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Architektur

12. Mai 2012

Flughafen Berlin, Elbphilharmonie, Stuttgart 21: Immer Ärger mit den Großprojekten

 Von Steven Geyer und Frank Junghänel
Am 3. Juni 2012 sollte der neue Flughafen in Berlin-Schönefeld eröffnet worden. Wegen technischer Probleme wurde die Inbetriebnahme abgesagt. Foto: dapd

Zeitpläne nicht eingehalten, Kosten falsch berechnet, technische Mängel verschleiert – bei Großprojekten in Deutschland geht oft etwas schief. Nicht nur beim Großflughafen in Berlin. Unsere Autoren schauen auf die Dauerbaustellen Deutschlands.

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Großflughafen Berlin

Metropole der Unzulänglichkeit

Nun wird  der neue  Flughafen für Berlin,  Brandenburg und die ganze Welt  erst drei Monate später fertig. Oder neun Monate, falls man den geplanten Eröffnungstermin von Ende  Oktober 2011 heranzieht. Oder es wird ein Jahr daraus, sollte es   bis zum Advent  dauern,  wie jetzt manch einer  befürchtet, beziehungsweise werden es  dann  sogar fünf Jahre sein, sofern das Datum 2007 mitzählt, das zu Anfang einmal genannt worden war. Das Versprechen auf Zukunft und Modernität, mit dem  sich das Projekt verbindet,   wurde  nicht zum ersten Mal  gebrochen.  Im besten Falle  lässt es sich  noch irgendwie abstottern.  Das mag für den einen und anderen ärgerlich sein, eine Katastrophe ist es nicht, jedenfalls nicht für die Stadt.  

In Schönefeld ist kein Reaktor explodiert, es drohte zu keinem Zeitpunkt eine Kernschmelze. Berlin ist nicht Fukushima, sondern Berlin. Hier  funktioniert andauernd  irgendetwas nicht.  In Kenntnis  dieser metropolen Unzulänglichkeiten  ist es nur zu begrüßen, dass die Baubehörde des Landkreises Dahme-Spreewald dem Flughafen einen notwendigen Prüfstempel verweigert hat, um  – im Falle eines  Falles – Schlimmeres zu verhindern. Das Problem war  nicht die Kantinenbelüftung, sondern der Brandschutz. Auf dem Flughafen In Düsseldorf sind 1996 siebzehn Menschen ums Leben gekommen, als es bei Bauarbeiten im Terminal   A gebrannt hat. 

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Gut, dass im Berliner Flughafenfall  wenigstens auf die  Beamten aus dem befreundeten Bundesland Brandenburg Verlass ist. Dass sie sich nicht zu Sondergenehmigungen hinreißen ließen, sondern  den Aktendeckel zuschlugen, dass es nur so staubte.

Als sich die Staubwolke am Dienstagmittag etwas lichtete, saßen die vier Männer, die jetzt die Verantwortung  tragen sollen, mit reichlich Abstand voneinander vor den Journalisten.  Sie versuchten zu erklären,  dass der Flughafenumzug – ein bis eben unaufschiebbares Ereignis –  nun doch ein bisschen verschoben werden muss. Es blieb beim Versuch.  Klaus Wowereit, Matthias Platzeck, Rainer Schwarz und Manfred Körtgen, die   zuständigen Landes- und  Flughafenchefs, blickten schmallippig von ihrem Podium herab wie das Management von Hertha BSC in Erwartung der Zweitklassigkeit. Das kommt ja in dieser Woche noch dazu und ist die eigentliche Katastrophe für die Stadt. Berlin wird wohl demnächst als einzige europäische Hauptstadt  nicht mehr in der ersten Liga spielen. Was nun  wirklich peinlich ist. 

Im Fußball redet man viel von Körpersprache, und die Körpersprache des Flughafen-Quartetts kündete   davon, dass man die Schuld am ehesten bei seinem  Sitznachbarn verortet sieht. Die vier Qualitätsmanager guckten sturköpfig aneinander vorbei, und so gelang es ihnen, im Augenblick ihres öffentlichen Scheiterns den Ausdruck maximalen Beleidigtseins zu vermitteln. Matthias Platzeck  tat noch etwas beleidigter als die anderen.  Ihm gelingt es immer besonders gut, die emotionale Seite der Politik zu veranschaulichen. Er sagte, er sei jetzt sowas von stocksauer.  Aber auf wen eigentlich? Auf  die Flughafenleute? Auf Wowereit?  Am Ende sogar auf sich selbst?  Das sagte er nicht.

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