Türkische Medien melden Neuigkeiten in einer rätselhaften Affäre, dem Fall des verschwundenen und bereits als tot gemeldeten syrischen Deserteurs Hussein Harmusch – einer Symbolfigur des Aufstandes.
Laut einem Bericht des türkischen Fernsehsenders NTV, der sich auf Informationen aus syrischen Exilkreisen stützt, soll der frühere Oberstleutnant derzeit zusammen mit rund hundert weiteren Deserteuren im Iran als Geisel festgehalten werden.
Im Interview mit NTV sagte Husseins Bruder Ibrahim, der in einem Flüchtlingslager nahe dem südtürkischen Antakya lebt: „Baschar al-Assad will die Deserteure im Iran als Verhandlungsmasse nutzen, falls er selbst gefangen genommen werden sollte.“ Eine Bestätigung dessen konnten die türkischen Medien nicht erhalten.
Wo ist Hussein Harmusch?
Hussein Harmusch floh im Juni 2011 in die Türkei. Von dort aus beschuldigte er die syrische Führung schwerer Menschenrechtsverletzungen und gründete im Juli die „Freie Syrische Armee“. Am 29. August verschwand der Oberstleutnant und tauchte zwei Wochen später im syrischen Staatsfernsehen wieder auf, wo er mit angstgeweiteten Augen erklärte, nicht die Armee, sondern „bewaffnete Banden“ und die Muslimbruderschaft seien für die Gewalt im Lande verantwortlich.
Ende Januar 2012 berichtete eine „Syrische Menschenrechtsliga“ in Kairo dann, Harmusch sei eine Woche zuvor vom syrischen Geheimdienst hingerichtet worden. Auch das blieb unbestätigt.
Vor einer Woche meldeten türkische Medien, die Staatsanwaltschaft in Adana habe fünf Verdächtige verhaftet, die in Zusammenhang mit der Entführung und Ermordung Harmuschs stehen sollen. Unter ihnen sei ein Offizier des türkischen Geheimdienstes MIT, Das türkische Justizministerium bestätigte die Festnahmen, doch sei der Geheimdienstoffizier bereits zuvor suspendiert worden. Laut Polizeireport, aus dem die Zeitung Hürriyet zitierte, war man ihm schon im September durch abgehörte Telefonate auf die Spur gekommen.
Unter einem Vorwand habe der Offizier Harmusch in sein Auto gelockt und ihn dann Kumpanen übergeben, die ihn nach Syrien verschleppt hätten. Anfang Februar 2012 sei der Anführer der Bande nach Syrien gereist, um das Kopfgeld abzuholen. Bei der Rückkehr habe man ihn verhaftet und bündelweise Dollarnoten konfisziert.
Die Ermittlungen decken sich mit Recherchen dieser Zeitung. Harmuschs Bruder, ein Neffe und ein Sohn des Verschwundenen sowie befreundete Deserteure hatten übereinstimmend erklärt, dass Harmusch sich am Tag seines Verschwindens mit jemandem getroffen habe, der sich als MIT-Mitarbeiter ausgab. Die türkische Regierung dementierte damals eine Beteiligung des Geheimdienstes scharf.
Laut einem Bericht der liberalen Istanbuler Zeitung Radikal will die Staatsanwaltschaft Adana jetzt aber auch MIT-Bezirksleiter vernehmen. Sollte der Geheimdienst doch in den Fall verwickelt sein, wäre es eine Staatsaffäre, die das Image der Türkei als Freund der syrischen Rebellen erheblich trüben könnte.