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29. April 2015

Boreout: Gähnende Langeweile im Büro

Man muss sich nur zu helfen wissen.  Foto: Imago

Anders als der Burnout wird sein Gegenpart namens Boreout in der Öffentlichkeit kaum diskutiert. Dabei nehme das Phänomen zu, sagen Forscher.

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Die einen schuften rund um die Uhr, die anderen langweilen sich am Schreibtisch. So schräg ist die Arbeitswelt. Und es wird wohl noch schlimmer. Der als „Boreout“ („gelangweilt sein“) bezeichnete Zustand werde in Zukunft ein immer wichtigeres Phänomen der Arbeitswelt sein, sagt der Arbeitswissenschaftler Günther Vedder. Der Soziologe und promovierte Betriebswirt leitet ein Forschungsprojekt zum Thema an der Leibniz Universität Hannover.

Schon heute ist fast jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland Experten zufolge dauerhaft am Arbeitsplatz unterfordert. 13 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich dem „Stressreport Deutschland 2012“ zufolge fachlich zu wenig in Anspruch genommen. Weitere fünf Prozent haben viel zu wenig zu tun. Zusammengenommen sei dies eine ähnliche Größenordnung wie bei den Überforderten, sagt Vedder. „Boreout“ werde jedoch anders als sein Gegenpart, der „Burnout“, kaum öffentlich diskutiert, kritisierte Vedder. Dabei könne auch „Boreout“ krank machen. „Niemand traut sich da so richtig ran. Es ist ein Tabuthema.“

Das Phänomen komme in allen Berufsgruppen vor. Bei Aufsichts- oder Sicherheitsdiensten gehörten Langeweile und Nichtstun sogar zum Kern der Arbeit. Auch früher habe es schon eintönige Tätigkeiten etwa an Fließbändern gegeben. Aber es werde immer deutlicher, dass „Boreout“ vor allem ein Problem von Bürojobs sei. „Die allermeisten Fälle gibt es in der öffentlichen Verwaltung und auf Dienstleistungsstellen“, erläuterte der Arbeitswissenschaftler.

Das Problem sei oft eine ungerechte Verteilung von Arbeit, was innerhalb von Abteilungen zu großen Belastungsunterschieden führen könne. Ursache könnten auch interne Umstrukturierungen sein, in deren Folge ganze Aufgabenpakete wegfielen, die Personalstärke aber gleich bleibe. Ebenso könnten geringe Arbeitsumfänge eine Folge von Mobbing sein. „Man kann Leute fertigmachen, indem man ihnen die Arbeit wegnimmt.“

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Fachliche Unterforderung resultiere oft aus der Überqualifizierung von Arbeitnehmern. Es gebe immer mehr Akademiker auf Stellen, für die kein Studium nötig sei. Häufig betroffen seien junge, gut qualifizierte Berufseinsteiger. „Sie dürfen oft nur einfache Arbeiten erledigen, weil man ihnen noch nichts zutraut.“

Für die Zukunft wird erwartet, dass in einer automatisierten Wirtschaft vermehrt Aufsichtsjobs entstehen. Die Beschäftigten kontrollieren dann nur noch, ob die Maschinen ihre Aufträge richtig ausführen – und greifen nur ein, falls etwas schiefläuft. (epd)

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