Umso härter der Gaddafi-Clan um sich schlägt, umso mehr schwindet seine Macht. Der Despot zeigt sich jedoch weiterhin ungerührt und tritt voller Wut vor die Fernsehkameras.
Staatschef Muammar al-Gaddafi zeigt sich unbeeindruckt von den Protesten (Archivbild).
Foto: dpa
Staatschef Muammar al-Gaddafi zeigt sich unbeeindruckt von den Protesten (Archivbild).
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Panzer, Kampfjets und Hubschrauber sowie eine wild um sich schießende Soldateska, Hunderte Tote, Tausende Verletzte und Zehntausende auf der Flucht – das Regime von Muammar al-Gaddafi hat seinem eigenen Volk den Krieg erklärt. „Wir werden bis zum letzten Blutstropfen kämpfen“, kündigte der Despot am Dienstagabend in einer wirren und streckenweise wahnsinnigen Tirade im staatlichen Fernsehen an. Die Demonstranten beschimpfte er als Ratten und Drogensüchtige. Rücktritt oder Flucht ins Exil lehnte er ab. Er habe kein Amt in Libyen inne, von dem er zurücktreten könne, giftete der Machthaber und las mit theatralischer Geste aus seinem Grünbuch vor. Den Aufständischen warf er vor, sie wollten die Einheit Libyens zerstören.
Doch je härter der Gaddafi-Clan um sich schlägt, umso mehr schwindet seine Macht. Immer mehr Militäreinheiten desertieren. Der gesamte Osten des Landes einschließlich der Grenzstation zu Ägypten ist bereits in der Hand der Aufständischen. In New York trat der UN-Sicherheitsrat auf Antrag libyscher UN-Diplomaten zusammen (FR vom 22.02.2011), die ihre Ämter aus Protest gegen die blutige Gewalt in ihrer Heimat niedergelegt hatten. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rund 40 Minuten lang dem Machthaber ins Gewissen geredet und verlangt, „die Gewalt gegen die Demonstranten zu beenden“. Aus aller Welt hagelte es Warnungen an die Adresse des Regimes – die Europäische Union und Deutschland drohten Gaddafi bereits mit Sanktionen.
Muammar al-Gaddafi bei seiner Fernsehansprache am Dienstag (22.02.2011).
Foto: rtr
Muammar al-Gaddafi bei seiner Fernsehansprache am Dienstag (22.02.2011).
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US-Außenministerin Hillary Clinton strebt als Antwort auf die Gewalt in Libyen zusammen mit der Weltgemeinschaft „angemessene Schritte“ an. Sie sagte am Dienstag in Washington aber nicht, ob dies auch Sanktionen gegen Tripolis beinhalte. Zugleich verurteilte Clinton das Blutvergießen erneut.
Doch Gaddafi gibt sich ungerührt. Mehr als eine Stunde dauerte der bizarre Auftritt von „Bruder Führer“ Muammar Gaddafi im staatlichen Fernsehen, aufgenommen in den Trümmern der 1986 von einem US-amerikanischen Luftangriff zerstörten Villa des selbst ernannten Revolutionsführers auf dem Areal der Militärbasis Bab al-Azizia. Immer wieder verlor er den Faden, starrte schweigend auf sein Manuskript. Den Protestierern droht er mit Tod, bevor er seine Rede mit den Worten „Revolution, Revolution“ beendete.
Libyen - ein Land im Bürgerkrieg
Bildergalerie ( 50 Bilder )
Libyen - ein Land im Bürgerkrieg
Flak-Stellung am Rand von Bin Jawad.
Rebellen-Stellung bei Ras Lanuf.
Libysche Rebellen in Bin Jawad, 160 Kilometer von der Gaddafi-Hochburg Sirte entfernt.
Anti-Gaddafi-Karikaturen in einem Büro der Rebellen in Bengasi.
Kämpfe zwischen Rebellen und der Gaddafi-Armee.
Libysche Rebellen in Ras Lanouf im Osten LIbyens.
Libysche Rebellen bei der Beisetzung von vier Opfern der Kämpfe bei Brega.
Libysche Rebellen kontrollieren den Eingang zur Raffinerie der Sirthe Oil Company in Brega.
Ein Libyer steht am Eingang zu einer Ölraffinerie im ostlybischen Brega.
Flüchtlinge im UNHCR-Camp im tunesischen Ras Jedir.
Zehntausende Flüchtlinge sind an der Grenze zwischen Libyen und Tunesien gestrandet.
Flüchtlinge aus Bangladesh stehen im Lager bei Ras Jedir für Lebensmittel an.
