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Kolumne: Ausverkauf

Ein Gespenst geht um in den deutschen Kliniken: Statt um das Wohl der Patienten dreht sich vieles nur um den Profit Frankfurt, Marburg, Kiel - die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Dr. med. Bernd Hontschik
Dr. med. Bernd Hontschik

Im Städtischen Krankenhaus Frankfurt-Höchst hat man sich nach nur drei Jahren vom kaufmännischen Geschäftsführer getrennt. Er sollte die hochdefizitäre Klinik sanieren, hin zur „schwarzen Null“ in der Bilanz. Eine Meuterei der Belegschaft stand wohl unmittelbar bevor.

Im privatisierten Universitätsklinikum Marburg-Gießen hat sich jüngst der Vorsitzende der Geschäftsführung sogar schon nach zwei Jahren verabschiedet, mitten in der großangelegten „Umstrukturierung“: Er sollte mit der Privatisierung eine Erfolgsgeschichte schreiben, mit den Profiten weitere Krankenhäuser kaufen und den Aktionären der Rhön-Kliniken eine hohe Dividende sichern.

Ein Gespenst geht um in Deutschlands Kliniken, das Gespenst der Profitmaximierung! 2004 ist die Bezahlung der Krankenhausleistungen von Tagessätzen auf Diagnosepauschalen umgestellt worden. Seitdem mehren sich die Alarmzeichen. Im April 2009 schrieben 16 Marburger Ärzte über eine „Drehtürmedizin“ in den Universitätskliniken, berichteten über stetig steigende Fallzahlen bei maximal verkürzten Liegezeiten und von den Folgen des zunehmenden Personalmangels.

Versorgung vs. Bilanz

Im April 2010 warnten acht Oberärzte der Universitätskinderklinik Marburg vor der massiven Leistungserweiterung ohne ausreichendes Personal. Patientenversorgung und Patientensicherheit seien in Gefahr. Im März 2011 veröffentlichten knapp 700 Ärzte des privaten Klinikkonzern Helios einen verzweifelten Aufruf an die Konzernleitung. Sie schrieben von ihrem täglichen Kampf mit betriebswirtschaftlichen Vorgaben, der an die Stelle medizinischer motivierter Entscheidungen getreten sei.

Und vor wenigen Tagen trat das gesamte Kollegium der Professoren der Universitätskliniken Kiel und Lübeck an die Öffentlichkeit: Die Landesregierung von Schleswig-Holstein opfere die Patientenversorgung der ausgeglichenen Bilanz eines rigiden Wirtschaftsplans.

Der bevorstehende Verkauf dieser beiden Universitätskliniken an einen privaten Klinikkonzern befindet sich zurzeit noch im Stadium der „Markterkundung“! Aber Asklepios, Rhön und Helios, alle stehen schon in den Startlöchern; sogar die Scheichs von Katar sollen unter den Bietern sein.

Ach, würde man doch die Verkaufsverhandlungen statt in dunklen Hinterzimmern von Politik und Konzernen im Licht der Öffentlichkeit führen. Ach, geschähe doch ein Wunder. Frankfurt21, Marburg21, Gießen21, Kiel21, Lübeck21...

Info: www.luebeck-kaempft.de

Autor:  Dr. med. Bernd Hontschik
Datum:  11 | 4 | 2011
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