In den Vereinigten Staaten mehren sich die Stimmen, die auf einen Luftschlag gegen Gadaffi drängen. Während sich die Nato auf Flugverbotszone vorbereitet, bleibt Außenminister Westerwelle gegenüber Kriegsplänen zurückhaltend.
Kriegserfahren: General David Petraeus und US-Außenminister Robert Gates.
Foto: dapd
Kriegserfahren: General David Petraeus und US-Außenminister Robert Gates.
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Washington/Berlin –
In den USA wächst der Druck auf Präsident Barack Obama, in Libyen militärisch einzugreifen. Angesichts der eskalierenden Kämpfe in dem nordafrikanischen Land riefen prominente Senatoren nach der Einrichtung einer Flugverbotszone. Unter ihnen waren der Republikaner John McCain und der Demokrat John Kerry. Kerry, Vorsitzender des auswärtigen Ausschusses, betonte, eine aufwändige Luftraumüberwachung sei dabei nicht der einzige Weg. Man könne auch Flughäfen und Startbahnen bombardieren und so vorübergehend unbrauchbar machen. McCain sprach sich für technische Hilfe und die Ausbildung von Rebelleneinheiten aus.
Der Fraktionschef der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, ging einen Schritt weiter und brachte Waffenlieferungen an die Rebellen ins Spiel. Allerdings warnte er, man müsse sicherstellen, dass diese Waffen nicht in die falschen Hände gelangten. Der frühere Sicherheitsberater von Präsident George W. Bush, Stephen Hadley, sprach sich ebenfalls für die Lieferung von Flugabwehrgeschützen an die Rebellen aus. Diese könnten dann über dem von ihnen kontrollierten Territorium selbst den Handlungsspielraum der Luftwaffe von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi einschränken. Auch der Einsatz von US-Spezialeinheiten am Boden, ähnlich wie in Afghanistan im Jahr 2001, sowie Luftschläge gegen militärische Ziele der Gaddafi-treuen Kräfte werden derzeit in US-Medien diskutiert.
Die Obama-Regierung steht jedoch einem militärischen Eingreifen offenbar unverändert skeptisch gegenüber. Zu Zurückhaltung in dieser Frage riet der Stabschef des Weißen Hauses, William Daley. Auch US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte erklärt, dass jede Flugverbotszone mit Luftschlägen beginne, was einem massiven militärischen Eingriff gleichkomme.
Gaddafi - Libyens exzentrischer Diktator
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Gaddafi - Libyens exzentrischer Diktator
Üblicherweise nennt sich Gaddafi „Revolutionsführer“. Je nach Anlass lässt er sich auch als „Oberst“, „Brüderlicher Führer“, „Wächter der Revolution“, „König aller Könige“ oder gar „höchster Imam der muslimischen Welt“ feiern. In Uniform lässt er sich häufig ablichten, hier salutierend am 04.Dezember 1985 bei einem Besuch im Senegal.
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Seine Familie inszenierte Gaddafi wie eine Seifenoper: Bei einer Pressekonferenz in einem Beduinenzelt in Tripolis am 12.Januar 1986 posiert der Familienvater ...
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... mit seiner Frau und Kindern.
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Nicht nur zuhause in Libyen lebt Gaddafi in einem traditionellen Beduinenzelt. In der Regel wird das Zelt auch bei Staatsbesuchen im Ausland für den Herrscher aufgebaut, wie hier in Kairo. Am 6.März 1999 trifft er sich mit dem inzwischen zurückgetretenen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak.
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Während eines Staatsbesuchs in Italien im Juni 2009 wohnt Gaddafi in seinem Beduinenzelt auf dem Gelände der Villa Doria Pamphili in Rom (Bild). Selbst in einem Vorort von New York wurde für mehrere Tage ein Zelt für Muammar al-Gaddafi aufgebaut - auf einem Grundstück des Immobilien-Milliardärs Donald Trump.
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Während der 64. Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York ...
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... spricht der libysche Staatschef am 23.September 2009 vor der Vollversammlung. Sein erster Besuch bei der UNO seit der Machtübernahme 1969 führt gleich zum Eklat: Wütend zerreißt Gaddafi einige Seiten der Uno-Charta..
