Teamarbeit: Industriekletterer sind derzeit gefragt. Foto: dpa-tmn
Industriekletterer dichten renovierungsbedürftige Wohnblocks mit Silikon ab, sie überprüfen Dachschindeln auf Kirchtürmen, installieren Lichtkunst oder warten die riesigen Windmühlen der Energiewirtschaft. Kostengünstig erreichen sie für ihre Auftraggeber auch den luftigsten Winkel.
Es sieht spektakulär aus, wenn sich Industriekletterer von meterhohen Windrädern, Kirchtürmen oder Hochhäusern abseilen. Doch für die Höhenarbeiter gehört das zum Alltag. In schwindelerregender Höhe führen sie Arbeiten aus, die sonst kein anderer machen kann.
Was noch wichtig ist
Industriekletterer ist kein geschützter Beruf. Bevor man sich zum Industriekletterer ausbilden lässt, sollte man daher bereits eine abgeschlossene Fachausbildung in der Tasche haben. Eine handwerkliche Ausbildung ist am besten. Ansonsten muss topfit, frei von Schwindel und Höhenangst sein.
„Das Aufgabengebiet ist sehr groß“, sagt Kai Langer, Ausbildungsleiter bei der Berufskletterschule in Bad Soden-Salmünster. Industriekletterer dichten renovierungsbedürftige Wohnblocks mit Silikon ab, sie überprüfen Dachschindeln auf Kirchtürmen, tauschen Fenster aus oder reinigen diese in luftiger Höhe. Immer gehe es um Gebäudeteile, zu denen kein anderer hinkommt, weil die Benutzung eines Krans oder die Aufstellung eines Gerüsts für zwei oder drei Fenster zu kostspielig ist.
Die Ausbildung zum Industriekletterer
Die Ausbildung gliedert sich in drei Kurse mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Im Grundkurs lernen die Teilnehmer die Materialien und das Arbeiten am Seil kennen. Einen Schwerpunkt bilden auch einfache Rettungstechniken. Nach dem ersten Kurs kann man bereits als Industriekletterer arbeiten - vorausgesetzt, man hat einen Partner, der bereits alle drei Kurse bestanden hat. Im Aufbaukurs vertiefen die Teilnehmer ihre Kenntnisse und lernen zum Beispiel, wie man sich unter einem Träger entlang bewegt. Die ersten beiden Kurse bestehen zu 75 Prozent aus praktischen Übungen.
Der dritte Kurs richtet sich vor allem an erfahrene Kletterer, die sich mit der Planung und Durchführung von Baustellen auskennen müssen, auf denen Spezialisten benötigt werden. Sie lernen etwa, Einsatzpläne zu erstellen, die Gefährdungslage zu beurteilen und Notfallrettungspläne auszuarbeiten. Am Ende wissen sie etwa, was man beim Arbeiten am Seil mit einer Flex oder mit besonders aggressiven Reinigungsmitteln beachten muss. „Da muss man sich schon viele Gedanken machen“, sagt Langer.
Luftakrobatik: Industriekletterer sind derzeit gefragt
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Luftakrobatik: Industriekletterer sind derzeit gefragt
Der größte Einsatzbereich für Industriekletterer bietet zurzeit die Windenergiebranche, sagt Frank Seltenheim, Geschäftsführer des Fach- und Interessenverbandes für seilunterstützte Arbeitstechniken (FISAT). Schließlich müssen die großen Windmühlen regelmäßig gewartet und inspiziert werden. Und weil diese Branche boomt, sind auch Industriekletterer derzeit gefragt.
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Die Lernenden der Berufskletterschule sind zur Hälfte Privatkunden, die sich selbst für eine solche Ausbildung entscheiden, um sich ein neues Standbein aufzubauen. Die andere Hälfte wird von Unternehmen geschickt, die die Kursgebühren für ihre Angestellten bezahlen. Die Kurse kosten je nach Level zwischen 900 und 1.200 Euro.
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Besondere Qualifikationen muss man nicht mitbringen: „Man kann als völliger Neuling anfangen“, sagt Kai Langer, Ausbildungsleiter bei der Berufskletterschule . „Ich hatte vorher auch nie etwas mit Klettern zu tun.“ So schickten Fensterputzunternehmen Angestellte zur Ausbildung, die zwar etwas von ihrem Handwerk verstehen, aber zunächst einmal nichts vom Klettern.
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Wichtig ist nur, dass Industriekletterer gesundheitlich topfit sind. Um eine Ausbildung machen zu können, muss man darüber eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. „Man muss seine Höhentauglichkeit feststellen lassen“, erklärt Langer. Das bedeutet aber nicht, dass man auch schwindelfrei ist. „Das findet man erst auf der Baustelle heraus.“
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Doch aus Erfahrung weiß der Kletter-Ausbilder: „Am Anfang hatten wir alle mal Angst.“ Seinen ersten Auftrag musste er vor Jahren in Frankfurt in 50 Metern Höhe ausführen. Damals habe er sich überwinden müssen. Mittlerweile seien 50 Meter für ihn ein Klacks. Den Respekt vor seiner Arbeit in luftiger Höhe habe er aber immer noch nicht verloren - und das dürfe man auch nicht.
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Langer liebt seinen Beruf, weil er immer mit Menschen zusammen sein und draußen arbeiten kann. Wind und Wetter machten ihm dabei nichts aus, er habe schließlich die richtige Kleidung. Und Seltenheim sagt: „Das Schönste daran ist, dass man an Orte kommt, wo sonst niemand anderes hinkommt.“ Die Aussichten über die Städte, in denen er arbeitet, genießt er noch heute.
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Die Berufsaussichten eines Industriekletterers sind gut. Der Bedarf ist ziemlich groß. Die meisten Industriekletterer sind selbstständig und arbeiten bei Bedarf für größere Firmen. Wer eine Festanstellung sucht, sollte sich bei den großen Windkraftherstellern umhören. Diese stellen Industriekletterer für die Wartung der Windräder während der Garantiezeit ein. Laut Bundesagentur für Arbeit verdienen Industriekletterer zwischen 2.807 und 3.121 Euro im Monat.
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Industriekletterer dichten renovierungsbedürftige Wohnblocks mit Silikon ab, sie überprüfen Dachschindeln auf Kirchtürmen, schneiden Bäume, installieren Lichtkunst oder warten die riesigen Windmühlen der Energiewirtschaft. Wendig, flexibel und kostengünstig erreichen sie für ihre Auftraggeber auch den luftigsten Winkel.
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