Für Jugendliche ist es einfacher geworden, einen Ausbildungsplatz zu finden: Es gibt weniger Bewerber und mehr Stellen als früher. 327.800 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge registrierten der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Zentralverband des Handwerks bis Ende Juli. Das entspricht einem Anstieg um rund sechs Prozent.
Im August gab es sogar mehr unbesetzte Lehrstellen als unversorgte Bewerber, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch. Demnach waren in diesem Monat noch 91.400 Ausbildungsplätze frei. Dem standen 88.300 junge Menschen gegenüber, die bei der BA noch als Bewerber registriert waren. Jedoch sind die Monatszahlen nur eine Momentaufnahme. Daraus dürfe man nicht schließen, dass sich der Markt gedreht habe und es inzwischen mehr Stellen als Ausbildungs-Suchende gebe, warnt die Behörde. So haben sich seit Oktober vorigen Jahres 520.000 Jugendliche bei der BA gemeldet. Dem stehen nur 494.000 gemeldete Plätze gegenüber.
Viele Jugendliche tauchen in Statistik nicht auf
Viele Schulabgänger haben nicht die gewünschte Ausbildung gefunden und sich deshalb mit einer Alternative begnügt und etwa ein soziales Jahr begonnen, sagt eine Sprecherin der Arbeitsbehörde. Außerdem suchen immer mehr Jugendlichen über Online-Plattformen einen Ausbildungsplatz, sie tauchen in der BA-Statistik gar nicht auf. Das gleiche gilt für Jugendliche, die sich im sogenannten Übergangssystem befinden, betont Ingrid Sehrbrock, Vize-Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds.
Der DGB geht davon aus, dass derzeit rund 56 000 junge Menschen Einstiegsqualifizierungen oder auch Bewerbungstrainings absolvieren. Einstiegsqualifizierungen sind eine Art Praktikum, die sechs bis zwölf Monate dauern und vom Arbeitsamt finanziert werden. Sie können auf die Ausbildung angerechnet werden – was für Unternehmen attraktiv ist, weil die Jugendlichen ihr Geld vom Arbeitsamt bekommen.
„Das Übergangssystem muss durchforstet werden“, fordert DGB-Vizechefin Sehrbrock. Ziel müsse sein, dass die Schulabgänger direkt einen regulären Ausbildungsplatz erhalten. Trotz aller Einschränkungen betont auch Sehrbrock, dass sich die Situation für Jugendliche verbessert hat.