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Internationaler Hochhauspreis : Der geerdete Turm

Frankfurt vergibt seinen Internationalen Hochhauspreis nach Bangkok: The Met ist ein 231 Meter hohes Wohnhaus, ein luftiges Gebilde aus sechs Turmbauten in zwei versetzt zueinander liegen Reihen. Fast alle Wohnungen haben an allen vier Seiten Fenster.

Gewann den Internationalen Hochhauspreis 2010: Das Wohnhaus The Met in Bangkok.
Gewann den Internationalen Hochhauspreis 2010: Das Wohnhaus The Met in Bangkok.
Foto: Patrick Bingham-Hall

Natürlich wird in den Metropolen der Welt nach wie vor blank, steil, schlank gebaut. Selbstredend gibt es nach wie vor Höhenrekorde, wenngleich das Formenrepertoire beim Hochhausbau doch auch irgendwie begrenzt ist. Nadelspitz, eckig oder salatgurkenförmig – soviel mehr geht da letztlich auch nicht.

Aber die Form ist beim Internationalen Hochhauspreis, der am Freitag in der Frankfurter Paulskirche verliehen wurde, auch nicht das entscheidende Kriterium. Neben der Ästhetik geht es bei dem von der Stadt Frankfurt in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) und der DekaBank ausgelobten Preis um Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, die städtebauliche Einbindung und innovative Technik. In den vergangenen zwei Jahren ist in dieser Hinsicht wenig Bahnbrechendes realisiert worden. So gesehen dürfte es der Jury leicht gefallen sein, eine Entscheidung zu treffen. Ernsthaft infrage kam genau genommen nur ein Bau: The Met.

Zur Sache

Der Internationale Hochhauspreis wird von der Stadt Frankfurt in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) und der DekaBank ausgelobt. In diesem Jahr gibt es die alle zwei Jahre vergebene Auszeichnung zum vierten Mal. Die Auswahl erfolgte unter 27 weltweit als herausragend angesehenen Hochhäusern. Für die Endrunde wurden von einer Jury aus Architekten und Immobilienfachleuten sechs Finalisten ausgewählt. Der Gewinner wurde gestern Nachmittag in der Frankfurter Paulskirche geehrt.
Die Ausstellung im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst präsentiert bis zum 16. Januar die Finalisten. Im Jovis Verlag ist ein Katalog erschienen. www.angewandtekunst-frankfurt.de (fr)

Man kann durch dieses Hochhaus hindurch in den Himmel sehen

Das 231 Meter hohe Wohnhaus, das vom Singapurer Büro WOHA Architects in Bangkok gebaut wurde, ist auf den ersten Blick womöglich kein Schmuckstück. Wer es von weitem sieht, könnte es für einen Rohbau halten, dem die Verschalung noch übergestülpt werden muss. Schließlich kommt es eher selten vor, dass man durch ein Hochhaus hindurch in den Himmel sehen kann. Dass es sich um eine ausgeklügelte Konstruktion handelt, mit der sich die Architekten einen feuchten Kehricht um Superlative scheren, sondern vor allem darum, dass es den Menschen, die darin wohnen, gut gehen möge, wird umso deutlicher, je dichter man dran, oder besser noch: je höher man drinnen ist.

Statt wie im Hochhausbau üblich einen kompakten Baukörper zu entwerfen, der sich der Welt da draußen wie ein Bollwerk entgegenstellt, haben die Architekten Wong Mun Summ und Richard Hassell ein luftiges Gebilde aus sechs Turmbauten in zwei versetzt zueinander liegen Reihen ersonnen, die in jedem fünften Geschoss durch Terrassen miteinander verbunden sind. So haben fast sämtliche Wohnungen an allen vier Seiten Fenster. Die Zwischenräume dienen als Windkanäle.

Es sei, so erzählte Peter Cachola Schmal, Jurymitglied und Direktor des DAM, gar nicht nötig, eine Klimaanlage anzuschalten. Selbst Küchengerüche seien im Nu weggeweht. Nach dem Duschen könne man sich auf den Balkon zum Trocknen stellen, direkte Nachbarn gebe es da oben nicht. Auch Luftfeuchtigkeit, Gestank und Lärm seien in luftigen Höhen erheblich reduziert.

Man komme sich, so erzählen jene, die drin waren, zu keiner Zeit vor, alles sei man in einem Hochhaus, sondern habe das Gefühl, auf der Erde zu wohnen. Einer Erde allerdings, die weit weniger verstopft und verpestet ist, als das in der Milllionenmetropole Bangkok der Fall ist.

Für ihr 2009 fertiggestelltes Wohnhaus, in dem es auch diverse Swimmingpools, Hochhausgärten und Gemeinschaftsterrassen gibt, haben sich WOHA Architects an lokalen Materialien und Ornamenten orientiert. So kommt es etwa zur etwas gewöhnungsbedürftigen Grau-Beige-Braun-Musterung der Fassadenpaneele, die als Abstraktionen traditioneller Tempelfliesen gedacht sind.

In Zukunft wird sich die Fassadenbegrünung wohl zu einem dichten Teppich auswuchern und den etwas spröden Charakter der Konstruktion auf gefällige Weise abmildern.

Autor:  Sandra Danicke
Datum:  5 | 11 | 2010
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