Architektur

10. Juli 2012

Wettbewerbsentscheidung: Bauhaus in der Kiste

 Von Nikolaus Bernau
Kein Einblick, kein Ausblick: der Entwurf für das Bauhaus-Museum in Weimar.  Foto: Hanada und Tonon

Das Weimarer Bauhaus-Museum soll in ein Gebäude ohne Fenster. Den internationalen Architekturwettbewerb zur Neugestaltung des Hauses gewann die Berliner Architektin Heike Hanada in Zusammenarbeit mit Benedikt Tonon.

Drucken per Mail

Konjunkturprogramme haben Vorteile, etwa den, dass lange aufgeschobene Projekte endlich realisiert werden. Ihr Nachteil: So manches Projekt wird auch auf den Plan gehoben, das ohne dieses Zusatz-Geld so nie gemacht worden wäre. Etwa der Neubau für das Bauhaus-Museum in Weimar. Seitdem 2004 die Sammlung in aller Breite zu sehen war, ist bekannt, wie wertvoll, reichhaltig und divers die Weimarer Bestände sind. Doch warum braucht es für ihre Präsentation einen Museums-Neubau, obwohl doch etwa die Räume des direkt benachbarten Verwaltungszentrums (einstiges Gau-Forum) mittelfristig leer gezogen werden? Weil das Geld vorhanden ist, wie bei der Vorstellung der 500 Entwürfe für dies Bauhaus-Museum im Frühjahr offen zugegeben wurde.

Damals vergab die Jury zwei zweite und zwei dritte Preise und überließ die End-Auswahl der Stiftung Klassik. Die hat sich nun nach monatelangen Verhandlungen für einen der Drittplatzierten entschieden, für das Berliner Team von Heike Hanada und Benedict Tonon.

Sie haben eine fast völlig verschlossene Kiste entworfen. Die massiven Betonwände sollen Energie sparen. Außen sind sie mit opaken Gläsern verkleidet, so dass die abstrakte Schroffheit etwas gemildert wird. Das hohe Tor und der lange Spiegelteich wirken ägyptisierend. Die Grundrisse sind rechteckig-effizient, der Aufzug steht da , wo er stehen soll – in der Mitte der Ausstellungsräume. Galerieetagen öffnen sich von einem Geschoss ins andere, das für’s Publikum offene Schaudepot ist international zwar längst Standard, hier aber noch eine Besonderheit, das Café daneben öffnet sich zu den benachbarten Parkanlagen.

Es wird laut werden in dem Bau

Gute Ideen sollten immer wieder verwandt werden, also erinnern etwa die opaken Fassaden an Peter Zumthors Kunsthalle in Bregenz, die Geschossdurchbrüche an das Leipziger Kunstmuseum des ebenfalls Berliner Büros Hufnagel - Pütz - Rafaelian, die ins ewige Oben führende Himmeltreppe an Hans Döllgasts Wiederaufbau der Alten Pinakothek Münchens. Es wird laut werden in dem Bau, alle Fußböden sollen mit Terrazzo statt mit Parkett oder Dielen belegt werden. Ob der Lehmputz, mit dem die Betonwände innen verkleidet wird, für Schallabsorbtion sorgt? Vor allem aber muss man konstatieren: Die Möbel, Gemälde, Geschirre, Spielzeuge, Papierarbeiten oder Teppiche sollen durchweg in Kunstlicht gezeigt werden. Nicht einmal der Raum für die Museumspädagogik hat ein Fenster – so können die Kinder nicht abgelenkt werden von der Kunst. Selbst die Säle im obersten Geschoss erhalten keine Oberlichter, das Dach soll begrünt werden.

Derart abgeschlossene Museen waren in den 1970ern beliebt und werden seit den 1980ern scharf kritsiert. Denn kein Kunstlicht ist im Farbreichtum mit Naturlicht vergleichbar, die Besucher ermüden schnell, wenn sie nur Kunst ansehen dürfen, ohne die Augen auch einmal in der Natur erholen zu können. Von Außen erscheinen solche Museen, egal wie die Fassaden aussehen, meist als Kunstbunker.

Konservatorische Gründe können nicht als Grund für diese Abkapselung herangezogen werden. Spätestens seit der Eröffnung des Museums für Druck- und Buchkunst in Leipzig im Frühjahr ist bekannt, dass man heute lichtdurchflutete Räume einrichten kann, die dank moderner Glastechnik trotzdem konservatorisch höchsten Ansprüchen genügen. Nein, hier soll eine Ideologie zelebriert werden, die der reinen, nur sich selbst genügenden Kunst nämlich.

Doch hat gerade sie mit der historischen Verbindung, die das Bauhaus in Architektur, Design, Kunst und Kunstgewerbe mit den Lebensreform- und Emanzipationsbewegungen hatte, rein gar nichts zu tun. Wie die Weimarer Klassik-Stiftung, wie vorher schon die Jury auf die Idee kommen konnten, ausgerechnet ein so autistischer Entwurf könne dem sicher doktrinären, aber auch lebensvollen Geist des Bauhauses entsprechen, ist ein Rätsel. Bestenfalls die Abstraktion der Formen verbindet beide miteinander.

Immerhin: Nachts wird das Haus voraussichtlich große Klasse aussehen, wenn sich alles spiegelt und die horizontalen Streifen rasant zu werden scheinen. Ans Art Deco wird man dann denken – an die elegante, oberflächenfixierte Moderne-Konkurrentin des Bauhauses. Schade, dass das Bauhaus-Museum wohl nachts nicht geöffnet sein wird: Geld für den Betrieb des neuen Hauses ist im Konjunkturprogramm natürlich nicht vorgesehen.

Zur Homepage

Jetzt kommentieren

TV

Gestern ferngesehen? Wir auch! Diskutieren Sie mit!