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Altersvorsorge: Schluss mit dem Riester-Chaos!

Vor zehn Jahren wurde die Riester-Rente eingeführt. Für viele Versicherte fällt die Bilanz enttäuschend aus: Die private Altersvorsorge lohnt sich vor allem für die Finanzbranche. Nur die Politik kann den Pfusch reparieren.

Lohnt sich die Riester-Rente? Hierüber wird derzeit heftig gestritten.
Lohnt sich die Riester-Rente? Hierüber wird derzeit heftig gestritten.
Foto: dapd

Lohnt sich die Riester-Rente oder lohnt sie sich nicht? Auf diese Frage gibt es heute zumindest eine klare Antwort: Für die Finanzbranche ist die private Altersvorsorge ein lohnendes Geschäft. Seit Einführung der Riester-Rente vor zehn Jahren erhielten Banken, Versicherungen und Fondsanbieter rund 5,9 Milliarden Euro für Provisionen und Verwaltung, berichtet die Zeitschrift Finanztest. Damit sind rund 15 Prozent der Sparbeiträge von Bürgern und der staatlichen Zulagen in die Kassen der Finanzunternehmen geflossen.

Aber lohnt sich die Riester-Rente auch für die Sparer? Ist das Geld der Bürger und Steuerzahler gut angelegt? Hierüber wird zurzeit heftig gestritten, dabei ist eins klar: Aus Sicht der Bürger hat die Riester-Rente eklatante Mängel.

Erstens: Die Riester-Produkte haben sich insgesamt verschlechtert. Die Renditen von neuen Verträgen sind oft niedriger als von alten Policen. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) herausgefunden. Ein Grund: Der Gesetzgeber hat die Vorschriften zugunsten der Finanzbranche gelockert.

Gute und schlechte Riester-Angebote

Zweitens: Es gibt ordentliche und hundsmiserable Riester-Angebote. Verbraucher können die miesen Verträge oft nicht erkennen. Die tatsächlichen Kosten werden gern verschleiert. Das Analysehaus Morgen & Morgen hat die Angaben verschiedener Versicherungen zusammengestellt. Wer die Liste durchschaut, dem schwirrt der Kopf. Kostprobe gefällig? Bei einem Anbieter betragen die „Verwaltungskosten 4,5 Prozent jedes Eigenbeitrages und jeder Zulage, dazu jährlich zwölf Euro zuzüglich ein Euro pro Beitragszahlung sowie jährlich 1,5 Prozent der Jahresrente“. Was bleibt, ist Ratlosigkeit.

Drittens: Für Geringverdiener ist die Riester-Vorsorge „meist rausgeworfenes Geld“, urteilt DIW-Chef Gert Wagner. Viele erreichen im Alter nur die Grundsicherung. Auszahlungen aus der Riester-Rente werden verrechnet.

Diese Befunde sind ein sozialpolitischer Skandal. Schließlich ist die Riester-Rente kein Subventionsprogramm für die Finanzbranche. Sie ist vielmehr ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge: Die Politik hat beschlossen, dass Ruheständler künftig weniger Geld aus der gesetzlichen Rentenversicherung bekommen. Die Riester-Verträge sollen diese Kürzungen ausgleichen.

Die Politik hat nicht geprüft, ob die Riester-Verträge diese Aufgabe erfüllen. Stattdessen hat sie den Wildwuchs zugelassen. Jetzt muss der Gesetzgeber umsteuern. Nur er kann die Missstände beheben. Was ist also zu tun?

Seite 2: Mehr Transparenz

Antworten rund um die Riester-Rente 2012
Was sich ändert

Mindestens 60 Euro pro Jahr müssen Riester-Sparer künftig in einen Vertrag einzahlen. Entweder auf einen Schlag oder monatlich fünf Euro. Bislang war es möglich, Riester-Verträge zu führen, ohne selbst Geld einzubezahlen. Diese sogenannten Nullverträge oder „Hausfrauen-Verträge“ sind vom Gesetzgeber zum neuen Jahr abgeschafft worden. Das betrifft vor allem Ehepartner von Erwerbstätigen. Diese hatten es bislang angenehm: Ohne selber Geld einzuzahlen, erhielten sie die vollen staatlichen Zulagen, also 154 Euro Grundzulage sowie – falls Kinder vorhanden – die Kinderzulage.

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Autor:  Daniel Baumann und Eva Roth
Datum:  16 | 12 | 2011
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