Die Vereinten Nationen und die Arabische Liga wollen gemeinsam Beobachter nach Syrien schicken. Nach Medienberichten kamen am Donnerstagmorgen 31 Menschen ums Leben. Aufständische sprechen von einer "Todesmaschine".
Häuserkampf in Idlib, Syrien.
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Häuserkampf in Idlib, Syrien.
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Liga-Generalsekretär Nabil al-Arabi habe die UNO „um Hilfe“ gebeten und eine gemeinsame Mission mit einem gemeinsamen Sondergesandten vorgeschlagen, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwoch in New York. In der Stadt Homs wurden laut Menschenrechtsaktivisten erneut zahlreiche Menschen getötet.
Die Arabische Liga wolle eine neue Beobachtermission nach Syrien entsenden, sagte Ban. Über die Bitte um Kooperation mit den Vereinten Nationen bei der Mission werde in den kommenden Tagen im UN-Sicherheitsrat beraten.
Ban bezeichnete die gescheiterte Resolution im UN-Sicherheitsrat zu Syrien als „katastrophal“ für die Menschen in dem Land. Die Resolution war am Samstag am Veto Russlands und Chinas gescheitert. Dies habe die syrische Führung „ermutigt, den Krieg gegen ihr eigenes Volk zu verschärfen“, sagte Ban.
Homs weiter unter Beschuss
Nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabija kamen am Donnerstagmorgen 31 Menschen ums Leben. Am Vortag sollen in der Hochburg der Regimegegner 93 Menschen getötet worden sein.
Diktatorendynastie in Syrien: Die Assads
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Diktatorendynastie in Syrien: Die Assads
Hafis al-Assad hatte eigentlich seinen ältesten Sohn Basil zum „Kronprinzen“ aufgebaut. Erst nach dessen Unfalltod 1994 war der Augenarzt Baschir (im Bild rechts) vom Vater nach Damaskus zurückbeordert worden. Der junge Staatschef versprach Modernisierung und wirtschaftliche Reformen.
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Der 1930 geborene Luftwaffenpilot Hafis al-Assad gelangte 1971 an die Macht. Das Gruppenfoto mit afrikanischen Machthabern zeigt ihn bei einem Treffen im Juni 1972 mit Idi Amin (Uganda), Anwar el Sadat (Ägypten) und Muhammed Gaddafi (Libyen, von links).
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Assad gehörte bereits vor seiner Präsidentschaft zur Militärkommission der Sozialistischen Baath-Partei, die 1963 die Regierung aus dem Amt putschte. Der General wurde Oberbefehlshaber der Luftwaffe und 1966 Verteidigungsminister.
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Assad brachte immer mehr Gefolgsleute in Schlüsselpositionen unter, übernahm 1970 die Führung der sich stark an die Sowjetunion anlehnenden Baath-Staatspartei und ließ sich 1971 zum Präsidenten machen. Auch im westlichen Ausland wurde er empfangen - wird er von Frankreichs Präsident Chirac in Paris.
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Nach jeder siebenjährigen Amtszeit ließ er sich in „Wahlen“ als Staatschef bestätigen - mit bis zu 99 Prozent der Stimmen.
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Der Präsident ließ alle oppositionellen Strömungen im Keim ersticken. Politische Gegner wurden ermordet oder verschwanden für Jahre hinter Gittern. Das Bild zeigt Assad 1999 mit König Hussein von Amman.
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Massive Proteste von Muslimgruppen in mehreren Städten Syriens wurden 1980 vom Regime brutal erstickt. 1982 ließ Assad Panzer und Artillerie in die Stadt Hama einrücken, um einen Aufstand der Muslimbrüder niederzuschlagen. Zehntausende Menschen starben.
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Als 2000 Hafis al-Assad starb, wahrte das Regime Kontinuität. In der syrischen Verfassung wurde das Mindestalter für den Präsidenten herabgesetzt, damit der 1965 geborene Baschar al-Assad seinen Vater beerben konnte.
