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Neubau Kölner Stadtarchiv : Das Nahbare

Zwei Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist nun entschieden wer das neue Archiv baut - Transparenz und Effizienz sollen den Neubau prägen.

Der Siegerentwurf des Architektenbüros Waechter + Waechter
Der Siegerentwurf des Architektenbüros Waechter + Waechter
Foto: dpa

Kein Sarkophag. Kein cooles Klinikum. Auch keine Feldherrenhalle wird zum Vergleich herangezogen werden müssen. Der Realisierungswettbewerb zum Neubau des Historischen Archivs der Stadt Köln, in den auch die Kunst- und Museumsbibliothek integriert werden soll, ist zugunsten von Transparenz und Effizienz entschieden worden.

Die Jury unter Vorsitz des Stuttgarter Architekten und Hochschullehrers Carlo Weber stimmte mit großer Mehrheit für den Entwurf von Waechter + Waechter. Das Darmstädter Büro, das nun das Preisgeld von 62500 Euro erhält, hat unter anderem den An- und Umbau des Hessischen Landtags in Wiesbaden betreut und befasst sich derzeit mit der komplizierten Neugestaltung der Heidelberger Bühnen.

Mit dem Jury-Votum ist für Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) die Zeit der „Wiedergutmachung“ gekommen. Denn beim Kölner Archiveinsturz vom 3. März 2009, bei dem auch zwei Anwohner ums Leben kamen, fuhren nicht nur die Archivalien aus tausend Jahren in die Baugrube für eine neue U-Bahn-Trasse, darunter viele einzigartige Zeugnisse der europäischen Kulturgeschichte. Auch das Selbstwertgefühl der Kölner, so sieht es Roters, hat damals Schaden genommen.

Der Neubau, der die derzeit bundesweit verteilten Archivalien wieder unter einem Dach vereinen soll, ist an der Ecke Luxemburger Straße und Eifelwall geplant. Das passt zum „Masterplan“ für Köln von 2008, den der Stadtplaner Albert Speer (Frankfurt) erarbeitet hat: Er sieht am westlichen Rand der Innenstadt einen „Wissenspark“ vor. In unmittelbarer Nähe zur Universität wird an dieser unwirtlichen Stelle ein städtebaulicher Aufbruch unternommen. Versteckte sich das alte Stadtarchiv noch hinter einer unscheinbaren Fassade, so wird nun die Bedeutung dieses Wissensspeichers in Architektur übersetzt. Allerdings geschieht dies nicht mit einer spektakulären Inszenierung, wie sie mancher Entwurf vorsah.

Vielmehr setzen Waechter + Waechter auf Aura und Bürgernähe. Die Sieger bringen das Archiv-Magazin in einem siebengeschossigen, fensterlosen Zentralbau unter, der eingefasst ist von einer viergeschossigen, lamellenartigen, sich dem Publikum öffnenden Umbauung. Die Fassade wird eine Bronzefärbung erhalten („Baubronze“), deren farbliches Changieren dem Gebäude alle Unnahbarkeit austreiben soll.

Das „sicherste Archiv Europas“

Die Jury hat nicht nur überzeugt, dass dies ein Modell der kurzen Wege ist. Auch beeindruckte, dass das Magazin – das die Jury gar an die Kaaba in Mekka erinnerte – eine starke Ausstrahlung hat. Dieses „Haus im Haus“ hat überdies sicherheitstechnische Vorzüge. Ja, es soll sogar das „sicherste Archiv Europas“ werden, wie Kölns Oberbürgermeister erklärte. Architekt Felix Waechter immerhin bestätigt, dass die neuesten Erkenntnisse und Normen berücksichtigt worden seien. Weniger dürfte es bei diesem Archiv auch nicht sein, das für die nächsten Jahrhunderte mit dem katastrophalen Einsturz verbunden bleiben wird. Seine Kernaufgabe war radikal ins Gegenteil verkehrt worden: der Schutz der Überlieferung.

40 Entwürfe, sechs davon aus dem Ausland, standen für den Neubau zur Wahl. Als Kriterien rangierten maximale Sicherheit, hohe Effizienz, technische Qualität und die „Präsenz im Stadtbild“ obenan. Am Ende lagen die fünf Erstplatzierten dicht beieinander. Aber auch weitere fünf „Anerkennungen“, dotiert mit je 10000 Euro, sind Ausweis der hohen Qualität des Wettbewerbs. Auf Platz 2 landeten die Architekten Nieto Sobejano Arquite aus Berlin. Ihr schwungvoller Entwurf teilt einen Nachteil mit manch anderer Einreichung: Er ist derart verschlossen und kompakt, so heißt es aus der Jury, dass ein Ausbau nicht möglich wäre. Gleichwohl reicht der Raum vorerst aus: Der Neubau hat eine Bruttogeschossfläche von 30400 Quadratmetern, wovon 20000 dem Archiv zufallen – deutlich mehr als im ehemaligen Gebäude an der Severinstraße.

Die Berliner Thomas Müller und Ivan Reimann kamen auf Platz 3, Staab Architekten, ebenfalls aus Berlin, auf 4 und der Kölner Thomas Valentyn, der einen Neubau ganz in Weiß vorschlug, auf Platz 5. Die Anerkennungen erhielten das Büro Gottfried Böhm aus Köln, das einen „Vorhang“ aus Arkaden für die Fassade vorsah, sowie Stanton Williams aus London, Paul Bretz aus Luxemburg, Max Dudler aus Berlin sowie Gerkan, Marg und Partner aus Aachen.

Die fünf Erstplatzierten werden nun noch einmal in einem separaten Verfahren angehört. So sehen es die EU-Vorschriften vor. Dann folgt die Planungs- und danach die Bauphase. Daraus ergibt sich ein Eröffnungstermin 2015. Wenn alles rund läuft. Die Finanzierung durch den Rat der Stadt ist immerhin gesichert. Die reinen Baukosten betragen nach heutigem Stand 86 Millionen Euro. Zur allgemeinen Beruhigung wird nicht auf historischem Grund und Boden gebaut, der für kostspielige Überraschungen gut ist, „sondern auf der grünen Wiese“, wie Felix Waechter sagt. Und eine U-Bahn ist auch nicht in der Nähe.

Alle eingereichten Arbeiten sind bis zum 5. Juli im Lichthof des Spanischen Baus des Kölner Rathauses ausgestellt.

Autor:  Martin Oehlen
Datum:  22 | 6 | 2011
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