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Architekturmuseum Frankfurt: Maximum an Meer- und Weitblick

Ossipoff hat seinerzeit vieles richtig gemacht: Deshalb lohnt die Ausstellung "Hawaii Moderne: Die Architektur von Vladimir Ossipoff" den Besuch, die derzeit das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt präsentiert.

Keine Prachtfassade und vor allem keine Klimaanlage: Vladimir Ossipoffs Blanche Hill House (1961).
Keine Prachtfassade und vor allem keine Klimaanlage: Vladimir Ossipoffs "Blanche Hill House" (1961).
Foto: Robert Wenkam/DAM

Das Beste, was man über die Architektur von Vladimir Ossipoff sagen kann, ist, dass man sie nicht bemerkt. Dass sie unscheinbar, geradezu unsichtbar ist, weil sie sich dem Großartigen unterordnet, das sie umgibt. Sich ihre Nische sucht, den perfekten Winkel, um das genießbar zu machen, was keine Architektur jemals übertreffen könnte: die Natur.

Keine Prachtfassaden, keine markanten Silhouetten, keinen Pomp duldete der Bauherr an und in seinen Häusern, selbst Klimaanlagen waren bei ihm verpönt. Ossipoff kannte bessere Tricks, wollte mit, nicht gegen das Klima und das Terrain arbeiten, und er wusste, wie man das anstellen musste.

Hierzulande ist Vladimir Ossipoff allenfalls Experten ein Begriff. Für eine globale Karriere war er trotz multikulturellen Hintergrunds zu lokal verankert.

Umso mehr lohnt die aus Yale/Connecticut übernommene Ausstellung "Hawaii Moderne: Die Architektur von Vladimir Ossipoff" den Besuch, die derzeit das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt präsentiert. Denn Ossipoff hat seinerzeit vieles richtig gemacht, an das sich immer noch anknüpfen ließe. Wenngleich auf Hawaii der Zug des ökologisch und landschaftlich sensiblen Bauens womöglich viel zu lange abgefahren ist.

Als Ossipoff in den frühen dreißiger Jahren auf der polynesischen Inselkette landete, war das freilich noch anders, und weil der Architekt ein kluger Mann und sensibler Charakter war, hat er gewusst, was zu tun ist. Geboren 1907 im russischen Wladiwostok, wuchs Ossipoff in Tokio auf, wo sein Vater als Diplomat tätig war. Und obwohl die Familie des nur 15-Jährigen infolge des großen Kant-Erdbebens 1923 nach Kalifornien emigrierte, muss der spätere Architekt bereits entscheidende Elemente der japanischen Bautradition aufgesogen haben, deren Einflüsse sein späteres Bauen massiv prägten. Nach Abschluss des Architekturstudiums an der University of California 1931 und dem vergeblichen Versuch, inmitten der Wirtschaftskrise an Aufträge zu gelangen, bestieg Ossipoff ein Dampfschiff nach Honolulu. Eine mehr als 60 Jahre andauernde Karriere mit circa 500 Bauten begann.

Japanische Häuser für Hawaii

Die Auftraggeber entstammten naheliegenderweise zunächst vor allem der finanziell potenten Oberschicht, Nachfahren neuenglischer Missionare, für die Ossipoff Häuser entwarf, die Elemente der internationalen Moderne, japanischer und nicht zuletzt hawaiischer Tradition auf bestechend logische Weise miteinander verknüpften. Etwa indem er ein oder mehrere hawaiische Lanais - frei stehende, seitlich offene und daher luftige Konstruktionen - integrierte und einheimische Hölzer und Gesteine verwendete. Überdies befand Ossipoff, dass das traditionelle japanische Haus mit seinen dünnen Wänden, den dunklen Innenräumen und seiner natürlichen Luftzirkulation für Hawaii viel geeigneter sei als für Japan. Stets suchte er japanische Handwerker zu verpflichten, die sich mit den Details auskannten.

Zentral war für Ossipoff die überlegte Platzierung eines Gebäudes als Reaktion auf die es umgebende Landschaft und die Passatwinde. Etwa beim Haus für Clare Boothe Luce in Honolulu (1969), dessen Längsseite parallel zum Strand verläuft. Ein Maximum an Meerblick korrespondiert hier mit größtmöglichem Windschutz. Oder die Robert Shipman Thurston, Jr. Memorial Chapel (1967), einer Kapelle auf dem Gelände der Privatschule, an der Barack Obama 1979 seinen Abschluss in ebenfalls von Ossipoff entworfenen Klassenräumen machte. Der Hauptaltarraum neigt sich abwärts, um eine Einheit mit dem Terrain zu erzielen, verwendet wurden einheimische Materialien wie Koaholz; ein Teich, der sich zum Teil innerhalb der Kapelle befindet, spiegelt atmosphärisch angestrahlte Buntglaspaneele.

Natürlich konnte Ossipoff auch anders, wo es von fortschrittlichen Baumethoden und -materialien zu profitieren galt, tat er es mit Begeisterung. Souverän beherrschte er einen an die internationale Moderne angelehnten Stil. Für das siebenstöckige IBM-Gebäude (1962) etwa, das sich zu einem Wahrzeichen Honolulus entwickeln sollte, verwendete Ossipoff Stahlbeton. Um die Glasfassade vor Sonne zu schützen, konzipierte er eine abstrakte Betongitterverblendung, die dem Geschäftsbau nicht nur ein markantes Äußeres und ausreichend Schatten verleiht, sondern auch selbstreinigend ist und das Nisten von Tauben verhindert.

Kampf gegen die Hässlichkeit

Nachdem Hawaii 1959 zum 50. Bundesstaat der USA erklärt wurde und die Entwicklung der Boeing 707 den Tourismus ankurbelte, befürchtete Ossipoff völlig zu Recht einen unkontrollierten Bauboom in Honolulu. 1964, Ossipoff war mittlerweile Präsident des hawaiischen Ortsverbandes des American Institute of Architects, erklärte er der inflationären Bebauung Waikikis den Kampf - "gegen die Hässlichkeit". Es ging Ossipoff darum, ein Bewusstsein bei den Einwohnern Hawaiis für die Einzigartigkeit ihrer Heimat zu schaffen. Seiner Meinung nach dürfte die Küste nicht verbaut werden. Bekanntermaßen hat der Architekt diesen Kampf verloren.

Deutsches Architektur Museum, Frankfurt: bis 14. Juni.

Autor:  SANDRA DANICKE
Datum:  2 | 4 | 2009
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