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Niedriglöhne: Immer mehr Minijobber in Deutschland

Deutschland, Land der Niedriglöhne: Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten als Minijobber. Bereits jedes vierte Beschäftigungsverhältnis ist geringfügig.

Bis zu 400 Euro sind abgabenfrei: Minijobber in Deutschland
Bis zu 400 Euro sind abgabenfrei: Minijobber in Deutschland
Foto: Andreas Arnold

Minijobs haben sich in Deutschland rasant ausgebreitet. Inzwischen gibt es 7,3 Millionen 400-Euro-Stellen – und damit 1,6 Millionen mehr als im Jahr 2003. Damit ist bereits jeder fünfte Arbeitsplatz ein Minijob. Dieser Boom ist für die Beschäftigten und für den Sozialstaat fatal, warnen Forscher und appellieren an die Bundesregierung, die Förderung der geringfügigen Beschäftigung abzuschaffen.

Besonders verbreitet sind 400-Euro-Stellen im Dienstleistungssektor. Im Hotel- und Gastgewerbe sei mittlerweile fast jeder zweite Arbeitsplatz ein Minijob, heißt es in einem Gutachten für das Thüringer Arbeitsministerium, das Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen erstellt haben. Ähnliches gelte für die Gebäudereinigung. Im Einzelhandel ist etwa jede dritte Stelle ein Minijob.

Minijobs
Minijobs
Foto: FR

Meist arbeiten Frauen auf diesen Stellen: Fast zwei Drittel der Minijobber sind weiblich. Der Staat fördert diese Beschäftigungsform, indem er weniger Abgaben verlangt. So sind bei einer regulären Stelle rund 40 Prozent Sozialbeiträge fällig. Bei einem Minijob zahlen die Arbeitgeber eine Pauschale von rund 30 Prozent. Die Beschäftigten müssen gar keine Abgaben abführen. Im Zuge der Hartz-Reformen hat die damalige rot-grüne Bundesregierung die Förderung massiv ausgeweitet. Sie hat die Einkommensgrenze auf 400 Euro erhöht – und die Abgabenpflicht für Nebenjobs abgeschafft. Das heißt: Wer etwa neben seinem Hauptberuf für 400 Euro im Monat kellnert, muss dafür keine Sozialbeiträge zahlen. Die Folge: Seit 2003 ist insbesondere die Zahl der kleinen Nebenjobs in die Höhe geschnellt, von 1,3 Millionen auf über 2,4 Millionen. Das zeigt eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit.

Stellen werden zerlegt

Theoretisch haben Minijobs für Beschäftigte durchaus Vorteile, weil sie keinerlei Abzüge haben. In der Praxis würden die Leute jedoch oft schlechter bezahlt als reguläre Arbeitnehmer, heißt es in dem Gutachten der Uni Duisburg-Essen. Eine Untersuchung im sächsischen Einzelhandel habe gezeigt, dass geringfügig Beschäftigte zum Teil nur die Hälfte des Tariflohns bekommen. Oft erhielten sie auch keinen bezahlten Urlaub und keine Lohnfortzahlung bei Krankheit, sagt Mitautor Gerhard Bosch der FR. Dies sei ein klarer Verstoß gegen das gesetzlich festgeschriebene Diskriminierungsverbot.

Offen ist für die Forscher auch, ob es sich bei den Minijobs tatsächlich um zusätzliche Beschäftigung handelt. So gebe es Hinweise, dass zumindest teilweise reguläre Stellen zerlegt wurden. Die Jobs seien eher eine „Niedriglohnfalle“ als eine Brücke in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Angesichts des Fachkräftemangels ist es für Bosch ein Unding, dass der Staat 400-Euro-Stellen fördert, anstatt vor allem Frauen zu helfen, mehr zu arbeiten.

Eine Erhöhung der Geringfügigkeitsgrenze, wie sie die Bundesregierung erwägt, „wäre ein völlig falscher Schritt“, warnen die Wissenschaftler. Stattdessen sollten die Sonderregelungen abgeschafft werden. „Ziel muss es sein, alle Arbeitsverhältnisse sozialversicherungspflichtig zu machen.“ Dies würde auch dazu beitragen, die Einnahmen der Sozialversicherungen zu stabilisieren.

Autor:  Eva Roth
Datum:  26 | 4 | 2011
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