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Architekt Christoph Mäckler: Die Kunst des Bauens

Komplexität statt Reduktion: Ein FR-Gespräch mit dem Frankfurter Architekten Christoph Mäckler über die gesellschaftliche Notwendigkeit der Stadtbaukunst und über die Überwindung der Ideologie der Moderne.

Blick auf den von Christoph Mäckler gebauten Opernturm in Frankfurt.
Blick auf den von Christoph Mäckler gebauten Opernturm in Frankfurt.
Foto: Alex Kraus

Draußen über 30 Grad, wir sitzen im 33. Stock, Frankfurt zu Füßen. Da können wir über den Stand heutiger Isolierung doch erleichtert sein.

Ja, natürlich.

Das sieht der Architekt Christoph Mäckler aber nicht grundsätzlich so.

Denn wir reden hier von einem Bürohaus, bei dem wir die Isolierung erst ertüchtigt haben, das Resultat ist ein sehr viel geringerer Energieverbrauch. Wir reden hier nicht von einem Wohnhaus, sondern von dem eher seltenen Gebäudetyp Hochhaus, bei dem die Glasfassade der 60er Jahre aus Gewichtsgründen nicht verändert werden konnte. Das hatte zur Folge, dass wir nur das System der vorgehängten Fassade erneuern konnten.

Gleichwohl machen Sie keinen Hehl aus Ihrer Kritik an Isolierungs- und Dämmvorschriften.

Ja, deshalb forschen wir am Deutschen Institut für Stadtbaukunst an der TU Dortmund zum Thema Stadtbild und Energie. Unser Ansatz ist der, das Thema Energieeinsparung umfassender zu bearbeiten. Wir denken zu viel in Hightechverfahren. Unsere Probleme aber liegen in dem Gebäudebestand. Die Wohnungswirtschaft kann mit Hightech wenig anfangen, wenn sie ihre Häuser nach energetischen Gesichtspunkten aufrüsten soll.

Es hat immer wieder die Kritik gegeben, Sie favorisieren ästhetische Aspekte gegenüber ökologischen.

Das wird uns als Architekten immer wieder vorgeworfen, aber darum geht es nicht, oder jedenfalls nicht nur. Wir stellen die Notwendigkeit der Energieeinsparung in keiner Weise in Frage. Wir müssen uns aber auch wohlfühlen in unseren Häusern und Städten: Es geht also darum, wie wir vorgehen. Wer glaubt, dass man alte Häuser nur mit Wärmedämmung einpacken muss, um 50 Prozent Energie einsparen zu können, irrt. Hier wird mit theoretischen Laborwerten gearbeitet, die mit der Realität wenig zu tun haben.

Erst einmal muss man schauen, in welcher Zeit die Häuser gebaut wurden und welche Wandaufbauten sie haben. Steht das Gebäude nach Süden, nach Norden, ist es ein Gebäude, das frei oder in einer dicht bebauten Umgebung steht? All diese Kriterien werden nicht berücksichtigt. Das gleiche gilt für den Neubau. Wenn wir die Energieeinsparung wirklich ernst nehmen, dann dürfen wir die grüne Wiese nicht weiter mit kleinen Häuschen verbauen. Energetisches Bauen beginnt beim vernünftigen Städtebau. Wir müssen kompakter bauen. Und wir müssen nachhaltiger bauen. Schon heute werden bestimmte Wärmedämmprodukte, die vor 15 Jahren als das Nonplusultra angeboten wurden, saniert. Das ist die Sanierung der Sanierung. Jeder verantwortungsbewusste Architekt weiß, dass das Wärmedämmungsverbundsystem, einmal aufgebracht, als Sondermüll entsorgt werden muss. Warum reagieren die Politiker nicht darauf? Es ist ein ökologisches Problem, das wir der nächsten Generation, unseren Kindern, aufbürden.

Der Düsseldorfer Kongress zur Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt, zum dem Sie im Frühjahr gemeinsam mit Ihrem Dortmunder Kollegen Wolfgang Sonne einluden, betonte drei Kriterien für den zukünftigen Städtebau: alltagstauglich, wertvoll, schön. Kein Adjektiv in diesem Zusammenhang, das so häufig verwendet wurde wie schön.

Ja, das ist völlig richtig: Schon der Name unseres Institutes für „Stadtbaukunst“ deutet explizit darauf hin. Wir haben die Schönheit, nachdem sie im Städtebau der letzten 60 Jahre nicht vorkam, wieder thematisiert. Die Kunst, Stadt zu bauen ist uns verloren gegangen. Dabei sind wir uns aber bewusst, dass die Schönheit nicht das einzige Kriterium im Städtebau sein kann. Wenn man nicht dafür Sorge trägt, dass eine Stadt eine vernünftige Verkehrserschließung hat, dass sie gut bewohnt werden kann und etwa einen lebensfähigen Einzelhandel hat, ist die Schönheit nur von geringem Wert. Deshalb wird sich der nächste Kongress im kommenden Frühjahr beispielsweise mit dem Thema des Einzelhandels in der Stadt beschäftigen.

So unterschiedlich die Aspekte, die in Düsseldorf diskutiert wurden, angefangen von der Stadtgeschichte über das Stadtbild bis hin zum Stadtverkehr oder der Eventarchitektur – es war eine innenstadtfixierte Konferenz.

Zweifellos, aber die Kriterien gelten auch für den kleinen Ort, für das Dorf.

Aber nicht für die Peripherie.

Ist die Peripherie noch Stadt?

Ist sie keine mehr?

Nein. Sie war nie Stadt. Die Peripherie ist nichts anderes als eine zersiedelte Landschaft, deren Bestand wir auf lange Sicht rekultivieren sollten. Vor allem aber, muss der weiteren Zersiedelung der Peripherie endlich Einhalt geboten werden! Die Konzentration auf das Stadtzentrum folgt der Idee, dort anzusetzen, wo wir städtebauliche Qualitäten finden. Hier finden wir Anregungen und Kriterien, um überhaupt endlich einmal anzufangen.

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Datum:  4 | 8 | 2010
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