Mehrere Panzer der Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi haben am Montag nach Rebellenangaben die Hafenstadt Misrata im Westen des Landes angegriffen. Die bisher im Flughafen der Stadt versteckten Panzer hätten versucht, vom Südwesten aus in die Stadt einzudringen, teilten Aufständische mit. Am Morgen nahmen die Panzer Außenbezirke Misratas unter heftigen Beschuss. Die Rebellen konterten mit Schüssen aus schweren Maschinengewehren.
Ärzten zufolge wurden bei den nächtlichen Kämpfen seit Sonntagabend sechs Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Am Sonntag hatten Regierungstruppen unter anderem die Hafenanlagen beschossen, wobei zwei Rebellen ums Leben kamen.
Die libysche Regierung äußerte Bedauern über die Angriffe auf ausländische Vertretungen in Tripolis. Vizeaußenminister Chaled Kaim sprach von einem „bedauerlichen Vorfall“. Er versicherte, Libyen werde die Reparaturarbeiten übernehmen. Zu den Angriffen auf die Auslandsvertretungen in Tripolis konnte es laut Kaim kommen, weil die Polizei mit dem Andrang der Massen überfordert war. Die Angriffe ereigneten sich, nachdem die Tötung eines Sohnes von Machthaber Muammar al-Gaddafi, Saif el Arab Gaddafi, verkündet worden war. Demonstranten hatten das Gebäude der italienischen Botschaft sowie die Residenzen der Botschafter von Italien und Großbritannien angezündet.
Kaim widersprach am Montag westlichen Angaben, der Nato-Luftangriff in Tripolis habe militärischen Zielen gegolten. Es habe keine Kommando- und Führungsstrukturen in dem Wohngebiet gegeben, wo Nato-Bomben den Sohn und drei Enkelkinder Gaddafis getötet hätten.
Kaim wies auch Presseberichte zurück, der Tod der Gaddafi-Familienmitglieder sei möglicherweise eine Propagandalüge. Geistliche hätten die Leichen im Krankenhaus gesehen. Am Montag wurde nach Angaben staatlicher Medien Gaddafis Sohn beigesetzt. Das Begräbnis wurde im Fernsehen übertragen.
Die USA verurteilten die Angriffe auf die Botschaften scharf. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, Gaddafi habe „einmal mehr seine internationale Verantwortung und Zusagen gebrochen“. Er habe es versäumt, diplomatische Missionen in der Hauptstadt Tripolis zu schützen.
Die Türkei schloss ihre Botschaft in Tripolis. Wegen der „veränderten Sicherheitslage in Libyen“ habe die türkische Botschaft in der libyschen Hauptstadt ihre Arbeit vorübergehend eingestellt und sei evakuiert worden, sagte Außenminister Ahmet Davutoglu am Montag. (afp/rtr/dpa)