Antiquitätenhändler sollten Fachwissen mitbringen und Nachfrage schaffen. Nicht selten werden aus Sammlern in der zweiten Lebenshälfte Händler.
Nicht einfach nur das Zifferblatt einer Uhr: Diese Standuhr schuf Hofuhrmacher Martin Krapp um das Jahr 1750.
Foto: dapd/Archiv
Nicht einfach nur das Zifferblatt einer Uhr: Diese Standuhr schuf Hofuhrmacher Martin Krapp um das Jahr 1750.
Foto: dapd/Archiv
Es begann mit dem Sammeln von „Weimarer Keramiken“. Bereits vor 20 Jahren machte Karin Schabel aus ihrer Leidenschaft einen Beruf. Heute besuchen Kunden aus dem gesamten Bundesgebiet Schabels Geschäft in der Berliner Leibnizstraße. Ästhetische Glas- und Porzellanwaren ab 1900, Bugholzmöbel und ausgesuchte Keramikarbeiten erwarten die kundigen Käufer. Der Werdegang der Antiquitätenhändlerin, die eine Abfindung ihres Arbeitgebers als Startkapital für die Geschäftsgründung nutzte, ist exemplarisch. „Oft werden aus passionierten Sammlern in der zweiten Lebenshälfte Händler“, sagt Birgit Maria Sturm vom Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler e.V.
Keine Ausbildung zum Galeristen
In Deutschland gibt es keine klassische Ausbildung für das schwierige Metier – geschweige denn ein Hochschulstudium für Kunsthändler oder Galeristen. Dies möchte der Bundesverband jetzt ändern. „Wir führen zurzeit Gespräche mit einem geeigneten Institut, das einer renommierten Universität angegliedert ist“, sagt Birgit Maria Sturm. „So könnte bald ein entsprechender Studiengang etabliert werden.“ Allerdings ist dieser geplante Ausbildungsweg zum Kunsthändler eher für künftige Galeristen gedacht. Kunstinteressierte sollen dort das Rüstzeug erhalten, um erfolgreich mit zeitgenössischen Werken handeln zu können. Ein Aspekt, der in den klassischen Studiengängen Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft, die an insgesamt 42 deutschen Hochschulen angeboten werden, bislang eine marginale Rolle spielt.
Kunstvermarktung: Galerist kann man nicht lernen
Bildergalerie ( 8 Bilder )
Kunstvermarktung: Galerist kann man nicht lernen
Etwas Berufung für den Beruf schadet nicht. „Man muss die Notwendigkeit zum Umgang mit Kunst in sich fühlen“, drückt es Frank Lehmann aus, der mit seinem Bruder zu DDR-Zeiten die Galerie „Gebr. Lehmann“ in Dresden gründete und bis heute führt. Anfänger sollten davon ausgehen, dass der Markt aufgeteilt ist und die Mitspieler sich untereinander bestens kennen. Das Zauberwort im Kunstbetrieb lautet Vertrauen.
Foto: ddp/Archiv
Schon vor dem Einstieg sollte man sich klar machen, dass der Kunstbetrieb ein Netzwerk bildet. Kuratoren, Kunstvereinsleiter, Sammler und Museen gehören neben den Künstlern dazu. „In diesem Metier muss sich der Galerist wie ein Fisch im Wasser tummeln“, sagt Birgit Maria Sturm vom Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen. Die meisten Galeristen beginnen als Mitarbeiter in einer anderen Galerie. Denn eine feste Ausbildung gibt es nicht. Zwar haben viele studiert. Bei den Fächern ist jedoch von Kunstgeschichte bis Betriebswirtschaftslehre alles dabei.
Foto: dpa/Archiv
Bei der Mitarbeit in einer Galerie kann ein Aufstieg winken. Es gibt die Möglichkeit zum assistieren oder auch zum Schreiben von Diplom- und Examensarbeiten. Manchmal ist es auch möglich, Künstler und Kontakte vom Arbeitgeber zu übernehmen.
Foto: dpa/Archiv
In der Regel suchen sich die Galeristen die Künstler aus, die sie vertreten, denn es gibt viel mehr Künstler als Kapazitäten bei Galerien. Für Galeristen ist es auf jeden Fall empfehlenswert, neben einer Passion für Kunst ein gutes Stück betriebswirtschaftliches Wissen mitzubringen.
