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Arbeit und Soziales

13. September 2012

Arbeitsmarkt: Weniger ist manchmal mehr

 Von Daniel Baumann
Jeder fünfte Beschäftigte muss sich mit schlechter Bezahlung zufriedengeben.  Foto: dpa

Der Arbeitsmarkt brummt, doch die Armut steigt, sagt die Statistik. Das macht Forscher ratlos

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Der Arbeitsmarkt brummt, doch die Armut steigt, sagt die Statistik. Das macht Forscher ratlos

Die ökonomische Welt ist aus den Fugen: Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenzahl ist gesunken und trotzdem soll immer mehr Menschen Armut drohen. Das jedenfalls geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Lag die Armutsgefährdungsquote im bundesweiten Durchschnitt im Jahr 2005 noch bei 14,7 Prozent und im Jahr 2010 bei 14,5 Prozent, so soll sie im vergangenen Jahr auf 15,1 Prozent gestiegen sein. Besonders stark war der Anstieg offenbar in Berlin mit 1,9 Prozentpunkten auf 21,1 Prozent.

Diese Entwicklung bereitet Experten vor allem eins: Kopfzerbrechen. Denn sie können sie nicht schlüssig erklären. „Ich persönlich finde die Ergebnisse überraschend“, sagt Markus Grabka, Verteilungsforscher beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. „Wir haben seit 2009 einen ausgesprochen gut laufenden Arbeitsmarkt. Seit 2005 hat sich die Arbeitslosigkeit fast halbiert. Mehrere hunderttausend Menschen haben sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gefunden.“ Eigentlich sollten weniger Menschen armutsgefährdet sein.

Eine Erklärung dafür, dass anscheinend das Gegenteil der Fall ist, könnte darin liegen, dass Armut relativ ist. Eine Armutsgefährdung wird dann angenommen, wenn jemand weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verdient. Dieser Wert lag vergangenes Jahr bei 848 Euro und damit 22 Euro höher als noch ein Jahr zuvor. Das mittlere Einkommen ist also gestiegen und damit auch die Hürde, die genommen werden muss, um nicht mehr als armutsgefährdet zu gelten. Wenn die unteren Einkommen mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten konnten, dann sind jetzt rein statistisch gesehen mehr Menschen armutsgefährdet als zuvor.

Belegen lässt sich das allerdings nicht, weil die statistischen Ämter dazu am Donnerstag keine Daten bereitstellen konnten. Weitere Faktoren könnten eine Rolle spielen: Wegen der doppelten Abiturjahrgänge studieren mehr junge Leute oder machen eine Ausbildung – und gründen womöglich einen eigenen Haushalt. Zudem ist die Zahl der Ein-Euro-Jobber vergangenes Jahr um 118000 gesunken, weil die Bundesagentur für Arbeit die Förderung gekürzt hat. Ohne Minijob fallen Einpersonenhaushalte aber wieder unter die Schwelle der Armutsgefährdung.

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