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Arbeit und Soziales

22. Mai 2013

Arbeitsagentur: Weniger Bildung für Hartz-IV-Empfänger

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Weniger Hartz-IV-Empfänger bekommen eine Weiterbildung.  Foto: dpa

Jobcenter haben die Weiterbildung für Hartz-IV-Empfänger in den vergangenen Jahren radikal zurückgefahren. Arbeitsmarktforscher halten die Kürzungen für unvernünftig: Langfristig lasse sich so kein Geld sparen.

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Im April 2010 haben die Jobcenter noch 22.900 Hartz-IV-Empfängern eine berufliche Weiterbildung bewilligt und finanziert. Im vorigen April waren es laut Daten der Bundesagentur für Arbeit nur noch 13.200 – das entspricht einem Rückgang um rund 42 Prozent. Nun könnte man einwenden, dass es auch weniger Erwerbslose gibt. Allerdings ist die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger im gleichen Zeitraum nur um elf Prozent gesunken.

„Ich finde die Kürzungen völlig unverständlich“, sagte Gerhard Bosch, Direktor des Instituts für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen, dieser Zeitung. Schließlich sei erwiesen, dass sich eine Weiterbildung lohne, an deren Ende ein Berufsabschluss steht. Die Jobchancen dieser Menschen seien in der Folge besser und sie könnten mit deutlich höheren Einkommen rechnen. In Deutschland gebe es viele Menschen bis Mitte 30, die keine Berufsausbildung haben. Diese Leute nachzuqualifizieren sei die richtige Antwort auf den Fachkräftemangel, betonte Bosch.

Lohnende Investition

Wer bei der Weiterbildung knausert, kann zwar kurzfristig Geld sparen, sagte Gustav Horn, Direktor beim Konjunkturforschungsinstitut IMK der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Langfristig seien dagegen Investitionen in Bildung lohnend. Denn eine gute Weiterbildung mache Menschen fit für den Arbeitsmarkt. Und wenn ein Erwerbsloser eine Stelle findet, spart der Staat Arbeitslosenhilfe und erhält zusätzliche Einnahmen in Form von Lohnsteuern und Sozialbeiträgen.

Ein wichtiger Grund für die Kürzungen ist die Sparpolitik der Bundesregierung. 2010 seien noch sechs Milliarden Euro für die aktive Arbeitsmarktpolitik ausgegeben worden, heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit (BA). Im vorigen Jahr waren es nur noch 3,8 Milliarden. Hinzu komme, dass die BA mehr Arbeitslosen eine komplette Berufsausbildung finanzieren will – und die sind teurer als kurze Bewerbungstrainings.

Der Wissenschaftler Bosch hält es für richtig, dass die BA wieder stärker auf eine abschlussbezogene Fortbildung setzt. Deswegen sollten aber nicht weniger Menschen gefördert werden.

Viele Ein-Euro-Jobs gestrichen

Noch stärker als die Weiterbildung wurde die geförderte Beschäftigung zurückgefahren, das sind zum Großteil Ein-Euro-Jobs. So erhielten 2010 rund 741.000 Arbeitslose einen Ein-Euro-Job oder eine andere staatlich bezuschusste Stelle. Innerhalb von zwei Jahren ging die Zahl um fast 50 Prozent zurück. Das ergibt sich aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei, die dieser Zeitung vorliegt. Die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger sei dagegen nur um 7,8 Prozent gesunken, bei Langzeit-Arbeitslosen sei der Rückgang noch geringer, so die Linkspartei.

„Die Bundesregierung hat die Langzeit-Erwerbslosen abgeschrieben“, schlussfolgert Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag. Sie fordert mehr Engagement bei der Weiterbildung und der Beschäftigungsförderung. Bezuschusst werden dürften nur sozialversicherungspflichtige Jobs mit ordentlicher Entlohnung.

Ob und wie der Staat Arbeitsplätze subventionieren sollte, ist allerdings umstritten. Bei der beruflichen Weiterbildung gibt es jedenfalls einen Lichtblick: In den letzten Monaten haben die Jobcenter wieder etwas mehr Arbeitslose gefördert.

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