Foto: ddp/Archiv
Ein solides Finanzpolster ist unverzichtbar. Banken winken laut dem Galerienverband bei Kreditanfragen von Newcomern ab. Niemand subventioniert Galeristen. Zwar müssen sie die Kunstwerke in der Regel nicht kaufen, denn der Kommissionshandel hat sich durchgesetzt und der Umsatz wird geteilt, falls nichts anders verhandelt wurde. Auf den Kosten für die Galerie- und Lagerflächen, den Spesen für Messebeteiligungen und anderen Aktionen bleiben Galeristen aber sitzen.
Foto: dpa/Archiv
Ein tragfähiges finanzielles Polster ist ratsam. Es gibt aber genug Überzeugungstäter, die ihr Vorhaben auch ohne umsetzen. Es ist ein Vorurteil, dass Galeristen prinzipiell reich sind. Der Fachverband erklärt, woher der Eindruck kommt: Medien berichteten über Spitzenerlöse, kaum aber über die deutlich zahlreicheren Verkäufe im mittleren Preissegment.
Foto: dpa/Archiv
Die Bezeichnung Galerie hat sich für solche Unternehmen eingespielt, die Kunstwerke in direkter Zusammenarbeit mit den Urhebern vermarkten. In Abgrenzung dazu erwerben Kunsthändler ihren Bestand am Markt selbst. Die Zahl der Galerien bundesweit lässt sich nicht genau benennen. Der Bundesverband hat 350 Mitglieder und geht von bundesweit 700 professionellen Galerien aus. Allein für Berlin wird die Zahl auf 400 geschätzt.
Foto: dapd/Archiv
Am Anfang eines Galeristenlebens steht die Entscheidung, in welche Richtung es thematisch gehen soll. Programmgalerie oder nicht, lautet die Frage. Galerien mit Programm unterscheiden sich durch ein gut abgegrenztes Arbeitsfeld von Galerien ohne. So kümmern sie sich etwa nur um deutsche oder nur um amerikanische Malerei.
Foto:
dapd/Archiv
Fotostrecken Frankfurt
Gesundheit
Fotostrecken Politik
Politik
Politik
Blockupy Frankfurt
Die klassische Profession des Antiquitätenhändlers leidet aber auch ohne geregelte Ausbildung oder geschütztes Berufsbild unter Nachwuchsmangel. Stetig nimmt die Zahl der Fachgeschäfte in Deutschland ab, Neugründungen sind selten. „Ich würde derzeit niemandem dazu raten, diesen Beruf zu ergreifen“, sagt Hermann Specht vom Bundesverband des deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels e.V. Rasch wechselnde Moden erschweren einem Anfänger den rentablen Weiterverkauf von Waren. Auch der Marktplatz Internet und die ebenfalls immer populärer werdenden Auktionshäuser setzen der traditionsreichen Branche zu.
Immer weniger Kunst-Sammler
Zudem steht das Geschäftsmodell auf dem Prüfstand, weil es immer weniger enthusiastische Sammler gibt. Als Händler muss man eine neue Generation für die Beschäftigung mit dem Sujet gewinnen. „Messen wie die Cologne Fine Art & Antiques mit ihrer reizvollen Kombination von klassischer Kunst und Antiquitäten mit modernem Design sind Vorbild“, sagt Sturm. „Sobald antiquarische Objekte in einem zeitgemäßen, frischen Kontext präsentiert werden, kann man auch eine breitere und jüngere Käuferschicht begeistern.“ Neben aufgeschlossener und kauffreudiger Kundschaft ist ausreichend Startkapital eine Voraussetzung für den Erfolg eines Antiquitätengeschäfts. „Wichtig ist, dass genügend Ware vorhanden ist. Die kann zunächst aber auch aus der eigenen Sammlung stammen“, sagt Karin Schabel. Die 63-jährige Antiquitätenhändlerin weiß aus Erfahrung, dass auch Sachverstand und Wissenshunger unerlässlich ist. „Ich lerne niemals aus.“
Bereits seit Jahren bietet die Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) einen Fernlehrgang an, der sich ebenso an Geldanleger und Sammler richtet wie an Händler, die in das Antiquitätengeschäft einsteigen wollen. „Die Teilnehmer des Fernlehrgangs ‚Antiquitäten‘ erwerben Wissen zur Stilkunde und zu den einzelnen Kunstepochen“, sagt Anke Vetter von der SGD. Zudem würden grundlegende Kenntnisse über die Wertbestimmung von Uhren, Gemälden, Skulpturen, Möbeln, Teppichen und vielen weiteren spezifischen Objekten vermittelt. „Auch das typische Geschäftsgebaren auf Auktionen wird im Lehrgang thematisiert.“