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Architektur

23. Juli 2012

Street Art am Hochhaus: Die schönsten Fassaden von Berlin

 Von Claudia Fuchs
Bild an einer Brandmauer an einem Haus am Charlottenburger Ufer.Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Der Street-Art-Künstler Christian Awe gestaltet eine Plattenbau-Fassade in Berlin-Lichtenberg. Viele andere sollen folgen. Das kommunale Wohnungsunternehmen Howoge investiert 50.000 Euro in die Verzierung von Plattenbauten.

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Berlin –  

Noch ist die Seitenwand des langgestreckten Plattenbaus an der Frankfurter Allee 192 eine Wand wie viele andere – groß, fensterlos und weiß. Lediglich ein Schriftzug der Wohnungsbaugesellschaft Howoge ziert den 500 Quadratmeter großen Giebel gegenüber der einstigen DDR-Stasi-Zentrale in Lichtenberg. Nun aber kommt Farbe ins Spiel: Street-Art-Künstler Christian Awe verziert die Wand im Auftrag der Howoge mit einem blau-rot-orangen Farbspektakel. Anfang Juli hat er mit den Arbeiten begonnen, Ende August soll das Kunstwerk fertig sein.

Die Howoge, die zuvor mit einer europaweiten Ausschreibung nach einem geeigneten Motiv für die Giebelwand gesucht hat, will künftig mehr solche Farbexperimente an ihren Häusern wagen. „Die meisten unserer Häuser in Lichtenberg sind Plattenbauten“, sagt Geschäftsführerin Stefanie Frensch. Und jeder dieser typischen Blocks habe fensterlose Giebelwände. So seien sie auf die Idee gekommen, diese zu gestalten. „Jedes Jahr soll ein Giebel dazukommen“, so Frensch. Sie hoffe, mit den Kunstwerken andere Lichtenberger Wohnungsgesellschaften zum Nachahmen animieren zu können.

Allerdings ist die Howoge nicht das erste kunstaffine Wohnungsunternehmen in Lichtenberg. Dort gibt es längst ein riesiges Fassadenkunst-Projekt: Auf rund 22.000 Quadratmeter Fläche lässt die Wohnungsbaugenossenschaft Solidarität bis 2013 das nach ihren Angaben „weltgrößte bewohnte Wandbild“ gestalten. Die Künstler kommen aus Frankreich, die Cité Creatión aus Lyon ist für ihre Wandgemälde international bekannt.

150 Liter Farbe

Christian Awe, der 1978 in Lichtenberg geboren wurde und auch heute dort lebt und arbeitet, wird etwa 150 Liter Farbe für sein Werk brauchen. Er arbeitet, wie er sagt, ähnlich wie Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle – nach einer mittelalterlichen Technik: Seinen kleinen Original-Entwurf vergrößert er, indem er ihn in kleine Abschnitte unterteilt, die er dann auf viele 2 mal 2,50 Meter große Papierschablonen überträgt.

Streetart-Künstler Christian Awe: Das Bild wird überweigend blau. Blau steht für Freiheit, Sehnsucht und Träume. Die anderen Farben symbolisieren Kraft, Stärke, Lebensmut.
Streetart-Künstler Christian Awe: "Das Bild wird überweigend blau. Blau steht für Freiheit, Sehnsucht und Träume. Die anderen Farben symbolisieren Kraft, Stärke, Lebensmut."
Foto: Klaus Dombrowsky

Auf jeder einzelnen Schablone rollt er dann die Umriss-Linien seines Werks mit einem kleinen Gerät, das einem Pizzaschneider ähnelt und deutliche Löcher im Papier hinterlässt. Dann setzt Awe die Schablonen an die Hauswand – und pudert die gelöcherten Linien ein, so dass das Puder nun am Giebel zu sehen sind. Nun kann die Farbe aufgetragen werden.

„Kunst soll ja nicht elitär sein“

Awe, der an der Universität der Künste studiert hat und Schüler unter anderem von Georg Baselitz war, freut sich auf die Arbeit. Und er mag den Ort. „Wenn man die Lichtenberger Brücke stadteinwärts passiert, sieht man erstmals eine Silhouette von Berlin – und links den Giebel des Hauses.“ Das Bild sei das größte, das er je gestaltet habe.

Allein könne er die Arbeit aber nicht schaffen, sagt er. Er wird von zwei Assistenten unterstützt. Sie werden ordentlich Puste brauchen: 411 Stufen hat das Baugerüst, das bereits aufgestellt wurde. Freitags bietet Awe zwischen 12 und 16 Uhr gleich neben seinem Wandbild einen Workshop für Kinder und Jugendliche an; wer Fragen zum Bild habe, könne ihn aber auch jederzeit ansprechen, sagt er. Das sei ihm wichtig, „Kunst soll ja nicht elitär sein“.

Gemälde an Brandwänden sind in Berlin keine Seltenheit, allerdings waren es bislang vor allem Altbauten, die verziert wurden. Die Howoge will nun auf ihre Plattenbauten aufmerksam machen. „Wir wollen zeigen, dass die Platte eine tolle Wohnform ist“, so die Howoge-Geschäftsführerin. Etwa 50.000 Euro gibt das Unternehmen für das Kunstwerk aus, die Gage des Künstlers nicht eingerechnet. Die Hausbewohner wurden vor Beginn der Arbeiten informiert. Frensch: „Es gab ein tolles Feedback.“

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