Wer hat, dem wird gegeben. Nach dieser Regel wird in Deutschland offenbar das Weihnachtsgeld unter Beschäftigten verteilt. Das ergab jedenfalls eine Online-Umfrage des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), an der sich 16.000 Arbeitnehmer beteiligt haben.
Danach bekommen Geringverdiener viel seltener Weihnachtsgeld als Gutverdiener. Um es genau zu sagen: Unter den Befragten mit einem Monatsgehalt bis zu 1500 Euro gaben nur 29 Prozent an, die Jahreszahlung zu erhalten. Bei Beschäftigten 4000 bis 5000 Euro Monatseinkommen waren es doppelt so viele, nämlich 67 Prozent.
Einzige Ausnahme von der Regel: In der höchsten Entgeltgruppe sinkt der Anteil der Weihnachtsgeld-Bezieher wieder. Diese Beschäftigten bekommen jedoch besonders oft andere Sonderleistungen wie eine Gewinnbeteiligung, erläutert WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck.
Männer bekommen öfter Weihnachtsgeld
Auch der Ost-West-Vergleich zeigt: Die ostdeutschen Befragten kommen viel seltener in den Genuss der Sonderzahlung als ihre West-Kollegen, die ohnehin im Schnitt mehr verdienen. Hüben sind es 39, drüben 60 Prozent. Und, wen wundert’s: Männer erhalten öfter als Frauen Weihnachtsgeld.
Eine mögliche Erklärung für die Unterschiede: Wer in einem großen, tarifgebundenen Industriebetrieb arbeitet, erhält meist ein ordentliches Monatsgehalt – und eben auch Weihnachtsgeld. In ausgelagerten Geschäftszweigen und im Dienstleistungssektor werden die Belegschaften insgesamt schlechter entlohnt.
Große Ost-West-Unterschiede beim Weihnachtsgeld
Die Umfrage ist nicht repräsentativ, sie sei aber dank der vielen Beteiligten sehr verlässlich, betont Bispinck. Mitarbeiter in tarifgebundenen Betrieben bekommen demnach zu 71 Prozent Weihnachtsgeld, in nicht-tarifgebundenen Firmen sind es nur 43 Prozent.
Viele tarifliche Jahreszahlungen sind inzwischen variabel: Je nach wirtschaftlicher Lage des Betriebs können sie gesenkt oder erhöht werden.
In der westdeutschen Chemieindustrie kann die Leistung zwischen 80 und 125 Prozent eines Monatsgehalts betragen. Die ostdeutschen Chemiker müssen sich noch mit 50 bis 95 Prozent begnügen. In den nächsten Jahren soll aber das West-Niveau erreicht werden. Darauf hat sich die Gewerkschaft IG BCE am Mittwoch mit den Arbeitgebern verständigt. Das reguläre Weihnachtsgeld beträgt derzeit für einen jungen Chemie-Facharbeiter im Westen rund 2800 Euro und für seinen Ost-Kollegen 1800 Euro, erläutert Bispinck.