Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman spricht auf der Münchener Sicherheitskonferenz.
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Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman spricht auf der Münchener Sicherheitskonferenz.
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Mit Empörung reagieren der Westen und arabische Politiker auf das Veto Russlands und Chinas gegen eine UN-Resolution zur Verurteilung der Gewalt in Syrien. Friedensnobelpreisträgerin Karman appelliert in München an die westlichen Staaten, die diplomatischen Beziehungen mit Syrien abzubrechen.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einer „großen Enttäuschung für das syrische Volk“. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz, die Blockade einer UN-Resolution sei eine „falsche Entscheidung und eine Entscheidung gegen die Menschen in Syrien“. Er plädierte für eine internationale Kontaktgruppe zur Lösung der Syrien-Krise. Eine zentrale Rolle sollten dabei die Türkei und die Arabische Liga spielen.
Russland und China hatten erneut eine Syrien-Resolution blockiert. Der Entwurf sah unter anderem die Verurteilung der Menschenrechtsverletzungen im Land vor.
Clinton pokerte bis zum Schluss
Russland und China lassen Syrien-Resolution platzen
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Russland und China lassen Syrien-Resolution platzen
Moskaus UN-Botschafter Witali Tschurkin stimmte auf einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates zusammen mit China trotz einer großen Mehrheit gegen einen von Arabern und Europäern unterstützten Entwurf. Foto: Andrew Gombert
Syrische Oppositionelle halten eine Karikatur, die Putin und Assad zwischen Leichen und dem UN-Sicherheitsrat zeigt. Foto: Local Coordination Committees LCC
Kurz vor der Sitzung des zerstrittenen Weltsicherheitsrats schlug Syriens Regime in Homs noch einmal brutal zu. Foto: Local Coordination Committees LCC
Britische Polizisten und syrische Aktivisten. Foto: Bogdan Maran
Syrer demonstrieren gegen das Blutvergießen. Foto: Local Coordination Commitees LCC
Vor der syrischen Botschaft in London erfahren Protestierende, dass die UN-Resolution gescheitert ist. Foto: Bogdan Maran
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US-Außenministerin Hillary Clinton kritisierte das Veto scharf. „Es ist schwer vorstellbar, dass es nach dem bisher blutigsten Tag in Syrien immer noch jene gibt, welche die internationale Gemeinschaft daran hindern wollen, diese Gewalt zu verurteilen“, sagte sie auf der Sicherheitskonferenz in München. „Was müssen wir denn noch wissen, um im UN-Sicherheitsrat entschlossen zu handeln?“
Noch kurz vor der Abstimmung im Sicherheitsrat hatte Clinton mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow telefoniert, um den Moskauer Widerstand gegen eine Resolution zu überwinden.
Die USA und ihre Verbündeten haben eine militärische Intervention in Syrien ausgeschlossen, unterstützen aber einen Plan der Arabischen Liga, der Assad auffordert, die Macht an seinen Stellvertreter zu übergeben.
Obama nennt Assad einen Mörder
Clinton fürchtet eine Eskalation der Gewalt in Syrien, wenn Präsident Baschar al-Assad weiter an der Macht bleibt. „Ich weiß, was passieren wird: mehr Blutvergießen, zunehmender Widerstand jener, deren Familien getötet werden und eine größer Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs“, sagte sie.
Diktatorendynastie in Syrien: Die Assads
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Diktatorendynastie in Syrien: Die Assads
Hafis al-Assad hatte eigentlich seinen ältesten Sohn Basil zum „Kronprinzen“ aufgebaut. Erst nach dessen Unfalltod 1994 war der Augenarzt Baschir (im Bild rechts) vom Vater nach Damaskus zurückbeordert worden. Der junge Staatschef versprach Modernisierung und wirtschaftliche Reformen.
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Der 1930 geborene Luftwaffenpilot Hafis al-Assad gelangte 1971 an die Macht. Das Gruppenfoto mit afrikanischen Machthabern zeigt ihn bei einem Treffen im Juni 1972 mit Idi Amin (Uganda), Anwar el Sadat (Ägypten) und Muhammed Gaddafi (Libyen, von links).
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Assad gehörte bereits vor seiner Präsidentschaft zur Militärkommission der Sozialistischen Baath-Partei, die 1963 die Regierung aus dem Amt putschte. Der General wurde Oberbefehlshaber der Luftwaffe und 1966 Verteidigungsminister.
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Assad brachte immer mehr Gefolgsleute in Schlüsselpositionen unter, übernahm 1970 die Führung der sich stark an die Sowjetunion anlehnenden Baath-Staatspartei und ließ sich 1971 zum Präsidenten machen. Auch im westlichen Ausland wurde er empfangen - wird er von Frankreichs Präsident Chirac in Paris.
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Nach jeder siebenjährigen Amtszeit ließ er sich in „Wahlen“ als Staatschef bestätigen - mit bis zu 99 Prozent der Stimmen.
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Der Präsident ließ alle oppositionellen Strömungen im Keim ersticken. Politische Gegner wurden ermordet oder verschwanden für Jahre hinter Gittern. Das Bild zeigt Assad 1999 mit König Hussein von Amman.
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Massive Proteste von Muslimgruppen in mehreren Städten Syriens wurden 1980 vom Regime brutal erstickt. 1982 ließ Assad Panzer und Artillerie in die Stadt Hama einrücken, um einen Aufstand der Muslimbrüder niederzuschlagen. Zehntausende Menschen starben.