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Auch wegen der neuen First-Lady Asma al-Assad wuchs die Hoffnung auf einen gesellschaftlichen Wandel. Die 1975 geborene Arzttochter wuchs in London auf. Bekannt für elegante Garderobe und betont westlichen Lebensstil erwarb sie im Volk hohes Ansehen für ihr soziales Engagement.
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Baath-Partei, Militär und Geheimdienst verhinderten allerdings wirkliche Reformen im Polizeistaat Syrien ebenso wie den erhofften Kampf gegen die Korruption. Gegen jede oppositionelle Strömung setzt Baschar al-Assad wie sein Vater Hafis auf die Gewalt eines umfassenden Unterdrückungsapparates und lässt auf sein Volk schießen. Auch Interventionen aus dem Westen - hier ein Treffen mit dem damaligen deutschen Außenminister Fischer 2004 - ändern daran nichts.
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2011 greift die Protestbewegung in der arabischen Welt auch auf Syrien über. Regierungsgegner gehen auf die Straße und fordern Assads Rücktritt. Das Regime antwortet mit Gewalt.
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Auf unscharfen Bildern sieht die Welt in diesen Tagen, was sich im syrischen Daraa zutragen soll. Die Videos, die Aktivisten auf YouTube veröffentlichten, sollen das gewaltsame Vorgehen syrischer Truppen gegen Regierungsgegner zeigen.
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Nach Angaben der Opposition wurden bei den Zusammenstößen über Ostern mindestens 39 Menschen getötet.
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Angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien erwägt die EU Sanktionen gegen das arabische Land.
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Doch die internationale Gemeinschaft kann sich bislang nicht au eine gemeinsame Erklärung einigen. Während in Daraa Oppositionelle weiter mit dem Tode bedroht sind, hat der UN-Sicherheitsrat Gespräche zunächst vertagt.
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Die Arabische Republik Syrien wird seit 40 Jahren von den Assads beherrscht. Der derzeitige Präsident ist Baschir-al-Assad.
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Der Syrische Nationalrat wollte am Donnerstag im Golfemirat Katar beraten, wie das Blutvergießen gestoppt werden könnte. Der Übergangsrat setzt inzwischen stärker als bisher auf militärische Optionen. Unter anderem wird über die Bewaffnung von Deserteuren diskutiert. Außerdem soll in Katar nach Informationen aus Oppositionskreisen darüber abgestimmt werden, ob der Sorbonne-Professor Burhan Ghaliun weiterhin Vorsitzender des Rates sein soll.
Unter arabischen Diplomaten wird derweil erwogen, den von mehreren Oppositionsgruppen gegründeten Nationalrat als legitime Vertretung des syrischen Volkes anzuerkennen. Über diese Frage werde am Sonntag bei einem Treffen der Arabischen Liga in Kairo diskutiert, hieß es.
Rebellen fordern Waffenlieferungen vom Westen
Syrische Rebellen beschrieben die humanitäre Lage in Homs als „katastrophal“. Sie stünden einer der „schlimmsten Todesmaschinen der Welt“ gegenüber, sagte einer der Aufständischen. Bei einem via Internet nach Washington übertragenen Treffen nahe Damaskus forderten die Rebellen Waffenhilfe. Es würden keine Truppen benötigt, sondern Waffen, sagte ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee.
Nach einem Besuch in Damaskus sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag, Assad habe ihm zugesichert, die Gewalt zu beenden. Der britische Regierungschef David Cameron sagte am Mittwoch, er habe nur „begrenztes Vertrauen“ in die Ergebnisse dieses Treffen.
Nach Angaben eines EU-Diplomaten werden derzeit die EU-Vertretungen in Jordanien und im Libanon verstärkt, um sich im Ernstfall um „einige tausend“ in Syrien lebende Europäer zu kümmern. Die Türkei plant nach Worten von Außenminister Ahmet Davutoglu in Kürze eine internationale Konferenz zum Konflikt in Syrien. (afp/dpa)