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Arbeit & Soziales
Kurzarbeit, Jobabbau, Hartz IV

17. Dezember 2012

OECD-Studie: Größte Rentenlücke für Frauen in Deutschland

 Von Katja Tichomirowa
Frauen bleiben zurück: Die OECD erteilt Deutschland seit Jahren beim Thema Geschlechtergerechtigkeit miserable Noten. Foto: dpa

Von wegen Geschlechtergerechtigkeit: Frauen haben das Nachsehen auf dem deutschen Arbeitsmarkt, belegt eine OECD-Studie. Sie erhalten geringere Löhne und Altersbezüge.

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Deutschland sieht sich gern in Spitzenpositionen. Der letzte Platz gilt gemeinhin als Schmach, es sei denn, es geht um die Gleichstellung von Mann und Frau. In puncto Geschlechtergerechtigkeit stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Deutschland seit Jahren miserable Zeugnisse aus, ohne dass dieser Umstand auf wahrnehmbaren öffentlichen Protest stoßen würde.

In keinem anderen Mitgliedsland der OECD ist das Rentengefälle größer. Frauen erhalten nur die Hälfte der durchschnittlichen Rente von Männern. Nirgendwo sonst in der OECD sind Frauen in den Spitzenpositionen der Wirtschaft so unterrepräsentiert wie in Deutschland. Nur 28 Prozent der deutschen Führungskräfte und weniger als sechs Prozent der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder sind Frauen.

Ursachen sind bekannt

Die Rote Laterne scheint allerdings keinerlei Signalfunktion zu besitzen. Die Ursachen für das schlechte Abschneiden Deutschlands in dieser Frage sind seit Jahren bekannt, die Empfehlungen der OECD ebenfalls. Geändert hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts. Deutschland leistet sich OECD-weit das einzige Steuer- und Sozialsystem, in dem es sich für Eltern schulpflichtiger Kinder nicht lohnt, wenn beide Elternteile Vollzeit arbeiten. Familien, die das dennoch wollen, finden vielerorts kein ausreichendes Angebot an guten und bezahlbaren Betreuungsplätzen für ihre Kinder.

Stattdessen wird ihnen ab August 2013 ein Betreuungsgeld angeboten, wenn sie ihre Kinder unter drei Jahren nicht in eine staatlich geförderte Kinderkrippe geben. Mit dem eben beschlossenen Betreuungsgeld werden sich die ohnehin schon erheblichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch verfestigen, prognostiziert die OECD.

Frauen schöpfen ihr Potential nicht aus

Das alles ist so, obwohl der Anteil der erwerbstätigen Frauen mit 68 Prozent über dem OECD-Durchschnitt von 60 Prozent liegt. Der hohe Anteil von Frauen, die Teilzeit arbeiten, drückt allerdings sowohl ihre Löhne als auch ihre Rentenanwartschaften. 62 Prozent der 25- bis 54-jährigen Frauen mit Kindern in der Schule oder in der Ausbildung arbeiten in Teilzeit. In Frankreich sind es nur 26 Prozent. Entsprechend ist auch das Lohngefälle für die mittleren Einkommen zwischen Männern und Frauen in Deutschland höher als im OECD-Durchschnitt. Frauen mit einem mittleren Einkommen verdienen im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer, Freiberuflerinnen sogar 63 Prozent weniger. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 16 Prozent.

Eine junge Frau trägt ihre Tochter auf dem Arm.
Eine junge Frau trägt ihre Tochter auf dem Arm.
Foto: dapd

Dass in Deutschland inzwischen 27 Prozent der Frauen zwischen 25 und 34 Jahren einen Universitätsabschluss, einen Fachhochschulabschluss oder einen Meisterbrief vorweisen können, hat an ihrer Gesamtsituation auf dem Arbeitsmarkt nichts geändert. Sie sind zwar besser ausgebildet als die Männer, von denen „nur“ 25 Prozent einen tertiären Abschluss besitzen, schöpfen ihr Potenzial aber nicht aus. Ihre Vorlieben bei der Berufswahl bleiben dieselben. Nur 16 Prozent der Informatikabschlüsse entfielen 2009 auf Frauen, dafür aber 70 Prozent der Abschlüsse im schlechter entlohnten Gesundheits- und Sozialwesen.

Zudem versuchen offenbar viele Frauen, Familie und Beruf zu vereinbaren, indem sie in Teilzeit arbeiten. Für viele Frauen sei die Teilzeitarbeit eine Sackgasse, kritisiert die OECD. Sie kommen aus dem System nicht mehr heraus, mit den entsprechenden Folgen für ihre Löhne, ihre Renten und ihren beruflichen Aufstieg.

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