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Als 2000 Hafis al-Assad starb, wahrte das Regime Kontinuität. In der syrischen Verfassung wurde das Mindestalter für den Präsidenten herabgesetzt, damit der 1965 geborene Baschar al-Assad seinen Vater beerben konnte.
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Auch wegen der neuen First-Lady Asma al-Assad wuchs die Hoffnung auf einen gesellschaftlichen Wandel. Die 1975 geborene Arzttochter wuchs in London auf. Bekannt für elegante Garderobe und betont westlichen Lebensstil erwarb sie im Volk hohes Ansehen für ihr soziales Engagement.
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Baath-Partei, Militär und Geheimdienst verhinderten allerdings wirkliche Reformen im Polizeistaat Syrien ebenso wie den erhofften Kampf gegen die Korruption. Gegen jede oppositionelle Strömung setzt Baschar al-Assad wie sein Vater Hafis auf die Gewalt eines umfassenden Unterdrückungsapparates und lässt auf sein Volk schießen. Auch Interventionen aus dem Westen - hier ein Treffen mit dem damaligen deutschen Außenminister Fischer 2004 - ändern daran nichts.
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2011 greift die Protestbewegung in der arabischen Welt auch auf Syrien über. Regierungsgegner gehen auf die Straße und fordern Assads Rücktritt. Das Regime antwortet mit Gewalt.
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Auf unscharfen Bildern sieht die Welt in diesen Tagen, was sich im syrischen Daraa zutragen soll. Die Videos, die Aktivisten auf YouTube veröffentlichten, sollen das gewaltsame Vorgehen syrischer Truppen gegen Regierungsgegner zeigen.
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Nach Angaben der Opposition wurden bei den Zusammenstößen über Ostern mindestens 39 Menschen getötet.
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Angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien erwägt die EU Sanktionen gegen das arabische Land.
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Doch die internationale Gemeinschaft kann sich bislang nicht au eine gemeinsame Erklärung einigen. Während in Daraa Oppositionelle weiter mit dem Tode bedroht sind, hat der UN-Sicherheitsrat Gespräche zunächst vertagt.
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Die Arabische Republik Syrien wird seit 40 Jahren von den Assads beherrscht. Der derzeitige Präsident ist Baschir-al-Assad.
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Auch US-Präsident Obama verschärfte den Ton: Nach dem Angriff mit offenbar mehr als 250 Toten auf die syrische Protesthochburg Homs warf er dem syrischen Präsidenten vor, ein Mörder zu sein. Assad müsse die „Kampagne des Tötens und von Verbrechen an seinem eigenen Volk“ sofort beenden und zurücktreten, forderte Obama.
Als „Erlaubnis zum Töten“ kritisierte der oppositionelle Syrische Nationalrat das Veto Chinas und Russlands gegen die Resolution. In der Nacht zum Samstag waren laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bei Armee-Angriffen auf die Protest-Hochburg Homs 237 Zivilisten getötet worden, darunter rund hundert Frauen und Kinder. Der Syrische Nationalrat sprach von 260 Toten.
Am Samstag wurden der Beobachtungsstelle zufolge weitere 48 Menschen getötet. Zwölf Zivilisten seien getötet worden, als Sicherheitskräfte auf Teilnehmer einer Beerdigung in Daraja schossen, die die Opfer vom Vortag zu Grabe trugen. Am Sonntag wurden demnach mindestens drei Zivilisten und neun Soldaten getötet.
Nach UN-Angaben vom Dezember kamen bei den seit elf Monaten andauernden Protesten gegen Assad mehr als 5.400 Menschen ums Leben, doch angesichts der chaotischen Lage sei eine Aktualisierung der Zahlen nicht möglich.
Tunesien will syrischen Botschafter ausweisen
Tunesien kündigte die Ausweisung des syrischen Botschafters an und forderte andere Staaten auf, es dem Land gleichzutun. "Das syrische Volk erwartet von uns heute keine langen Erklärungen und Verurteilungen, sondern es erwartet Taten“, erklärte er. „Das Mindeste, was man tun kann, ist, dass man alle Beziehungen zum syrischen Regime abbricht“. Der arabische Frühling mit seinen Massenprotesten gegen autokratische Herrscher hatte in Tunesien begonnen.
Auch die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin Tawakul Karman appellierte an die westlichen Staaten, die diplomatischen Beziehungen mit Syrien abzubrechen. Der syrische Staatschef Baschar al-Assad führe einen Krieg gegen sein Volk und gegen die Menschlichkeit. Die internationale Gemeinschaft müsse daher klar Position beziehen und die nötigen Maßnahmen ergreifen, um die syrische Bevölkerung zu schützen.
Oppositionelle stürmen syrische Botschaften
Weltweit wurden sieben syrische Botschaften weltweit von Demonstranten attackiert. In Canberra verwüsteten etwa 50 Personen die syrische Vertretung in Australien, wie der syrische Geschäftsträger Dschaudat Ali mitteilte. Zuvor stürmten Demonstranten sechs syrische Botschaften in Europa und und arabischen Ländern. Betroffen waren die Vertretungen in Berlin, London, Athen, Kairo, Kuwait und Tripolis. (dpa, dapd, afp)