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Arbeit und Soziales

14. Oktober 2013

Rente: Die Angst vor Altersarmut wächst

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 Foto: Imago

Noch liegt der Anteil der von Altersarmut betroffenen über 64-Jährigen bei unter drei Prozent. Dass dieser Anteil künftig steigen wird, ist kaum mehr zu vermeiden. Gewerkschaften fordern nun eine Demografie-Reserve.

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Alter, Armut, Angst: Immer mehr Menschen fürchten, nach Ausscheiden aus dem Beruf ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten zu können. Die Sorge der Deutschen um die Höhe ihrer Altersbezüge wächst Umfragen zufolge deutlich. Mittlerweile gehen 42 Prozent der Beschäftigten nach einer Erhebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes davon aus, dass ihre Rente zum Leben nicht ausreichen wird. Das sind vier Prozentpunkte mehr als noch 2012.

Nur 18 Prozent der 5800 Befragten glaubt, mit der Rente den Lebensunterhalt gut oder sehr gut zu bestreiten können. Zu ähnlichen Ergebnissen gelangt eine Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der Postbank. Danach halten drei Viertel der Menschen Altersarmut in Deutschland für ein bereits heute weit verbreitetes Phänomen. Neun von zehn Befragten gehen von wachsender Altersarmut in den kommenden Jahren aus. Abermals drei Viertel der 1550 Interviewten verlangen von der kommenden Bundesregierung, mehr als bisher für die Altersvorsorge zu tun.

In diese Richtung zielt auch die Forderung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), den Rentenversicherungsbeitrag nicht weiter zu senken. Vielmehr müsse die gute Einnahmesituation der gesetzlichen Rentenversicherung zum Aufbau einer Demografie-Reserve genutzt werden, um zumindest das heutige Rentenniveau dauerhaft halten zu können und die Erwerbsminderungsrente „armutsfest“ zu gestalten.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach regt an, mit den schon in wenigen Jahren ohnehin nötigen Anhebungen des Beitragssatzes bereits heute zu beginnen und anschließend in kleinen Schritten fortzusetzen, um die Finanzbasis der Rentenkassen zu stärken. Sollten Schritte zu einer nachhaltigen Finanzierung in der neuen Legislaturperiode unterbleiben, werde „das Rentensystem auf lange Sicht in eine folgenschwere Krise“ geraten.

Nachlassende Anstrengungen für private Altersvorsorge

Betroffen wären auch Millionen älterer Menschen. Noch liegt der Anteil der statistisch von Altersarmut betroffenen über 64-Jährigen bei unter drei Prozent. Dass dieser Anteil künftig steigen wird, ist angesichts der viele Jahre lang ansteigenden Arbeitslosigkeit, des wachsenden Niedriglohnsektors und der nur noch geringfügig steigenden gesetzlichen Renten kaum mehr zu vermeiden. Laut Allensbach gehen 26 Prozent der Berufstätigen in den ostdeutschen Ländern davon aus, den Lebensunterhalt im Alter nicht aus eigenen Mitteln finanzieren zu können. Dies ist der höchste je gemessene Wert. Resignation macht sich breit.

Dies spiegelt sich auch in den nachlassenden Anstrengungen für eine private Altersvorsorge: Fast die Hälfte aller Berufstätigen gaben in der Postbank-Umfrage an, von weiteren Vorsorge-Aktivitäten absehen zu wollen. Auch dies ist der höchste je gemessene Wert. Besonders Lebensversicherungen haben – auch wegen der anhaltend niedrigen Zinsen – stark ab Attraktivität eingebüßt und werden nur noch von jedem zehnten Berufstätigen als „besonders rentabel“ eingeschätzt.

Zudem haben in den vergangenen zwölf Monaten weniger Menschen eine Beratung zur Privatvorsorge in Anspruch genommen als in jedem anderen Jahr seit 2008, so die Umfrage.

In der Folge scheint auch das Wissen um öffentliche Fördermöglichkeiten zu schwinden. Vom Wohn-Riester – der staatlich geförderten Anschaffung von Wohneigentum zur Altersvorsorge – hatten 2013 56 Prozent der Berufstätigen „schon gehört“. 2011 waren es noch mehr als 60 Prozent gewesen.

Dabei erfreut sich die eigene Immobilie deutlich steigender Wertschätzung, vor allem wenn es um Vorsorge für den Lebensabend geht. Sechs von zehn Befragten halten Immobilienbesitz für eine besonders sichere Vorsorgeform, mehr als 70 Prozent der befragten Bürger sehen hierin eine besonders profitable Geldanlage. Kommentar

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