Freiwillig ins Gefängnis gehen, ist gar keine schlechte Idee: Haftanstalten bieten interessante Arbeitsplätze. Nach der Ausbildung winkt Justizvollzugsbeamten ein sicherer und gut bezahlter Job. Sie sollten aber starke Nerven mitbringen.
Die Realität des Strafvollzugs
Die Auszubildenden bekommen in der Regel einen Grundbetrag von rund 900 Euro. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung winkt die Übernahme in ein Beamtenverhältnis auf Probe. Das Einstiegsgehalt liegt bei etwa 1.800 Euro brutto. Dazu kommen Zulagen, etwa für Nachtschichten.
Die zweijährige Ausbildung setzt sich aus praktischen Phasen in der JVA und schulischem Unterricht zusammen. Für den schulischen Teil der Ausbildung werden die Anwärter aus allen Haftanstalten zentral zusammengezogen. Das ist überall so. Bevölkerungsreiche Bundesländer mit vielen Haftanstalten unterhalten dafür eigene Schulen.
Der Großteil des Unterrichts bewegt sich im juristischen Bereich: Vollzugsrecht und Strafrecht stehen auf dem Lehrplan. Außenstehende vermuten kaum, was die Anwärter alles lernen müssen und wie tiefgehend die Ausbildung in diesem Bereich ist.
Zwar ist die Ausbildung alles andere als einfach. Abbrecher gebe es aber so gut wie keine, versichert der Schulleiter. Auch die Quote derer, die an den Prüfungen scheitern ist sehr gering. Wer allerdings einen schlechten Abschluss macht, dem kann es passieren, dass er nicht übernommen wird.
Hauptaufgabe der Beamten ist, die Häftlinge auf ihre Entlassung vorzubereiten und bei der Resozialisierung zu helfen. Das ist keine leichte Aufgabe. Oft sehen Gefangene mit langfristigen oder lebenslänglichen Haftstrafen keine Perspektive mehr. Da fällt Motivation schwer. In den Anstalten sind die Beamten des allgemeinen Vollzugsdiensts mit der Beaufsichtigung, Kontrolle und Freizeitgestaltung der Häftlinge befasst.
Es wird im Schichtbetrieb rund um die Uhr gearbeitet. Das gilt auch für das Wochenende und die Feiertage. Die psychische Belastung im Job sei relativ hoch. Das private Umfeld ist da sehr wichtig, um Ausgleich zu finden. Die Beamten müssen man mit der nötigen Portion Respekt in ein Gefängnis gehen. Angst ist jedoch fehl am Platz.
Ein ganz normaler Arbeitsplatz ist das Gefängnis nämlich nicht. Mit der vermeintlich harten Realität aus Filmen habe der Alltag dort aber auch nichts zu tun, versichert Georg Seiler. Der 26-Jährige macht seit fast zwei Jahren eine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten. Derzeit absolviert er den Abschlusslehrgang an der Justizvollzugsschule (JVS) in Stuttgart.
Seiler hat bereits eine Ausbildung zum Krankenpfleger abgeschlossen. Bevor er sich für die Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten entschied, hat er zwei Jahre auf der Intensivstation eines Krankenhauses gearbeitet. „Am Vollzugsdienst haben mich besonders die guten Verdienstmöglichkeiten gereizt“, gibt er offen zu. Wer als Beamter in einer Haftanstalt arbeitet, könne gutes Geld verdienen und habe eine sichere Stelle.
Justizvollzug ist Ländersache
Der Justizvollzug ist Aufgabe der Bundesländer. Die Inhalte der Ausbildung sind aufeinander abgestimmt, und ein Arbeitsplatzwechsel ist über Landesgrenzen hinweg möglich. Kleine Unterschiede gebe es dennoch, erklärt Thomas Müller, Leiter der JVS Stuttgart. Das gelte besonders für das Bewerbungsverfahren. „In Baden-Württemberg müssen sich Bewerber direkt an die Haftanstalten wenden, die ihre Auszubildenden selbst auswählen.“ In einigen anderen Ländern ist das Bewerbungsverfahren zentralisiert.
So zum Beispiel in Sachsen. Dort werden die Bewerbungen im Ausbildungszentrum des Landes gesammelt und ausgewertet. Auch gebe es einen standardisierten Eignungstest und eine Aufnahmeprüfung, erklärt Birgit Eßer-Schneider, Sprecherin des sächsischen Justizministeriums. „Sie beinhaltet einen Sporttest, einen Intelligenz- und Rechtschreibtest und ein ergebnisorientiertes Gespräch.“ Eine Kommission entscheidet, wer für die Ausbildung zugelassen wird. „Die Persönlichkeit der Bewerber ist ein maßgebliches Kriterium“, so Eßer-Schneider. Bewerber sollten ein hohes Maß an Lebens- und Berufserfahrung mitbringen. Außerdem brauchen sie eine gefestigte Persönlichkeit.
„Das Durchschnittsalter der Anwärter liegt zu Beginn der Ausbildung bei 26 Jahren. Auch wurde ein Mindestalter von 20 Jahren festgelegt“, weiß Eßer-Schneider. Bewerber brauchen einen Realschulabschluss oder einen Hauptschulabschluss mit einer abgeschlossenen Lehre. „Die meisten kommen aus dem handwerklich-technischen Bereich“, sagt Schulleiter Müller. Aber auch Kaufleute, Verwaltungsfachkräfte oder Ex-Berufssoldaten gebe es.