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Lange Zeit war Gaddafi wegen der Verstrickung in mehrere terroristische Angriffe politisch weitgehend isoliert. 2003 hob der UN-Sicherheitsrat alle Sanktionen gegen Libyen auf, nachdem der Staat die Schuld an den Terrorattacken anerkannt und Kompensationen für die Opfer gezahlt hatte.
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Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder am 14.Oktober 2004 mit Gaddafi in Tripolis. Es war der erste Staatsbesuch eines deutschen Bundeskanzlers in Libyen.
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Gaddafi mit Nicolas Sarkozy: Der französische Präsident empfing den libyschen Staatschef am 12. Dezember 2007 im Elysee-Palast in Paris.
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Gaddafi beim G8-Gipfel in L'Aquila, Italien, am 10.Juli 2009.
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Gaddafi war als Präsident der Afrikanischen Union zu Regierungsgesprächen eingeladen, hier beim Fototermin mit Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Russlands Präsident Dmitri Medwedew, US-Präsident Barack Obama und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (von links).
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Diktator Gaddafi bei einer Militärparade am Nationalfeiertag am 1.September 2009 in Tripolis.
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Muammar al-Gaddafi am 28. Juni 2010 in Tripolis mit dem damaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak.
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Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi erklärt in einer Fernsehansprache, er werde nicht freiwillig abtreten und „bis zum letzten Tropfen meines Blutes kämpfen.“
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Muammar al-Gaddafi ist tot. Fast 42 Jahre lang konnte sich Gaddafi bislang an der Staatsspitze Libyens behaupten. Am 1. September 1969 gelangte er durch einen Militärputsch an die Macht. Das Land führt der Despot unnachgiebig, mit kaltem Blick und Machtbewusstsein. Das Bild zeigt Gaddafi am 6. Oktober 2009 bei einer Versammlung in Sebha, 700 Kilometer südlich der libyschen Hauptstadt Tripolis. Hier wurde im Rahmen der Jahresfeiern zur Revolution an die Gruppe der Offiziere erinnert, die den Putsch initiierten.
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Ähnlich zurückhaltend gab sich auch die Bundesregierung. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte am Montag, für die Einrichtung einer Flugverbotszone sei aus deutscher Sicht grundsätzlich ein Beschluss des UN-Sicherheitsrates nötig. In deutschen Regierungskreisen hieß es dazu, es sei momentan fraglich, ob Russland und China eine solche Entscheidung mittragen würden.
Unklar sei zudem, wie sich Libyens Nachbarländer zu einem Militäreinsatz des Westens positionierten. Jeder Militäreinsatz ohne vorherige Mandatierung durch die UN gebe Gaddafi die Möglichkeit an die Hand, einen Propaganda-Krieg gegen den Westen zu beginnen. Das aber wäre kontraproduktiv, hieß es in deutschen Regierungskreisen.
Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verurteilte am Montag in Brüssel die „weit verbreiteten und systematischen“ Angriffe der Gaddafi-treuen Truppen auf die libysche Zivilbevölkerung, die „Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichkommen“ könnten. Rasmussen sagte, er könne sich nicht vorstellen, „dass die internationale Gemeinschaft und die Vereinten Nationen tatenlos dabei zuschauen“. Jedoch machte der Nato-Generalsekretär einen Einsatz des westlichen Militärbündnisses ebenfalls von einem UN-Mandat abhängig. Sollte der Sicherheitsrat aber eine Flugverbotszone genehmigen, dann werde die Nato vorbereitet sein.
Aus Paris hieß es, die französische Regierung arbeite mit der britischen zusammen an einem entsprechenden UN-Resolutionsentwurf. Die arabische Liga etwa habe bereits ihre Unterstützung signalisiert. Debattiert wurde auch ein gemeinsames Vorgehen von Arabischer Liga und Afrikanischer Union. Beide Organisationen verfügen aber nach Expertenmeinung nicht über die Anzahl von Flugzeugen, die für so eine Operation notwendig wäre.
Wie die Zeitung New York Times berichtete, laufen auch im US-Verteidigungsministerium Planungen für ein breites Spektrum an Optionen. Darunter sei eine „relativ passive Option“, bei der es darum gehe, mit Flugzeugen von internationalem Luftraum aus die Funkkommunikation zwischen der Gaddafi-Regierung und ihren Militäreinheiten zu stören. Vorbereitungen für eine solche Aktion seien bereits im Gange.