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Arbeit und Soziales

16. Oktober 2012

Arbeitslosen droht Armut: Armutsrisiko in Deutschland am größten

 Von Daniel Baumann
Zwei Drittel der Arbeitslosen in Deutschland sind von Armut bedroht.  Foto: dpa

Das reiche Deutschland ist Europameister der Armut. Zwei Drittel der Arbeitslosen sind davon bedroht. Selbst in den vermeintlichen Krisenländern Spanien und Portugal ist das Risiko geringer. Sie kümmern sich besser um ihre Jobsuchenden.

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Reiches Deutschland auf der einen Seite, krisengeplagte Portugiesen, Spanier, Griechen und Italiener auf der anderen. So einfach könnte die Welt derzeit aussehen. Doch wirft man einen Blick darauf, wie arbeitslose Menschen in den verschiedenen EU-Ländern behandelt werden, ist man verwundert: Knapp 68 Prozent der Erwerbslosen in Deutschland waren nach neuen Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat im Jahr 2010 armutsgefährdet. Arbeitslosigkeit, das bedeutet für die meisten Armutsgefahr.

In Spanien, Portugal oder Italien wird mit arbeitslosen Menschen dagegen behutsamer umgegangen. In Spanien waren demnach knapp 41 Prozent armutsgefährdet und in Portugal 36 Prozent. Für Italien haben die Statistiker im Jahr 2009 eine Armutsgefährdungsquote von rund 44 Prozent erhoben. Und auch in Frankreich (33 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (48 Prozent) sieht die Lage besser aus.

Armutsgrenze bei 848 Euro im Monat

Armutsgefährdung ist ein relativer Begriff. Er erfasst, inwieweit es Menschen möglich ist, mit ihren Einkünften am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, wie ihre ökonomische Situation im Vergleich zu ihrem sozialen Umfeld ist. Beträgt das verfügbare Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren nationalen Einkommens, gelten Menschen als armutsgefährdet. Zuletzt lag die Schwelle in Deutschland bei einem Single bei 848 Euro im Monat.

In Deutschland verlieren also deutlich mehr Arbeitslose den Anschluss an ihr soziales Umfeld als in anderen Ländern. Nach Angaben des Wissenschaftlers Eric Seils von der Hans-Böckler-Stiftung hat das zwei Ursachen: Die Leistungen, die Jobsuchende in Deutschland zu Beginn ihrer Arbeitslosigkeit erhalten, sind im Vergleich zum Ausland niedrig. Und sie haben nur kurz Anspruch auf Arbeitslosengeld I. In Frankreich und den Niederlanden erhalten Erwerbslose fast doppelt so lange Arbeitslosengeld, in Dänemark sogar fast viermal so lang.

Hartz IV unter der Grenze

Die Hartz-IV-Sätze liegen für die meisten Bezieher unter dem Niveau der Armutsgrenze. Wer in den vergangenen Jahren keinen Job gefunden und auch jetzt vom Aufschwung des Arbeitsmarktes nicht profitiert hat, entkommt der Armut kaum. Weil die prekäre Beschäftigung mit geringen Löhnen in Deutschland auf dem Vormarsch ist, fällt auch das Arbeitslosengeld immer geringer aus.

Nun zeichnet sich in den Krisenländern eine ähnliche Entwicklung ab: Unter dem Druck der Rezession beschneidet die Politik Arbeitnehmerrechte: In Griechenland hat die Regierung Mindestlohn und Arbeitslosenhilfe gekappt und das Rentenalter hochgesetzt. In Portugal, Italien und Spanien dürfen die Löhne gesenkt werden. Um nur einige Beispiele zu nennen. Bei den Reformen gilt dabei als Vorbild: Die Agenda 2010.

Interaktiv: Arbeitslosigkeit in Deutschland

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