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Arbeit und Soziales

10. September 2012

Mindestlohn: Noch mehr Niedriglöhner

 Von Stefan Sauer
Jeder fünfte Beschäftigte muss sich mit schlechter Bezahlung zufriedengeben.  Foto: dpa

Es gibt immer mehr Geringverdiener, die wiederum nur sehr selten in eine betriebliche Altersvorsorge investieren können. Die thüringische Landesregierung fordert deshalb einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn.

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Niedrige Löhne reichen selbst nach Jahrzehnten harter Arbeit nicht für auskömmliche Renten. Die Frage, ob daher eine Zuschussrente für Geringverdiener eingeführt werden sollte, wird innerhalb der Bundesregierung kontrovers diskutiert. Die FDP und der Wirtschaftsflügel der Union lehnen Zuschussrenten ab, Bundessozialministerin Ursula von der Leyen ist vehement dafür.

Am Montag hat die CDU-Politikerin Argumentationshilfe von weltanschaulich neutraler Seite erhalten: Einer umfassenden Analyse des Statistischen Bundesamts zufolge nimmt die Zahl atypischer Beschäftigungsverhältnisse seit geraumer Zeit zu. In der Konsequenz gibt es auch immer mehr Geringverdiener, die wiederum nur sehr selten in eine betriebliche Altersvorsorge investieren.

Jeder Fünfte ist Geringverdiener

Dass schlecht bezahlte Tätigkeiten auch in erfolgreichen Konjunkturphasen zunehmen, zeigt die Statistik. Danach stieg der Anteil der Niedriglöhner an allen Beschäftigten zwischen 2006 und 2010 von 18,7 auf 20,6 Prozent an. Maßgeblich ist das Median-Einkommen: Menschen, die weniger als zwei Drittel des mittleren Lohns verdienten, gelten als Geringverdiener. Diese Grenze lag 2010 bei 10,36 Euro pro Stunde.

Zugleich befanden sich 2010 mehr als 7,8 Millionen Menschen oder 25,4 Prozent aller Arbeitnehmer in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis. 2006 zuvor waren es mit 7,5 Millionen rund 300 000 weniger gewesen. Zwar sind nicht alle atypisch Beschäftigten finanziell schlecht gestellt: Vier von fünf Teilzeitlern erhielten Stundenlöhne über 10,36 Euro. Gleichwohl ist die Schnittmenge zwischen atypischer Beschäftigung und geringen Einkommen beträchtlich.

Jeder zweite atypisch Beschäftigte zählt zu den Geringverdienern. Bei den Minijobs waren es 2010 sogar mehr als 84 Prozent. Auch zwei von drei Leiharbeitern erhielten einen Stundenlohn von unter 10,36 Euro. Dabei gilt: Je schlechter die Ausbildung der Arbeitnehmer, desto höher das Risiko der Beschäftigung in Teilzeit und Befristung sowie geringerer Bezahlung.

Während der mittlere Stundenlohn von Normalarbeitnehmern 2010 bei 17,09 Euro lag, erzielten atypisch Beschäftigte im Schnitt 10,36 Euro. Wenig verwunderlich, steht es in der Gruppe der Niedriglöhner in Sachen Altersvorsorge ebenfalls schlecht: Während 2010 etwa 22,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Arbeitenden in eine betriebliche Altersversorgung investierten, waren es von den Geringverdienern nur 6,2 Prozent.

Vorstoß für Mindestlohn

Die Zahlen belegen: Schlechte Ausbildung geht oft mit geringer Bezahlung in atypischer Beschäftigung einher – und mit sehr geringen Renten. Das Thema ist in der Regierung höchst strittig. Umso bemerkenswerter ist die Initiative der thüringischen CDU/SPD-Landesregierung für einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn. Der Niedriglohnsektor, so Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht am Montag, wachse trotz guter Konjunktur. Soll heißen: Damit steigt auch das Altersarmutsrisiko. Um beides zu vermeiden, wären aber Entgelte von deutlich über zehn Euro notwendig.

Der rot-schwarze Berliner Senat prüft, ob er sich der Initiative Thüringens anschließen wird, hieß es am Montag.

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