kalaydo.de Anzeigen

Arbeit & Soziales
Kurzarbeit, Jobabbau, Hartz IV

02. Januar 2013

Arbeitsmarkt: Rekord auf dem Arbeitsmarkt

 Von Stefan Sauer
So viele Menschen wie 2012 waren in Deutschland noch nie erwerbstätig. Foto: dpa

Noch nie gab es in Deutschland so viele Erwerbstätige - die Zahl der Vollzeit-Beschäftigten geht allerdings zurück. Die Konjunkturaussichten trüben sich weiter ein.

Drucken per Mail

Die Beschäftigung in Deutschland hat 2012 ein Rekordniveau erreicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts gingen durchschnittlich 41,6 Millionen Menschen einer bezahlten Tätigkeit im Inland nach. Das waren 422 000 mehr als 2011, als der bis dahin höchste Beschäftigungstand seit der Wiedervereinigung registriert wurde. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm 2012 zu und erreichte im September ein Rekordhoch von 29,4 Millionen.

Dass der deutsche Arbeitsmarkt seit geraumer Zeit einen rasanten Aufschwung erfährt, zeigt ein Vergleich mit 2005. Im ersten Jahr der Hartz-IV-Reformen waren mit 4,9 Millionen mehr Menschen arbeitslos gemeldet als in jedem anderen Jahr seit 1949. Zugleich war die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf 26,18 Millionen gesunken. Die Vergleichsdaten für 2012, die das Statistische Bundesamt an diesem Donnerstag veröffentlicht, werden im Jahresschnitt rund 29 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 2,9 Millionen Arbeitslose ausweisen.

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung dagegen konnte vom Beschäftigungszuwachs kaum profitieren. Die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen stagniert. In den Boomjahren 2009 bis 2011 trugen vor allem steigende Exporte und Investitionen zum Wachstum bei, während der private Konsum nur geringfügig stieg. Das Plus lag 2011 bei einem Prozent, 2012 waren es nach Schätzungen etwa 0,9 Prozent, für 2013 werden 0,8 Prozent erwartet.

Dass Millionen Menschen, die zusätzlich in Lohn und Brot stehen, zu einer nur minimal steigenden Binnennachfrage führen, deutet auf die Kehrseite der Arbeitsmarktreformen hin. Atypische Beschäftigungsformen weiteten sich bis 2009 aus, seither stagniert die Zahl bei 7,8 Millionen. 2002 waren noch 71 Prozent aller Erwerbstätigen unbefristet in Vollzeit und außerhalb der Leiharbeit beschäftigt, ging der Anteil auf derzeit 66 Prozent zurück. Zudem sind Reallöhne seit 2005 kaum gestiegen. 2012 wird das Plus immerhin ein Prozent betragen. „Um die Konjunktur kräftig anzukurbeln, reicht das aber nicht“, sagt DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke.

Hinzu treten deutsche Eigenarten, die die Bedeutung der Binnennachfrage für die Wirtschaft schmälern. Angesichts des starken Exportanteils trägt der private Konsum in Deutschland nur etwa die Hälfte zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Zugleich liegt die Sparquote mit knapp elf Prozent im internationalen Vergleich sehr hoch. In den USA legen die Menschen nur rund fünf Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante. Sie tragen mit ihrem Konsum aber 70 Prozent zum BIP bei.

Jetzt kommentieren

Videonachrichten Wirtschaft
Steueroasen
Beliebtes Steuerparadies: Cook Inseln.

Die Enttarnung geheimer Geschäfte in Steueroasen beschäftigt Politik und Wirtschaft. Berichte und Hintergründe finden Sie in der Offshore Leaks-Themensammlung.