kalaydo.de Anzeigen

Mindestlohn : Merkel stoppt die CDU

Wenige Tage vor dem CDU-Parteitag stellt sich Kanzlerin Merkel gegen ihre Partei: Ein Mindestlohn sei zwar notwendig. Er solle sich aber nicht an den Tarifen der Zeitarbeitsbranche richten. Damit wendet sich die Kanzlerin gegen den zentralen Parteitags-Antrag.

Merkel im dpa-Interview
Mindestlohn ja, Kopplung an Zeitarbeits-Tarif nein - das ist Merkels Position vor dem CDU-Parteitag.
Foto: dpa
Berlin –  

Die Kanzlerin und CDU-Parteivorsitzende sagte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa wörtlich: „Ich unterstütze die Forderung, eine Lohnuntergrenze zu finden. Sie sollte allerdings nicht an der Zeitarbeit festgemacht werden.“

Damit stellt sie sich gegen den zentralen Antrag für den bevorstehenden CDU-Parteitag am kommenden Montag und Dienstag in Leipzig. Dort heißt es: "Die Höhe der Lohnuntergrenze soll sich am Tarifabschluss für Zeitarbeitnehmer orientieren." Dort liegt der Mindestlohn derzeit bei 7,01 Euro im Ostdeutschland und bei 7,89 Euro im Westen.

Merkel sagte: "Wir sollten das vielmehr einer Kommission der Tarifpartner überlassen, die regional und branchenspezifisch unterschiedliche Lohnuntergrenzen festlegen kann, jeweils dort, wo es keine Tarifverträge gibt." Die Entscheidung auf dem Parteitag werde nicht mehr für oder gegen eine flächendeckende Lohnuntergrenze sein. "Die Frage wird sein, ob wir diese Lohnuntergrenze an eine Branche binden oder ob wir regionale Differenzierung und Branchendifferenzierung zulassen."

Merkel: Mindestlohn nachvollziehbares Thema für CDU

Merkel ergänzte: "Die Debatte um eine Lohnuntergrenze ist aus dem Herzen der Partei gekommen, angestoßen vom Arbeitnehmerflügel, aber ein nachvollziehbares Thema für eine Volkspartei wie die CDU." Schon bei den CDU-Regionalkonferenzen sei für die Menschen das Thema Arbeitsbedingungen das zweitwichtigste nach dem Euro gewesen. "Die Menschen wollen eine faire Arbeitswelt und sehen, dass es da Schwächen gibt."

Zum Eindruck einer Sozialdemokratisierung der Union durch die Mindestlohndebatte und die Abkehr von der Wehrpflicht, der Atomkraft und der Hauptschule, erklärte Merkel: «Solche Beschreibungen bringen nichts." Sie führt die CDU seit elf Jahren als Vorsitzende. "Die Welt ändert sich und eine große Volkspartei wie die CDU muss auf diese Veränderungen die richtigen Antworten finden, und zwar immer auf der Basis der Werte, die uns ausmachen."

Die Deutschen beurteilen anders als Merkel die Kehrtwende der CDU in der Mindestlohn-Frage skeptisch. 31 Prozent der Befragten der aktuellen Stern-Umfrage gaben an, durch ihren Mindestlohn-Vorstoß habe die CDU an Glaubwürdigkeit verloren. (dpa/afp)

Datum:  9 | 11 | 2011
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Soziales Pflichtjahr für Rentner und Pensionäre?

Philosoph Richard David Precht will eine Grundsicherung gegen Altersarmut, erwartet dafür aber ein Jahr Dienst an der Gesellschaft von Senioren mit 15 Stunden die Woche. Wie denken Sie darüber?

Debatte

Hohe Löhne in der Krise - top der flop? Wie die Banken regulieren? Den Verkehr steuern? Den Armen in dieser Welt helfen? Kommentare, Interviews, Gastbeiträge - und dazu Ihre Meinung. Schreiben Sie mit!

Video

Weblog

Ob mit Bahn oder Auto, Fahrrad oder zu Fuß - Pendler leiden morgen für morgen geduldig. Bisher. Nun reden sie. Im FR-Pendlerblog.