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Bürger-Reporter: Syrische Blogger werden offenbar gefoltert

Überall in Syrien filmen und versorgen Bürgerjournalisten Websites wie Facebook und YouTube mit Videos. Sie leben gefährlich.

Panzer in Homs: Bilder wie diese erreichen uns, weil mutige Syrer sie verbreiten.
Panzer in Homs: Bilder wie diese erreichen uns, weil mutige Syrer sie verbreiten.
Foto: dpa

Mit seinem Handy macht Mohammed Schami (Pseudonym) auf die Schnelle ein paar Filmaufnahmen von der Demonstration in Damaskus. Dann verschwindet er in der Menge – aus Angst vor den Ordnungskräften des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Vor einem Jahr war er noch Handwerker, jetzt ist er einer von Hunderten Bürgerjournalisten, die das Geschehen in Syrien seit Beginn des Protests im März 2011 dokumentieren.

Angestellte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Studierende – überall in dem arabischen Land filmen sie und versorgen Websites wie Facebook und YouTube mit Videos, die von Satelliten-Fernsehsendern übernommen und weltweit verbreitet werden. „Alles begann mit den ersten Demonstrationen in der Hauptstadt, an denen wir teilnahmen“, sagt der 32-jährige Schami. „Die Regierung behauptete, die Demos hätten gar nicht stattgefunden. Wir wollten beweisen, dass das gelogen war. Deshalb filmten wir.“ Er habe die Bilder teuer bezahlt. 15 Tage lang sei er geschlagen und gefoltert worden.

Live aus Homs

Aber Schami und seine Freunde gaben nicht klein bei. „Wir haben uns besser organisiert. Einer filmte ein paar Minuten lang, dann versteckte er sich an einem sicheren Ort, um die Bilder an die Satellitensender zu schicken, während ihn ein anderer mit Aufnehmen ablöste.“ Als die Regierung erklärte, es handele sich um alte Aufnahmen, gingen sie dazu über, Schilder mit Datum und Ort des Geschehens in die Kamera zu halten.

„Omar der Syrer“ war einer dieser Bürgerjournalisten. Der 24-jährige Student starb vergangene Woche in der Protesthochburg Homs, als Regierungskräfte dort nach Angaben der Anti-Assad Aktivisten ein Massaker verübten. „Er versorgte gerade Verletzte, als er selbst von einer Granate getroffen wurde“, berichtet ein Freund, der nicht namentlich genannt werden will. Sein Ziel sei Würde und Freiheit für das syrische Volk gewesen. „Omar der Syrer“, mit richtigem Namen Maschar Tajjara, arbeitete unter anderem für den Guardian, Die Welt und gelegentlich auch für den Videodienst der Nachrichtenagentur afp. Er war auch auf CNN und Al-Dschasira zu sehen – live aus Homs.

Kinan Ali, der sich in den Libanon abgesetzt hat, aber weiter im Medienbereich aktiv ist, sieht erhebliche Verbesserungen bei den Amateurjournalisten. Die Qualität der Aufnahmen hat sich seither verbessert. Die Winkel sind professioneller geworden, und es gibt auch nicht mehr so viele verwackelte Bilder. (afp)

Homs - Bilder der zerbombten Stadt

Bildergalerie ( 10 Bilder )
Datum:  10 | 2 | 2012
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