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Aus dem Gerichtssaal: Aussage nur ohne Mutti

Ein Messer, zwei Angeklagte, ein Schwerverletzter und jede Menge Unklarheiten beschäftigen jetzt die Frankfurter Justiz. Mehrere Verhandlungstage sind angesetzt, um Licht ins Dunkel zu bringen. Von Stefan Behr

Justizia ist wachsam.
Justizia ist wachsam.
Foto: FR/Rutkowski

Name, Alter, Beruf: Fahd El A., 22, "Schüler". Charles Michael M., 50, "Bauarbeiter". Anklage: Mordversuch, gefährliche Körperverletzung, Diebstahl, Urkundenmissbrauch beziehungsweise Beihilfe. Da fragt man sich doch: Was zur Hölle ist auf unseren Schulen und Baustellen los?

Am 16. August 2008 kauft, diese Auffassung vertritt die Staatsanwaltschaft vor dem Frankfurter Landgericht, Charles Michael F. Fahd El A. ein Messer. Er kaufe, so die Vermutung, öfters Waffen für den Marokkaner, der keinen gültigen Pass besitzt und sein Geld als Verkäufer im Bahnhofsviertel verdient, und zwar nicht als Verkäufer von Pfadfinderkeksen.

Am selben Abend noch rammt El A. das neue Messer Abdel R. in der Taunusstraße in den Brustkorb. Der überlebt dank Notoperation. Es ging, vermutet die Staatsanwaltschaft, um Streitigkeiten nach einem Drogengeschäft. Bereits wenige Tage zuvor soll El A. auf dem Hauptbahnhof einem Reisenden die Börse geklaut haben. Bei seiner Festnahme weist sich El A. mit einem Führerschein aus, der ihm nicht gehört.

El A., der in der Szene den nom de guerre "homeboy" trägt, will was sagen. Vorher schickt er erstmal die Mutti aus dem Gerichtssaal, die das nicht hören muss. Gestochen habe er nicht, sagt El. A, wohl aber Streit gehabt mit Abdel R., es geht irgendwie darum, dass der keinen Respekt vor der Freundin des anderen habe und der wiederum die Mutter des anderen f... - nun ja, etwas mit ihr machen werde, was Mama sich ganz bestimmt nicht zum Muttertag wünscht. Oder so ähnlich.

In der wirren Geschichte spielen auch noch "der Italiener", "der Palästinenser" und "der Algerier" ebenso tragende wie nicht nachvollziehbare Rollen. Im Gegensatz zu Charles Michael M., der eigentlich gar nichts damit zu tun habe. "Der war ja nicht mein Aufpasser. Mein Aufpasser war der Palästinenser. Ich habe Crack verkauft, er kauft immer nur Heroin." Und Zigaretten kauft in der Regel die Freundin. Am Automaten, dafür habe sie auch den fremden Personalausweis genutzt.

Fahd El A. fabuliert, dass Scheherezade neidisch werden könnte. Charles Michael M. sagt gar nichts. Es sind mehrere Verhandlungstage und etliche Zeugen vorgesehen, darunter vermutlich auch der Italiener, der Palästinenser und der Algerier, und der Vorsitzende Richter Klaus Drescher macht den Eindruck, als freue er sich schon darauf, dass die ein wenig Licht in die mehr als dunkle Story bringen. Unklar bleibt, welche Schule und welche Baustelle El A. und M. mit ihrer Anwesenheit beehren. Es sollte aber mal einer dringend ein ernstes Wort mit dem Rektor beziehungsweise Polier reden.

Autor:  Stefan Behr
Datum:  17 | 11 | 2009
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