Die UNHCR schätzt, dass bisher 200 000 Fremdarbeitskräfte aus Libyen geflüchtet sind. Mehr als eine Million soll sich noch im Land befinden.
Libysche Rebellen in Brega mit erbeuteter Munition.
Libysche Rebellen bei einer Pause vor dem Marsch auf den Ölhafen Ras Lanouf.
Zwischenzeitlich wollen die Rebellen Ras Lanouf eingenommen haben.
Libysche Rebellen am letzten Checkpoint vor Ras Lanuf, etwa 60km vor der ostlibyschen Stadt Brega.
Südkoreanische Flüchtlinge erreichen auf einem koreanischen Kriegsschiff Valletta auf Malta.
Eine Frau hält in Bengasi das Foto eines der Opfer der Unruhen in die Luft.
In der Stadt Bengasi gab es auch gestern wieder Demonstrationen.
Demonstration in Bengasi: Am Abend sollen die Polizeichefs mehrerer Städte Gaddafi den Rücken gekehrt haben.
Ein Aufständischer läuft hinter einem Pickup in Deckung.
Nahe Ras Lanuf stehen sich Rebellen und Gaddafi-treue Truppen gegenüber.
Aufständische Rebellen ziehen durch das nächtliche Bengasi.
Ein junger Libyer aus Bengasi posiert mit einer Patrone und bemalten Fingern.
Aufständische zeigen im nächtlichen Bengasi aus den Depots erbeutete Waffen.
Ein tunesischer Soldat am Grenzübergang Rat Jedir verteilt Brot an die Wartenden.
Bangladeshi, die in Libyen arbeiteten, warten am Grenzübergang Ras Jedir.
Flüchtlinge an der tunesisch-libyschen Grenze: Das UN-Flüchtlingshilfswerk schätzt, dass ein Großteil der nun mehr als 100 000 Flüchtlinge über die tunesische Grenze geflohen ist.
An Deck des Flugzeugträgers USS Enterprise (CVN 65), der in den letzten Tagen näher an die libysche Küste versetzt wurde.
An Deck des Flugzeugträgers USS Enterprise (CVN 65) (Archivfoto).
Die Besatzung der Transall der Bundeswehr auf einem Flugfeld in Nafurah in Libyen.
Die Besatzung der Transall C-160 D der Bundeswehr, mit der am Samstag 132 Menschen ausgeflogen wurden, auf einem Flugfeld in Kreta auf dem Weg nach Libyen.
Siegerpose: Regimegegner übernehmen einen Panzer des libyschen Militärs. In dem nordafrikanischen Land schwindet die Macht von Diktator Muammar al-Gaddafi immer deutlicher.
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Ein Mitglied der Anti-Gaddafi-Milizen kontrolliert am Ortseingang von Shahad im Nordosten Libyens. Der ölreiche Osten ist weitgehend in der Hand der Regimegegner.
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Mit Straßensperren, wie hier in Shahad, sichert die aufständische Bevölkerung die eroberten Gebiete.
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Karte mit den größten Städten Libyens, von denen nur noch wenige unter der Kontrolle Gaddafis stehen.
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Regierungsgegner in der libyschen Stadt Tobruk halten eine Flagge aus der Vor-Gaddafi-Ära bei einer Demonstration hoch.
Demonstration von Regierungsgegnern in Tobruk. (Aufnahme von der Internet-Plattform YouTube)
Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi erklärt in einer Fernsehansprache, er werde nicht freiwillig abtreten und „bis zum letzten Tropfen meines Blutes kämpfen.“
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Libysche Regimegegner protestieren bei einer Solidaritätskundgebung in Genf gegen Staatschef Gaddafi.
Al-Sawija ist nach Angaben der Gaddafi-Gegner „befreit“. Die Stadt liegt nur 40 Kilometer von der Hauptstadt Tripolis entfernt.
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Ausländer werden in Sicherheit gebracht: Mit rund 300 Evakuierten an Bord ...
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... erreicht das gecharterte Schiff "Maria Dolores" den Hafen von Valletta, Malta.
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Chaos am Flughafen von Tripolis. Das Auswärtige Amt hat seinen Reisehinweis weiter verschärft.
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Ein Mann äußert sich nach seiner Rückkehr aus Tripolis (Libyen) auf dem Flughafen von Frankfurt/Main vor Journalisten.
Die Unruhen in dem Erdöl-Land Libyen treiben die Ölpreise kräftig nach oben. Dieser Beschäftigte einer Ölfirma in Brega in Ostlibyen arbeitet in einer noch fördernden Anlage.
