Arbeit & Soziales
Kurzarbeit, Jobabbau, Hartz IV

12. Dezember 2012

Frauen im Alter: Frauen reicht Rente nicht zum Leben

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Die gesetzliche Rente von Frauen ist im Durchschnitt um 42,3 Prozent geringer als die von Männern. Foto: dpa

Die Kluft zwischen Männern und Frauen bei der gesetzlichen Rente ist erschreckend: 42,3 Prozent haben Frauen weniger, die Rente der meisten Frauen liegt weit unterhalb des Sozialhilfeniveaus, sagt die Bundesregierung. Die Rentenkonzepte von Union und SPD werden das nicht ändern.

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Berlin –  

Die meisten Frauen in Deutschland beziehen nicht genug Rente, um ihren Lebensbedarf zu decken. Frauen, die im Jahr 2011 in Rente gegangen sind, erhalten im Durchschnitt nur 520 Euro Rente monatlich, deutlich weniger als Männer mit 868 Euro. Das geht aus den Antworten der Bundesregierung auf eine Große Anfrage der Linksfraktion hervor, über die der Bundestag am Freitag debattieren will. Die durchschnittliche Grundsicherung für Rentner - die dem Niveau der Sozialhilfe entspricht - beträgt 668 Euro monatlich.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist der Unterschied bei den Rentenansprüchen von Frauen und Männern in Deutschland besonders groß. Selbst unter Hinzunahme der abgeleiteten Ansprüche, die durch die Beschäftigung des Ehepartners entstanden sind, sind die Alterseinkünfte von Frauen im Durchschnitt um 42,3 Prozent geringer als die von Männern. Nur in Griechenland, Luxemburg und Großbritannien ist die Kluft noch größer. "Die Altersvorsorge von Frauen ist völlig unzureichend", erklärte die Linken-Abgeordnete Yvonne Ploetz, die Autorin der Großen Anfrage.

Die Bundesregierung weist diese Schlussfolgerung zurück. In den letzten Jahren sei die Erwerbstätigenquote der Frauen überproportional gestiegen. Die Verbreitung der zusätzlichen Altersvorsorge sei unter Frauen sogar etwas höher als bei Männern. Vor diesem Hintergrund "kann von einer besonders unzureichenden sozialen Absicherung von Frauen beziehungsweise von einer besonderen Betroffenheit von Armut im Alter generell nicht die Rede sein", heißt es in der Antwort der Bundesregierung.

Lebensleistungsrente greift nicht

Tatsächlich kommen zur gesetzlichen Rente noch abgeleitete Ansprüche sowie möglicherweise eine betriebliche oder berufsständische Altersvorsorge dazu. Rechnet man sie mit ein, kommen Frauen auf durchschnittlich 1026 Euro im Monat, Männer auf 1659 Euro. Der Abstand zwischen den Geschlechtern bleibt also bestehen, aber die Zahlen erklären doch, warum nur ein sehr kleine Zahl von Rentnerinnen -2,9 Prozent - Grundsicherung bezieht.

Zwei Aspekte der jetzt vorgelegten Renten-Statistiken dürften dennoch die politische Debatte befeuern: Sie zeigen, dass nur wenige Frauen in den Genuss der geplanten Lebensleistungsrente oder der Solidarrente kommen dürften, mit der Union und SPD die Altersarmut bekämpfen wollen. Denn beide Konzepte setzen voraus, dass der Empfänger mindestens 40 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt hat. Nach den vorliegenden Statistiken kommen Frauen im Durchschnitt aber nur auf knapp 30 Versicherungsjahre.

Kinder kosten Rente

Deutlich wird auch, dass das Armutsrisiko für ältere Frauen mit der Zahl der Kinder steigt, die sie in die Welt gesetzt haben. Die Antwort der Bundesregierung führt auf, welches Bruttoeinkommen Frauen aus gesetzlicher Rente, aus abgeleiteten Leistungen und betrieblicher oder berufsständischer Versorgung haben. Im Jahr 2011 verfügten Frauen, die keine Kinder bekommen hatten, demnach durchschnittlich über 1308 Euro. Mit einem Kind verringerte sich der Betrag auf 1094 Euro, mit zweien auf 979 Euro.

Die Einbußen erklären sich einerseits daraus, dass Frauen früher für ihre Kinder länger vom Beruf ausgesetzt haben. Andererseits gilt für Mütter von Kindern, die vor 1992 geboren wurden, dass sie für jedes Kind nur ein Erziehungsjahr für die Rente geltend machen konnten. Auf Drängen der Frauenunion hat der CDU-Parteitag in der vergangenen Woche zwar Nachbesserungen zugesagt. Finanzminister Wolfgang Schäuble sieht dafür in der nahen Zukunft aber keinen Spielraum.

Risikofaktor Ehescheidung

"Das Rentenniveau muss angehoben werden", forderte Ploetz von der Linksfraktion. "Gleichzeitig muss alles getan werden, damit Frauen mehr eigenständige Rentenansprüche erwerben können und ihre Löhne besser werden."

Nach den Statistiken der Bundesregierung haben nur 8,5 Prozent der Rentnerinnen einen gesetzlichen Rentenanspruch über mehr als 1000 Euro im Monat. Über 40 Prozent bekommen dagegen weniger als 450 Euro. Die niedrigen Ansprüche erklären sich daraus, dass viele Frauen zu Gunsten von Mann und Kindern auf eine Berufstätigkeit verzichtet haben. Aber auch wenn sie gearbeitet haben, haben sie meist deutlich weniger verdient als Männer und daher auch weniger in die Rentenkasse eingezahlt. Ehescheidungen werden damit für die Frauen zum Armutsfaktor.

Auffällig sind dabei die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Wegen der höheren Erwerbsquote erhielten ostdeutsche Rentnerinnen im vergangenen Jahr durchschnittlich 711 Euro im Monat, in Westdeutschland waren es dagegen nur 487 Euro.

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