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Arbeit & Soziales
Kurzarbeit, Jobabbau, Hartz IV

28. Juni 2012

Arbeitsmarkt: Jobwunder ade

 Von Bernd Salzmann
Die Zahl der arbeitslosen Menschen ist weniger stark gesunken als im Juni üblich. Foto: Hendrik Schmidt  

Die Euro-Krise drückt auch auf den deutschen Arbeitsmarkt durch: Der jahrelange Jobboom in Deutschland verliert an Dynamik.

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Am Arbeitsmarkt gehen die Warnlichter an. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juni schwächer als in diesem Monat üblich gesunken. Saisonbereinigt stieg sie sogar leicht − bereits das dritte Mal in Folge. Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), spricht von einer nachlassenden Dynamik auf dem Arbeitsmarkt. Mit einer Trendwende zum Schlechteren rechne er für dieses Jahr aber nicht. „Wir erwarten aus heutiger Erkenntnis nicht, dass sich das Blatt wendet in 2012“, sagt Weise. „Für 2013 sind wir natürlich angespannt.“ Grund seien die Risiken durch die Eurokrise.

Bei der Bundesagentur waren im Juni 2,81 Millionen Erwerbslose registriert, 46 000 weniger als im Mai und 84000 weniger als im Juni vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 beziehungsweise 0,3 Prozentpunkte auf 6,6 Prozent.

Drei Länder schwächer

Saisonbereinigt sieht das Bild weniger günstig aus: Die Arbeitslosigkeit ist gegenüber dem Vormonat leicht um 7000 gestiegen, die Arbeitslosenquote verharrt bei 6,8 Prozent. In der saisonbereinigten Statistik berücksichtigen die Fachleute, dass Branchen wie Baugewerbe, Gastronomie und Landwirtschaft auf milde Temperaturen angewiesen sind und daher im Winter mehr Menschen ihre Jobs verlieren als im Sommer.

Ein Beleg für die nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt ist auch, dass die Arbeitslosenzahl in drei westdeutschen Bundesländern − Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland − im Juni bereits über dem Vorjahresniveau lag. Auch die Arbeitskräftenachfrage hat im zurückliegenden Monat nachgelassen, wenngleich auf hohem Niveau. „Auf dem Arbeitsmarkt gibt es Anzeichen einer schwächeren Entwicklung“, sagt Weise. Der BA-Chef warnt allerdings davor, gleich von einer Trendwende zu sprechen. Sie sei per BA-Definition erst eingetreten, wenn drei Indikatoren − Arbeitslosigkeit, Stellenangebot und Beschäftigung − drei Monate in Folge in eine andere Richtung zeigten. „Das sehen wir nicht“, betont Weise.

Die Ökonomen der Commerzbank teilen die Auffassung des BA-Chefs. „Wir gehen davon aus, dass die Verbesserung am Arbeitsmarkt nur unterbrochen ist“, sagt Eckart Tuchtfeld. „Da wir mit keinem Einbruch der Konjunktur rechnen, wird der Arbeitsmarkt wohl nicht stärker in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir erwarten, dass er in den nächsten Monaten eher seitwärts tendieren wird.“ Ganz ähnlich äußert sich sein Kollege Rainer Sartorius von der Privatbank HSBC Trinkaus: „Der Arbeitsmarkt kippt zwar nicht, stagniert aber“, sagt er.

Forscher für 2013 skeptisch

Etwas skeptischer ist Bernd Hartmann von der VP Bank. Er rechnet mit einer „temporären Wachstumsdelle in Deutschland“, selbst bei einer Einigung auf dem Eurogipfel für eine gesamteuropäische Lösung der Schuldenkrise. Denn Deutschland könne sich der Wachstumsschwäche in der Eurozone nicht gänzlich entziehen. „Zuletzt hat die Zahl der Arbeitssuchenden kaum mehr abgenommen − ein Trend der angesichts der schwächeren Konjunkturerwartung in den kommenden Monaten tendenziell zu einer höheren Arbeitslosenquote führen wird“, prognostiziert Hartmann.

Das gewerkschaftsnahe Wirtschaftsforschungsinstitut IMK erwartet in seiner neuen Konjunkturprognose für dieses Jahr rund 2,9 Millionen Arbeitslose im Jahresdurchschnitt, also 78000 weniger als 2011. Nächstes Jahr gehe dieser „kleine Fortschritt“ jedoch fast vollständig wieder verloren, fürchten die Forscher. Die Arbeitslosigkeit steige dann im Jahresmittel auf 2,97 Millionen, die Quote von 6,8 auf sieben Prozent.

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