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Kriegsverbrechen: Gräueltaten in Libyen

Mehrere Augenzeugen berichten, dass Gaddafis Schergen sexuellen Missbrauch als Kriegswaffe gegen die weibliche Bevölkerung einsetzen. Die UN befürchten Verschleppungen von "Hunderten von Menschen".

 „Schaut, was sie mir angetan haben“, sagte diese Libyerin, ehe sie von Gaddafis Geheimpolizisten  weggeschleppt wurde.  Angeblich soll sie wieder freigelassen worden sein.
„Schaut, was sie mir angetan haben“, sagte diese Libyerin, ehe sie von Gaddafis Geheimpolizisten weggeschleppt wurde. Angeblich soll sie wieder freigelassen worden sein.
Foto: dpa

Die Truppen des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi müssen sich angesichts neuer Luftangriffe der internationalen Koalition und des Vormarsches der Opposition immer weiter zurückziehen. Gaddafis Soldaten hinterlassen aber dort, wo sie wüteten, verbrannte Erde. Berichte über Kriegsverbrechen wie Vergewaltigungen, Entführungen und Hinrichtungen von Regimegegnern mehren sich.

Am Montag rückten die Oppositionskräfte aus dem Osten kommend weiter in Richtung von Gaddafis Geburtsstadt Sirte vor. Rund 100 Kilometer östlich der Küstenstadt, in der Gaddafi eine große Garnison unterhält, tobten heftige Kämpfe. Meldungen, wonach Sirte bereits von der seit Tagen vordringenden Opposition eingenommen worden sein soll, bestätigten sich zunächst nicht.

Ärzte aus der im Osten liegenden Stadt Adschdabija, die von der Opposition zurückerobert worden war, berichten, dass Gaddafis Soldaten Anhängerinnen der Aufständischen offenbar systematisch vergewaltigten. „Wir werden alle Frauen, die auf der Seite der Opposition sind, holen und vergewaltigen“, hatten Gaddafis Militärs, die Adschdabija eine Woche lang belagerten, gedroht. Ein Arzt berichtete nun im arabischen Sender Al-Dschasira, dass Gaddafis Schergen sexuellen Missbrauch als Kriegswaffe gegen die weibliche Bevölkerung einsetzten. Frauen der Stadt seien aus ihren Häusern oder von der Straße verschleppt worden.

UN sind besorgt

Erst vor kurzem hatte eine Libyerin aus Bengasi ausländischen Journalisten berichtet, sie sei an einem Kontrollposten des Militärs entführt und von 15 Männern vergewaltigt worden. „Schaut, was sie mir angetan haben“, sagte sie und zeigte Wunden im Gesicht und am Rücken, Fesselspuren an den Handgelenken. Dann war sie vor laufenden Kameras von Gaddafis Geheimpolizisten weggeschleppt worden. Der TV-Sender Al-Arabija meldete am Montagabend, sie sei wieder freigelassen worden.
Der Chirurg Suleiman Refadi aus Adschdabija beklagte zudem, dass Gaddafis Einheiten auf Ärzte schießen und sie kidnappen. Drei Kollegen seien verschleppt worden, als sie mit einem Krankenwagen Verletzte bergen wollten. Mediziner aus anderen Orten berichteten, dass Verletzte auf der Straße oder in Kliniken von Gaddafis Soldaten erschossen wurden.

Die Berichte decken sich mit Zeugenangaben aus den Städten, die Gaddafis Truppen noch unter Kontrolle haben: Häuser werden durchsucht, Oppositionelle verschleppt. Einige kommen nach Folter wieder nach Hause, andere werden getötet. Leichen werden zur Abschreckung auf die Straßen der Siedlungen geworfen. Viele verschwinden jedoch. Gaddafi hatte gedroht, dass er das Land von „Ratten“, wie er die Oppositionellen nennt, „säubern“ werde.
Eine Arbeitsgruppe der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, befürchtet, dass „Hunderte von Menschen zu geheimen Orten verschleppt wurden, wo sie Folter oder unmenschlichen, erniedrigenden Behandlungen ausgesetzt sein könnten“.

Autor:  Ralph Schulze
Datum:  28 | 3 | 2011
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