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Deutliche Spuren der Aufstände in Libyen: Im Hof der Polizeistation in Tobruk stehen ausgebrannte Autos.
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Auch Busse der Sicherheitskräfte Gaddafis sind ausgebrannt.
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Gaddafi-Gegner stapeln Munition.
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Linkspartei in der Krise
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Plaßmanns Arabien
Bildergalerie ( 14 Bilder )
Partner, leicht gereizt (FR vom 19.3.2011)
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Günstige Umstände (FR vom 16.3.2011)
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Hoffnungsträger der Despoten-Liga (FR vom 10.3.2011)
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Empörung (FR vom 1.3.2011)
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Despotenstreit (FR vom 28.2.2011)
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Westliche Solidarität (FR vom 24.2.2011)
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Arabien: Spiel des Jahres 2011 (FR vom 14.2.2011)
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Plaßmann: Historische Momente in Kairo (FR vom 12.02.2011)
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Wohin mit Mubarak? (FR vom 8.2.2011)
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Hotel Scharm Palace (FR vom 5.2.2011)
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Geöffnete Augen (FR vom 4.2.2011)
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Mubaraks Pyramide (FR vom 2.2.2011)
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Ägyptische Wandmalerei (FR vom 31.1.2011)
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Schräge Liebe zum Detail (FR vom 22.3.2011)
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Gaddafi hat alle Fäden fest in der Hand, sollte dieser Auftritt wohl suggerieren, sekundiert von der Propaganda-Maschine des libyschen Staats-TV. „Alles Lügen“ seien die Behauptungen, die Sicherheitskräfte hätten die Protestierer in verschiedenen Städten und Ortschaften massakriert. „Das ist Teil der psychologischen Kriegsführung gegen Libyen“, stand auf einem roten Nachrichtenband des Kanals Al-Jamahiriya Two zu lesen. Die von außen gesteuerte Hetzkampagne habe nur das Ziel, „unsere Moral, unsere Stabilität und unseren Reichtum“ zu zerstören. Die Sicherheitskräfte würden nur Gruppen von Terroristen bekämpfen.
Der libysche Innenminister Abdel Fattah Junes al Abidi unterstützt derweil bereits die „Revolution des 17. Februar“, meldete der TV-Sender Al-Dschasira. In einem vom Sender am Dienstagabend verbreiteten Amateurvideo appellierte der Minister an die Armee, sich auf die Seite des Volkes zu stellen.
Mit der immer weiter zerbröckelnden Macht Gaddafis verlassen ihn auch immer mehr frühere Angehörige des Herrschaftsapparats. Zahlreiche Spitzendiplomaten brachen mit dem Machthaber, so der der Missionschef in den USA. Der Botschafter in Indien, Ali al-Essawi, erklärte, noch nie in der Geschichte habe eine Regierung fremde Söldner angeheuert, um aufs eigene Volk zu schießen.
Viele Staaten fliegen ihre Bürger aus dem Land aus – darunter auch 450 Deutsche, die am späten Abend am Frankfurter Flughafen erwartet wurden. Flüchtlinge an der libysch-ägyptischen und libysch-tunesischen Grenze berichten von Gemetzel. Bewaffnete hätten Checkpoints auf den Landstraßen errichtet und raubten alle Flüchtlinge bis auf die Kleider aus. „Wenn man aus Bengasi rausfährt, gibt es nur noch bewaffnete Banden und Jugendliche, die Straße ist extrem gefährlich“, sagte ein Augenzeuge.
In Tripolis schoss das Militär aus Hubschraubern erneut auf Menschen. Kampfjets flogen Bombenangriffe auf Wohnviertel. Wie Augenzeugen berichteten, jagten afrikanische Söldner aus dem Tschad und aus Nigeria Leute und schossen auf jeden, der ihnen vor den Lauf kam. Mehr als 1000 chinesische Bauarbeiter mussten sich vor bewaffneten Plünderern in Sicherheit bringen, die ihre Containersiedlung gestürmt hatten.
Ein Arzt des Al-Jalae-Krankenhauses in Bengasi schilderte am Dienstag, die Stadt sei nun ruhig und unter der Kontrolle der Aufständischen. Viele Kliniken hätten aber kaum noch Medikamente. Es gebe einen extremen Mangel an Blutkonserven. Nach seinen Angaben sind allein in Bengasi in den letzten Tagen über 300 Menschen getötet worden. Offenbar wurden auch Raketen und Panzerfäuste gegen Demonstranten eingesetzt.