Der Schritt in die Selbständigkeit birgt Risiken, noch größer aber sind die Chancen. Im Durchschnitt verdienen die mehr als 4,2 Millionen Selbstständigen in Deutschland einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge spürbar mehr als abhängig Beschäftigte. Demnach bezogen 36,6 Prozent der Selbständigen im Jahr 2009 Nettoeinkünfte von mehr als 2300 Euro pro Monat. Von den Arbeitern, Angestellten und Beamten verfügten nur 17,2 Prozent über solch hohe Verdienste. Umgekehrt sieht es am anderen Ende der Einkommensskala aus: Während sich 34 Prozent der abhängig Beschäftigten mit einem Monatsnetto von unter 1100 Euro zufrieden geben mussten, waren es bei den Selbständigen 26,8 Prozent. Zwischen 1100 und 2300 Euro lag das Nettoeinkommen von 36,6 Prozent der Selbständigen und von 48,7 Prozent der angestellten Arbeitnehmer.
Die insgesamt positiven Daten sind auch deshalb bemerkenswert, weil die Konkurrenz unter den Selbständigen wächst. Ihre Zahl hat seit 1991, als etwa drei Millionen Selbstständige registriert wurden, bis 2009 um 40 Prozent auf mehr als 4,2 Millionen zugenommen. In den ostdeutschen Ländern verdoppelte sich die Zahl annähernd, von 443.000 auf 867.000 Selbstständige. Auch Frauen und Menschen nichtdeutscher Herkunft wagen vermehrt den Schritt in die Selbständigkeit.
1991 betrug der Frauenanteil an den Neugründungen ein Drittel, 2009 waren es bereits 41,6 Prozent. Der Anteil der Neugründungen durch Menschen ohne deutschen Pass stieg von 12,8 Prozent im Jahr 1996 auf 17,2 Prozent 2009. Die mit Abstand höchste Zahl neuer Unternehmen wurde 2005 registriert: Im Jahr der Harz-IV-Reform machten sich fast 400.000 Menschen selbstständig. Zum Vergleich: 2009 waren es 294.000.
Keine erbarmungswürdige Ich-AG
Hieraus kann allerdings nicht geschlussfolgert werden, es handele sich bei der Mehrzahl der neuen Selbständigen um erbarmungswürdige Ich-AG. Zum einen sind es vor allem Personen mit Uni-Abschluss, die vermehrt den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Die Zahl selbständiger Akademiker nahm von 500.000 im Jahr 1991 auf mittlerweile 1,25 Millionen zu. Zudem zeigen die Analysen des DIW, die auf Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem Mikrozensus fußen, dass sich in der Mehrzahl der Mehrzahl der Fälle das Wagnis Selbständigkeit bezahlt macht. Drei Jahre nach dem Wechsel aus eine abhängigen Beschäftigentenverhältnis in die Selbstständigkeit verdienten 38 Prozent der Neuunternehmer mehr als zuvor. 45 Prozent verfügten über ein unverändertes Einkommen, lediglich 17 Prozent mussten sich mit weniger zufrieden geben als in der vorangegangenen Erwerbsphase.
Bemerkenswert sind die Daten nach Ansicht des DIW auch deshalb, weil die Selbständigkeit in anderen „innovationsgetriebenen Volkswirtschaften“ laut OECD seit 20 Jahren stagniert oder sogar rückläufig ist. „Der deutliche Anstieg der Selbständigkeit in Deutschland lässt darauf schließen, dass sich während des Untersuchungszeitraums tatsächlich verstärkt eine unternehmerische Kultur etablieren konnte“, heißt es in der Studie.