnatura muss sich nun vorhalten lassen, er zahle unter Tarif. Die Gewerkschaft Verdi ist alarmiert. Von Stephan Börnecke

Dass die Branche oft mies bezahlt, ist ein offenes Geheimnis.
Dass die Branche oft mies bezahlt, ist ein offenes Geheimnis.
Foto: ddp

Frankfurt a.M. Die stellvertretende Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), Margret Mönig-Raane, hat die Biobranche aufgefordert, ihre Beschäftigten besser zu bezahlen und sich dabei an den geltenden Tarifverträgen zu orientieren.

Mönig-Raane sagte der Frankfurter Rundschau, "es gibt überhaupt keinen Grund, sich anders zu verhalten". Bei den meisten Unternehmern des Biobereichs handle es sich angesichts des Booms der vergangenen Jahre um florierende, gut verdienende Firmen.

Es sei deshalb eine "Selbstverständlichkeit", dass Unternehmen, die im Geiste von Nachhaltigkeit oder Gesundheit agierten, "ihre Mitarbeiter nicht kurz halten". Die Gewerkschafterin sagte, es reiche nicht aus, allein den Landwirten faire Preise zu zahlen, die Mitarbeiter im Verkauf aber nicht gerecht zu entlohnen.

Sie rief die Beschäftigen auf, sich kundig zu machen, selbst initiativ zu werden und Betriebsräte zu gründen. Die seien in der Branche absolute Mangelware.

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Mönig-Raane reagierte damit auf Berichte, wonach unter anderem Biomarktführer Alnatura in einer neuen Berliner Filiale einer Kassiererin statt der tarifvertraglich geltenden knapp 13 Euro trotz Berufserfahrung nur 9,73 Euro zahlt.

Die Tageszeitung zitiert Alnatura-Chef Götz Rehn mit der Angabe, wonach der niedrigste beim Marktführer bezahlte Lohn bei 7,50 Euro liege und damit 16 Prozent unter dem geringsten Gehalt, das Verdi und der Arbeitgeberverband für die Hauptstadt festgelegt haben. Doch diese Zahlen, so Manon Haccius, Mitglied der Geschäftsleitung von Alnatura, werfe ein schiefes Licht auf die gezahlten Löhne.

"Mehr als 90 Prozent der Einkommen bewegen sich in der Größenordnung der Tarifverträge", sagte Haccius der FR. Allerdings sei das "transparente" Einkommensgefüge des Unternehmens nur schwer mit dem Tarifrecht zu vergleichen. Nicht Alter und Berufsjahre seien ausschlaggebend für die Bezahlung bei Alnatura, sondern Verantwortung, Leistung und Qualifizierung. Aus diesem Grunde lege Alnatura auch großen Wert auf die Weiterbildung.

Dass die Branche oft mies bezahlt, Ungelernte auf nur acht, neun Euro kommen, ist ein offenes Geheimnis. In Diskussionsrunden auf der Messe Biofach im Februar verlangten viele Firmensprecher, die Entlohnung "über die gesamte Wertschöpfungskette" am eigenen Anspruch zu messen und nicht nur den Erzeugern "faire Preise" zu zahlen.

In die Karten schauen lässt man sich indes ungern: Bei der Nummer drei der Branche, Basic in München, heißt es: Der Lohn liege "im Durchschnitt auf Tarifniveau". Nur für die sieben Prozent Ungelernten, meist auf 400-Euro-Basis beschäftigt, rangiere er tiefer. Von Dennree, Vize hinter Alnatura, war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  31 | 3 | 2010
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