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Arbeit und Soziales

27. Juli 2010

Boom der Ungleichheit: Leiharbeit statt fester Stellen

 Von Markus Sievers
Die IG-Metall verlangt, gleiche Arbeit auch gleich zu bezahlen.  Foto: dpa

Die Zeitarbeit wächst rasant. Für jede dritte Stelle suchen Firmen Zeitarbeiter. Die IG-Metall sieht ihre Befürchtungen bestätigt und kündigt Widerstand an.

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Berlin –  

Die Leiharbeit breitet sich erneut in hohem Tempo aus und nähert sich nach dem scharfen Einbruch in der Wirtschaftskrise alten Rekordwerten. Mehr als jede dritte im Juni angebotene neue Stelle soll nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit einem Zeitarbeiter besetzt werden.

Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor, die der FR vorliegt. Demnach haben sich die Jobangebote in der Leiharbeit seit Jahresanfang mehr als verdoppelt, während die Zahl der übrigen Stellen lediglich um ein Drittel zulegte.

„Diese Zahlen bestätigen unsere Befürchtungen“, sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel der FR. Leiharbeit verdränge „mehr und mehr Stammbeschäftigung“. Dieser Weg setze auf „Billiglohn und eine Politik des Heuern und Feuerns“. Die IG Metall werde „Gegenwehr in den Betrieben organisieren“.

Kritik kommt auch von der Linkspartei. Deren arbeitsmarktpolitische Sprecherin Jutta Krellmann nannte die Daten „alarmierend“. Sie zeigten, dass der Leiharbeit „als betriebliche Lohndumpingstrategie dringend ein Ende“ gesetzt werden müsse.

Sowohl Union als auch FDP erkennen den Bedarf für eine Regulierung an, streiten aber über das Instrument. CDU und CSU favorisieren einen Branchenmindestlohn, den die FDP ablehnt. Auf jeden Fall möchte die Koalition verhindern, dass osteuropäische Firmen zu Stundenlöhnen von drei Euro Dienste anbieten, wenn von Mai 2011 an die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU gilt. Dann dürfen polnische oder litauische Arbeitnehmer in Deutschland nach den Tarifen ihrer Heimat bezahlt werden.

Laut Bundesverband Zeitarbeit ist eine Ende des Booms nicht in Sicht. Vielmehr deuten die Erhebungen des Verbandes darauf hin, dass der alte Rekord vom August 2008 mit 823000 Beschäftigten bald überschritten wird.

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