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Arbeit und Soziales

26. April 2012

Beruf: Wirtschaftsrechtler fordert die 30-Stunden-Woche

Ein Wirtschaftswissenschaftler fordert die 30-Stunden-Woche für alle Arbeitnehmer.  Foto: dpa

30 Stunden pro Woche arbeiten, und das bei vollem Lohnausgleich. Was Arbeitgeber zittern lässt, hält der Arbeitsökonom Heinz-Josef Bontrup für eine Möglichkeit, Vollbeschäftigung herzustellen.

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Düsseldorf –  

Ein deutscher Arbeitsökonom und Wirtschaftsrechtler fordert die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. „Es gibt nach wie vor ein großes Überschussangebot an Arbeitskräften von rund 4 Millionen Menschen“, sagte Prof. Heinz-Josef Bontrup von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen den „VDI Nachrichten“.

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt werde überschätzt. „Wir brauchen eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit“, sagte Bontrup, der Sprecher einer Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik ist. „Bei einer 30-Stunden-Woche brauchte man rund fünf Jahre, um wieder an Vollbeschäftigung heranzukommen. Dennoch wären bei einer 30-Stunden- Woche noch immer eine Million Frauen und Männer arbeitslos.“

"Arbeitslosigkeit würde dadurch abgebaut werden"

Wir brauchen eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit: Heinz-Josef Bontrup.
"Wir brauchen eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit": Heinz-Josef Bontrup.
 Foto: Ulrich Zillmann

Bontrup hält den Moment für richtig, um die Wochenarbeitszeit zu verkürzen. „Die Produktivität und die Preissteigerungsraten in der Industrie lagen in der Vergangenheit weit über den nominalen Lohnerhöhungen.“ Die Stückgewinne seien sehr kräftig gestiegen. „Gewinne wurden nicht wieder in der Realwirtschaft investiert, sondern auf die Finanzmärkte gespült. Was dort damit passierte, ist hinlänglich bekannt.“ Eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich sei aber nicht allein über Produktivitätszuwächse finanzierbar.

Die Gewinnquote würde leicht zurückgehen, sagte der Ökonom. Darin sieht Bontrup aber kein Problem. „Im Gegenteil. Die Arbeitslosigkeit würde dadurch abgebaut werden. Außerdem darf man nicht vergessen, dass dann die fiskalischen Kosten der Arbeitslosigkeit in Höhe von rund 60 Milliarden Euro entfallen würden“, sagte der Forscher.

Den Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt relativiert Bontrup. „Dieser Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt war prekär. Jeder vierte abhängig Beschäftigte arbeitet schon im Niedriglohnsektor, das kann man kaum als Erfolg bezeichnen. Zugenommen haben Teilzeit- und geringfügige Beschäftigung.“ Die Zahl der unbefristeten Vollzeitstellen sei seit dem Jahr 2000 dagegen gesunken. „Das sogenannte Beschäftigungswunder gibt es nicht, weil das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen der abhängig Beschäftigten nahezu unverändert geblieben ist.“ (dpa)

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