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400 Jahre New York: Kommerzielle Toleranz

Wir haben vorhin über die Krise gesprochen. Kann New York auf Krisen in seiner Vergangenheit zurückschauen und für die heutige Krise etwas daraus lernen?

Die Krise, über die jetzt ständig geredet wird, ist natürlich die Große Depression. Damals war New York das Vorbild für das ganze Land. Roosevelt war 1928 bis 1932 Gouverneur von New York, bevor er Präsident wurde, und er hat hier viele jener Programme ausprobiert, aus denen dann später der New Deal entstand. Und er hatte damit großen Erfolg - mit der Ausweitung von Sozialhilfe und Arbeitsbeschaffung im großen Stil beispielsweise. Er hat damals in New York erstmals in der Geschichte der USA moderne Sozialstaatlichkeit erfolgreich etabliert.

Insgesamt scheint New York sehr krisenresistent zu sein, selbst von der lebensbedrohlichen Krise der 70er Jahre in der Stadt hat es sich erholt. Woran liegt das?

Das Leben in New York kann hart sein. Normalerweise ist amerikanisches Leben auf Komfort ausgerichtet, nach New York kommen jedoch Leute, die mehr suchen als Komfort. Sie nehmen viel in Kauf, um ein interessantes, intensives Leben zu haben. Das macht sie stark in der Krise.

New York war im 20. Jahrhundert lange Zeit ein Art Welthauptstadt. Ist sie das noch oder verliert sie an Boden?

Ich denke, New York hat bis auf London noch immer keinen ernsthaften Rivalen. Sicher hat New York nicht mehr den einzigartigen Status, den es lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hatte, andere Zentren in Europa und Asien holen auf. Aber eine echte Konkurrenz gibt es noch immer nicht.

Wie, glauben Sie, wird sich New York in den nächsten 20 Jahren verändern? Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?

Ich denke, die Stadt wird wieder stärker an Kultur und weniger an der Finanzwelt orientiert sein. Es wird auch wieder multikultureller werden, die jetzige Regierung ist ja Fremden gegenüber deutlich aufgeschlossener als die alte. Insgesamt glaube ich, dass alle globalen Entwicklungslinien in die Richtung von New York weisen - hin zu einer dichten, nachhaltigen Lebensweise, hin zu mehr Internationalität. New York wird noch mehr als bisher zum Vorbild urbanen Lebens werden, obwohl wir ja in dieser Hinsicht schon große Fortschritte gemacht haben. Die klassischen Suburbs versuchen heute Zonen einzurichten, in denen es aussieht wie in Soho. So wie New York immer amerikanischer wird, wird im Gegenzug der Rest von Amerika immer mehr wie New York. Die Mehrheit der Amerikaner hat sich dafür entschieden, dass sie leben wollen wie die New Yorker. Der interessanteste Trend der vergangenen zehn Jahre, der sich auch in die Zukunft fortsetzen wird, ist meines Erachtens jedoch, dass in Brooklyn ein komplett neues urbanes Zentrum entstanden ist. Brooklyn ist heute kulturell der spannendste Ort der gesamten Vereinigten Staaten.

Ist New York für Sie persönlich noch so spannend wie eh und je?

Es ist auf jeden Fall so, dass wir hier in New York noch immer viele Dinge für selbstverständlich nehmen, die anderswo sehr aufregend und außergewöhnlich sind.

Interview: Sebastian Moll

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Datum:  24 | 8 | 2009
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