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Arbeit & Soziales
Kurzarbeit, Jobabbau, Hartz IV

21. März 2013

Equal Pay Day: Bis die Ungleichheit behoben ist

 Von Silvia Perdoni
"Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit" fordern Frauen in Berlin.Foto: dpa

Heute sollte eigentlich Equal Pay Day sein. Offiziell ist er das auch. Doch die Statistiker haben sich verrechnet. Frauen müssten demnach noch länger arbeiten, um dasselbe zu verdienen wie Männer.

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Eigentlich sollte Deutschland die roten Taschen nicht mehr brauchen. Von den Forderungen ihrer Trägerinnen sind viele Menschen - Männer wie Frauen - genervt. „Das ist doch ein alter Hut, jedes Jahr hören wir das Gleiche“, fallen einige Reaktionen aus. Und heutzutage sei das doch gar kein Thema mehr, brüsten sich selbstbewusste Frauen. Anders denken die Demonstrantinnen, die sich am Donnerstag  in vielen Städten zum Equal Pay Day versammeln, um gegen die Einkommenskluft  zwischen Männern und Frauen zu demonstrieren.  Ihr Erkennungszeichen sind die roten Taschen.

Der Equal Pay Day markiert den Tag, bis zu dem Frauen zusätzlich arbeiten müssten, um den Verdienst zu erzielen, den Männer bereits Ende 2012 erwirtschaftet hatten. Ungefähr 80 Tage sind das durchschnittlich jedes Jahr. Die Deutsche Mathematiker Vereinigung ist in diesem Jahr der Überzeugung, dass sich die Initiatoren bei der Bestimmung des Datums verrechnet haben. Der eigentliche Termin müsse am erst 13. April 2013 liegen.

Um so schlimmer also, hieße das doch, dass Frauen noch länger zusätzlich arbeiten müssten, um das Level ihrer männlichen Kollegen zu erreichen. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, fielen weibliche Gehälter im Jahr 2012 um 22 Prozent niedriger aus als der männliche Lohn. Während Arbeitnehmerinnen im Schnitt 15,21 Euro brutto pro Stunde verdienten, bekamen Arbeitnehmer 19,60 Euro brutto.

Hauptgründe für das Lohngefälle

Ihr Symbol sind die roten Taschen: Demonstrantinnen weisen auf die Einkommenskluft zwischen Männern und Frauen hin.
Ihr Symbol sind die roten Taschen: Demonstrantinnen weisen auf die Einkommenskluft zwischen Männern und Frauen hin.
Foto: dpa

Dass diese Zahlen jedoch trügerisch sein können, ergibt sich aus ihrer Berechnung. Denn das Statistische Bundesamt  vergleicht die Löhne unabhängig von der Position der Beschäftigten, ihrer Ausbildung oder der Branche, in der sie arbeiten. Wirtschaftsinstitute weisen eine erheblich kleinere Einkommenskluft aus und betonen außerdem, dass Teilzeitarbeit und Mutterschafts-Pausen die Hauptgründe für das Lohngefälle seien.

Und hier liegt der eigentliche Kernpunkt, den es zu bekämpfen gilt. Dass Frauen selbstverständlich im Stande sind, zum Beispiel bei Gehaltsverhandlungen genauso selbstbewusst aufzutreten wie Männer, nimmt die junge weibliche Generation als gegeben an - zu Recht. Alles andere würde den Rückfall in ein Rollenverständnis bedeuten, das heutzutage überholt ist. Aber dass eine Familienpause nach wie vor die Karriere einer Frau ins Stocken bringt – darüber gilt es zu reden.

Hürden in Frauenkarrieren

„Dass Frauen im Durchschnitt schlechter bezahlt werden, hat vor allem damit zu tun, dass sie Mütter sind“, sagt auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). „Wer sich Zeit für Familie nimmt, wird bestraft mit schlechteren Chancen.“   Das Problem vieler Frauen sei doch, dass sie nach einer Familienpause oder nach einer Teilzeitphase gar keine gleichwertigen Aufgaben mehr bekämen.

Auch betont die Ministerin, dass Männerberufe oft besser bezahlt würden, weil besondere Belastungen anders gewertet würden. So werde zum Beispiel bei Müllmännern das Heben schwerer Last zu Recht als Kriterium für die Arbeitsplatzbewertung herangezogen. Bei den hauptsächlich von Frauen ausgeübten Pflegeberufen würden körperliche und psychische Anstrengung dagegen zu wenig beachtet. „Wir brauchen dringend eine Neubewertung typischer Frauenberufe“, so die Ministerin.

Und ist der Equal Pay Day auf dem Weg dorthin nun ein wichtiges Zeichen oder ein störendes  „Alle Jahre wieder…“? Eigentlich reicht ein Tag im Jahr nicht aus, um an die Hürden in Frauenkarrieren zu erinnern. Eigentlich sollte die Wirtschaft in Anbetracht von steigendem Fachkräftemangel von sich aus mit allen Mitteln um qualifizierte Frauen werben. Eigentlich sollte Gleichstellung in allen Gesellschaftsbereichen selbstverständlich sein. Und eigentlich sollte Deutschland die roten Taschen nicht mehr brauchen. Aber so lange das Wörtchen „eigentlich“ noch auftaucht, ist der Equal Pay Day sinnvoll, um genau diese Debatten aufzurütteln. Gern auch alle Jahre wieder. (mit dpa)

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