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Arbeit und Soziales

29. April 2015

Versand-Lager in Tschechien: Vier-Euro-Job bei Amazon

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"Hart arbeiten. Spaß haben. Geschichte schreiben." Mit diesem Spruch versucht Amazon seine Mitarbeiter im Versandzentrum im polnischen Wrocław zu motivieren. Ein ähnliches Logistikzentrum entsteht zurzeit in der Nähe von Prag. Einfachen Mitarbeitern wird dort ein Stundenlohn von umgerechnet rund vier Euro geboten.  Foto: Imago/ČTK

Der US-Versandhändler Amazon errichtet nahe Prag ein großes Versandzentrum. Rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft soll es in Betrieb gehen. Die Firma verspricht 2000 neue feste Stellen sowie 3000 zusätzliche Saisonarbeitsplätze. Die Bezahlung ist allerdings dürftig - selbst für tschechische Verhältnisse.

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Prag –  

Eine Halle so groß wie 13 Fußballfelder entsteht zurzeit in Dobrovíz, einem kleinen Vorort im Osten der tschechischen Hauptstadt Prag. Nach einigem Ringen mit Bürgerinitiativen und lokalen Behörden laufen die Bauarbeiten an dem riesigen Gebäude nun auf Hochtouren, 360 Arbeiter stellen Betonsäulen auf und montieren Blechplatten.

Noch vor Weihnachten will der US-Versandgigant Amazon von hier aus Deutschland und halb Europa mit Büchern, Staubsaugern und allen anderen möglichen und unmöglichen Produkten beliefern. Die Bedingungen dafür sind ideal: Die Autobahn führt in der Nähe vorbei und der Prager Flughafen ist in Sicht- und Hörweite. Das erleichtert nicht nur den Transport, sondern macht auch den Baugrund billig.

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Und noch etwas ist in Tschechien billig: die Arbeitskraft. 110 Kronen, umgerechnet vier Euro, soll ein Lagerarbeiter bei Amazon verdienen. Das ist deutlich weniger als der Durchschnittslohn in dieser Berufsgruppe. Nach der aktuellen Statistik des tschechischen Arbeits- und Sozialministeriums beträgt er im Landkreis Mittelböhmen, wo Dobrovíz liegt, rund 144 Kronen, in der nahen Hauptstadt Prag sind es etwa 130 Kronen.

Über Mangel an Kandidaten kann sich Amazon dennoch nicht beklagen: Rund 1000 Interessenten für die vom US-Versandhändler ausgeschriebenen Stellen habe man bereits, heißt es beim tschechischen Arbeitsamt, mit dem Amazon intensiv zusammenarbeitet. Und das, obwohl die Arbeitslosenrate in der Region Prag zurzeit so niedrig ist wie nirgendwo sonst in der EU: Zum Ende des Jahres 2014 lag sie bei nur 2,5 Prozent.

Anwerbung in Krisenregionen

Aus diesem Grund werben das tschechische Arbeitsamt und Amazon auch Mitarbeiter in strukturschwachen Gebieten des Landes an, vor allem in der nordböhmischen Region Ústí (Aussig). Allerdings liegt der Durchschnittslohn für Lagerarbeiter mit 129 Kronen auch dort deutlich über den von Amazon gebotenen 110 Kronen pro Stunde. Berücksichtigt man die Kosten für Fahrt und Unterkunft, dürfte es sich selbst für einen Arbeitslosen kaum lohnen, von Ústí in die Region Prag zu pendeln. Amazon will deshalb die Angestellten mit Firmenbussen von und zur Arbeit zu bringen.

Doch auch für Menschen aus der Region Prag könnten die Jobs bei Amazon interessant sein, meint Pavel Kaczor, Leiter des Arbeitsamtes im südböhmischen Tábor und Lektor an der Prager Wirtschaftsuniversität: "Ich denke, dass es in Mittelböhmen und Prag genug Menschen gibt, die unter schlechteren Bedingungen arbeiten. Wenn wir den Stundenlohn hochrechnen, kommen wir auf einen Monatslohn von 18 000 Kronen und das ist für einen Arbeiter nicht so schlecht", so Kaczor gegenüber dem tschechischen Nachrichtenportal Aktuálně.cz.

Tatsächlich verdient ein Lastwagenfahrer in Prag im Durchschnitt nur 108 Kronen pro Stunde, ein Bäcker nur 103 und eine Putzfrau kommt nicht einmal auf einen Stundenlohn von 80 Kronen. Weil Amazon für die einfache Lagerarbeit keine besonderen Qualifikationen verlangt, könnten sich einige Menschen aus diesen Niedriglohnbranchen für einen Jobwechsel entscheiden.

Sollten sich dennoch nicht genügend Arbeitnehmer in Tschechien finden, ist das auch kein Problem für Amazon. Auch ausländische Arbeitskräfte sind dort willkommen, einzige Bedingung: "Fähigkeit, Aufträge auf Tschechisch entgegenzunehmen und zu lesen", wie der aktuellen Stellenausschreibung für einen Schichtleiter im Amazon-Versandzentrum nahe Prag zu entnehmen ist. Der Stundenlohn für diese Position beträgt übrigens 150 Kronen, umgerechnet 5,45 Euro. Brutto.

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