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Amtsgericht Frankfurt: Mein Auto! Mein Kind! Meine Frau!

Ein cholerischer Familienvater steht wegen Kindesentzug, Körperverletzung und Nötigung vor dem Amtsgericht und missbraucht seine Verhandlung als Bühne für Beschimpfungen aller Art. Selbst sein Verteidiger und die Dolmetscherin bleiben nicht verschont.

Justitia
Justitia
Foto: FR

Nach eigenen Angaben ist Victor B. lediglich zwei Jahre lang zur Schule gegangen. Manieren hat er dort jedenfalls nicht gelernt. Der 32 Jahre alte Bautechniker muss sich vor dem Amtsgericht wegen Kindesentzug, Körperverletzung, Nötigung, Straßenverkehrsgefährdung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Das klingt harmloser, als es ist.

Am 20. September 2011 belästigt Victor B. mal wieder seine Frau. Das ist nichts Neues, er belästigt sie öfter, aber seit das Frankfurter Amtsgericht ihm verboten hat, sich ihr auf weniger als hundert Meter zu nähern, fällt es Victor B. deutlich schwerer, sie zu verprügeln. So schwer aber auch wieder nicht, denn Menschen wie Victor B. scheren sich nicht groß um Verbote. Vor allem, wenn die einem verbieten, sein Privateigentum zu verprügeln.

Zum Verprügeln nach Hause schaffen

Er schnappt sich also seine Frau, die gerade die sechsjährige gemeinsame Tochter, für die sie mittlerweile das alleinige Sorgerecht hat, aus dem Kinderhort abholt. Er bedroht sie, nimmt sie in den Schwitzkasten, will sie zwingen, ihm ihre neue Adresse zu verraten. Die Frau schweigt, denn Victor B. ist ein hartnäckiger Liebhaber. Er hat seine Frau auch in den Frauenhäusern, in die er sie hineingeprügelt hat, aufgespürt und zum Verprügeln wieder nach Hause geschafft. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Frau ruft um Hilfe, sie sprüht ihrem Mann Pfefferspray ins Gesicht, doch der schnappt sich die Tochter und verschwindet.

Kurz darauf findet die alarmierte Polizei die Tochter bei Victor B.s Mutter. Die Festnahme von Victor B. selbst gestaltet sich schwieriger. Er versucht, der Zivilstreife mit seinem BMW zu entkommen. Die Polizisten schießen in die Reifen, Victor B. nimmt mit platten Reifen einen Polizisten auf die Motorhaube und schleudert ihn zur Seite.

Handgreiflich gegen Polizisten

Victor B. weiß, wie das Spiel gespielt wird. „Das alte Spiel“, so nennt es ein Polizist im Zeugenstand. „Er verprügelt seine Frau, wir kommen, er randaliert.“ Es ist nicht das erste Mal, dass Victor B. gegen Polizisten handgreiflich wird. Er selbst nennt sie allerdings lieber „schwule Bullen“. Auch vor Gericht.

Überhaupt ist sein Verhalten vor Gericht etwas gewöhnungsbedürftig. Zwei Journalisten, die es wagen, ihn abzulichten, spuckt er vor dem Gerichtssaal ins Gesicht. „Brauchen Sie eine Brille?“, herrscht er den Richter an, der nur wissen will, wann Victor B. geboren ist. Und wo. „Kuba“, sagt der gebürtige Kasache.

Seinen Pflichtverteidiger verachtet Victor B. weil der keine Ahnung von Jura habe. Seine Verteidigung übernimmt er selbst. Seine Dolmetscherin verachtet er, weil die weder Deutsch noch Russisch verstehe. Immerhin spuckt er sie nicht an.

Egal, was der Richter denkt

Victor B. ist der Meinung, dass es das Gericht einen feuchten Schmutz angehe, wie er mit seiner Familie umspringe. „Das ist meine Familie!“ Dass die nichts mehr mit ihm zu schaffen haben will, ist ihm egal. Eine Zeugin, die berichtet, wie das Kind geweint habe, als er es von der Mutter wegzerrte, bezichtigt er der Lüge. Er zerre seine Tochter nie. Er trage sie immer auf Händen. Auch nachts, wenn sie auf die Toilette müsse. Aber das gehe niemanden etwas an. „Das ist meine Tochter.“

Victor B. nutzt das Gericht als Plattform, um sämtliche Zeugen mit seinen lächerlichen Fragen zu piesacken. Und man lässt ihn gewähren.

Der Gipfel ist wohl erreicht, als Victor B. mitten in der Verhandlung einem Polizisten, der als Zeuge aussagt, den Mittelfinger entgegenstreckt – just in dem Moment, in dem der Richter nicht hinschaut. Was Zufall ist, denn Victor B. ist es herzlich egal, was der Richter von ihm hält.

Kein Ordnungsgeld in den ersten Stunden

Und so pöbelt, randaliert und quengelt sich Victor B. durch einen endlos lang erscheinenden Gerichtsvormittag. Wie durch ein Wunder schafft er es, sich zumindest in den ersten Stunden kein Ordnungsgeld einzuhandeln. Einen psychiatrischen Gutachter hat das Gericht nicht bestellt. Warum auch immer.

Die als Zeugen geladenen „schwulen Bullen“, die ja selbst schuld sind, wenn sie sich vor sein Auto stellen, haben mittlerweile ein dickes Fell – ihnen sind Victor B.s Verbalattacken, Kopfnüsse und Tritte bestens bekannt. Dem Richter noch nicht so. „Sie müssen langsam mal lernen, sich ein bisschen zu benehmen“, mahnt der Richter.

Doch auch wenn noch ein paar Verhandlungstage folgen – dafür ist es mit Sicherheit jetzt viel zu spät.

Autor:  Stefan Behr
Datum:  7 | 2 | 2012
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