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Arbeit und Soziales

26. August 2014

Jugendarbeitslosigkeit: Gefangen im Elend

 Von 
Jugendliche Demonstranten in Lissabon.  Foto: REUTERS

Für Millionen europäische Jugendliche ist die Situation am Arbeitsmarkt aussichtslos. In der Krise haben sie besonders schlechte Chancen.

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Für viele junge Menschen in Europa scheint die berufliche Zukunft schon vorbei, bevor sie recht begonnen hat. Rund 7,5 Millionen Europäer unter 25 Jahren haben derzeit weder einen Arbeitsplatz noch absolvieren sie eine Ausbildung. In Südeuropa hat die Wirtschaftskrise Verwüstungen auf dem Arbeitsmarkt angerichtet, von denen die nachwachsenden Generationen noch weitaus stärker betroffen sind als ältere Jahrgänge.

Trotz mancher Unterschiede finden sich in Spanien, Italien und Portugal durchaus vergleichbare Gründe für die Misere der Jugend, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in einer Studie für die Robert-Bosch-Stiftung zeigt: Praxisferne Bildungswege, ineffektive Arbeitsverwaltungen, hohe Schulabbruch-Quoten sowie die politisch herbeigeführte Spaltung der Arbeitsmärkte tragen demnach wesentlich dazu bei, dass die Jugendarbeitslosenraten teils mehr als das Doppelte der ohnehin hohen allgemeinen Erwerbslosigkeit erreichen. In Italien lag die Rate der erwerbslos gemeldeten 15- bis 24-Jährigen im Jahr 2012 bei 35,3 Prozent, in Portugal waren es 37,7 Prozent und in Spanien 53,2 Prozent. Mit der Lage in diesen drei Krisenländern setzten sich die Wissenschaftler des ZEW besonders intensiv auseinander.

Die Befunde sind einerseits bedrückend, andererseits zeigen die Forscher, dass die Arbeitsmarkt- und Bildungsdefizite eben nicht vom Himmel fielen, sondern auf fehlerhaften wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen beruhen – und damit behebbar sind. Entsprechenden Anstrengungen gebühre höchste Priorität, wie Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) während der Präsentation der Ergebnisse in Berlin betonte: „Die Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist für uns ein besonders wichtiges Thema, denn es geht hier um die Zukunft der Jugend Europas und damit letztlich auch ein Stück weit um Europa selbst.“ Und auch um eine Menge Geld: Im Jahr 2011 verursachte die Jugendarbeitslosigkeit in den damals 27 EU-Staaten wegen entgangener Einkommenssteuern und staatlicher Hilfstransfers Kosten in Höhe von 150 Milliarden Euro.
Den extrem hohen Anteil arbeitsloser junger Leute in Spanien führen die ZEW-Forscher vor allem auf den traditionell sehr strikten Kündigungsschutz für unbefristet Beschäftigte zurück, dem in den 90er Jahren eine weitgehende Liberalisierung befristeter Arbeitsverhältnisse folgte. Dies habe zu einer starken Zweiteilung des Arbeitsmarkts geführt: Älteren, kaum kündbaren Arbeitnehmern standen junge Kollegen mit befristeten Verträgen gegenüber, die in Krisenzeiten als erste ihren Job verloren. Auch in Portugal und Italien sorgte die Kombination aus Kündigungsschutz und Befristungen laut ZEW für vergleichbare, wenn auch nicht ganz so tiefe Spaltungen der Arbeitsmärkte.

Als weiteres Beschäftigungshemmnis identifizierten die Wissenschaftler gesetzliche Mindestlöhne in Portugal und Spanien, die für „Grünschnäbel“ die gleichen Sätze vorsehen wie für Arbeitsuchende mit Berufserfahrung. Anders als in Frankreich oder Großbritannien, wo für Jüngere niedrigere Mindestlöhne gelten, habe auf der iberischen Halbinsel die Gleichstellung von Jung und Alt die Einstellung junger Leute gerade verhindert. In Italien seien durch unflexible Tarifverträge, die nicht zwischen Neulingen und Erfahrenen unterschieden, ähnliche Effekte zu beobachten.

Deutliche Unterschiede konstatiert das ZEW hingegen mit Blick auf die Konsequenzen aus den Krisenerfahrungen: Während die Forscher für Italien, das überdies unter einer extrem ineffizienten Arbeitsverwaltung und gleichbleibend geringen Bildungsausgaben leidet, kaum nennenswerte Reformen feststellten, wurde in Spanien eine – wie die Forscher schreiben: ehrgeizige – Reform verabschiedet. Unter anderem baute man die Unterschiede beim Kündigungsschutz zwischen befristeten und unbefristeten Arbeitsverträgen ab, Abfindungszahlungen bei Entlassungen wurden gesenkt und die Lohnfindung von der Branchen- auf die Betriebsebene verlagert. In Portugal unterblieben solche Schritte bisher, dafür konnte die Schulabbrecher-Quote halbiert werden.

Allerdings – und dies stellte das ZWE als weiteres Manko der südeuropäischen Staaten heraus – sind die Bildungserträge auf dem Arbeitsmarkt relativ gering: Einerseits führen hohe Akademikerquoten wie in Spanien dazu, dass viele Absolventen weit unterhalb ihres Qualifikationsniveaus beschäftigt werden. In Spanien betrug der Anteil der überqualifizierten Beschäftigten zwischen 20 bis 64 Jahren gut 36 Prozent. In Deutschland und Frankreich lag der Anteil bei nur einem Fünftel. Zum anderen ist die berufliche Ausbildung in den südeuropäischen Ländern stark verschult, der Praxisanteil in den Betrieben ist großenteils verschwindend gering. In der Folge sind die Absolventen zwar theoretisch fit, haben vom Berufsalltag aber oft keine Ahnung und entsprechend große Schwierigkeiten, eine passende Stelle zu finden.

Die Forscher empfehlen denn auch, duale Ausbildungsformen zu fördern, die Arbeitsverwaltungen zu straffen und jungen Leuten ohne Abschluss mit nachfrageorientierten Qualifizierungen gezielt zu einer zweiten Chance zu verhelfen.

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