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24. Januar 2013

Aggressive Autofahrer: Woher die Wut am Steuer kommt

Drängler und Co. nerven und machen den anderen Autofahrern das Leben schwer. Foto: Autonews

Rund ein Drittel der Verkehrsunfälle mit Todesopfern gehen auf aggressives Fahrverhalten zurück, sagt der Gesamtverband der Versicherer (GDV). Woher kommen Wut und Frust hinterm Steuer – und welche Maßnahmen helfen?

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Viele Autofahrer seien überzeugt, dass die Aggression auf den Straßen in den vergangenen Jahren zugenommen hat, berichtet ADAC-Sprecherin Katharina Bauer – vor allem auf Autobahnen. Drängler würden dabei als größte Plage empfunden. Dadurch fühlten sich 80 Prozent der Autofahrer provoziert. Umgekehrt ärgerten sich 30 Prozent über Schleicher auf der Fahrbahn.

Eine Ursache für die Wut am Steuer sei der Zeitdruck mit Arbeitsverdichtung, Terminhetze und psychischen Belastungen, meint Rainer Hillgärtner vom Automobilclub ACE. „Als Reaktion darauf lassen die Leute hinterm Steuer dann ihren ganzen Frust raus. Sie werden wortwörtlich rasend aggressiv.“

Navis machen Zusatz-Zeitdruck

Dazu könne indirekt auch das Navigationsgerät führen, glaubt Hillgärtner. „Wenn der vom Navi berechnete Zeitaufwand für eine Strecke sich durch Verkehrsbehinderungen vergrößert, versuchen viele Fahrer durch riskante Raserei, die verlorene Zeit wieder reinzuholen.“

Auch eine Überregulierung im Straßenverkehr – etwa als unsinnig empfundene Tempolimits auf Autobahnen – reize so manchen Fahrer. „Je mehr Leute hinterm Steuer eine Diskrepanz empfinden zwischen einem auferlegten Tempolimit und der durch den Straßenverlauf gebotenen Option, doch schneller als vorgeschrieben fahren zu können, desto rascher baut sich aggressiv machendes Konfliktpotenzial auf“, sagt Hillgärtner. Ein Teil der Autofahrer werde unzufrieden und breche die Regeln. „Und dann entstehen Konflikte mit denen, die sich an die Vorschriften gebunden fühlen.“

Drängler im Rückspiegel: Lichthupe, nahes Auffahren und wüste Gesten sind auf deutschen Straßen leider Alltag.
Drängler im Rückspiegel: Lichthupe, nahes Auffahren und wüste Gesten sind auf deutschen Straßen leider Alltag.
Foto: dpa

Kontrollen statt höherer Strafen

Aggressives Fahren ist allerdings teuer: Beleidigung, Nötigung mit Lichthupe, Bedrängen, Schneiden oder Rasen mit Gefährdung können mit Fahrverboten und hohen Geldstrafen geahndet werden. Schärfere Sanktionen sind nach Ansicht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) daher nicht erforderlich.

Experten sehen das Problem eher darin, dass aggressive Fahrer nur selten erwischt werden. Der ADAC macht sich deshalb für mehr Kontrollen stark. Die aggressiven Fahrer müssten angehalten und direkt mit ihrem Verhalten konfrontiert werden.

Denn was aggressive Fahrer so gefährlich macht: „Sie verfügen zur Durchsetzung eigener Interessen eine frei zugängliche Tatwaffe mit erheblicher Masse und Bewegungsenergie“, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann vom GDV. Als bedrohlich werden von den meisten Verkehrsteilnehmern vor allem Fahrer PS-starker Autos wahrgenommen, so der ADAC.

Autofahren baut Frust ab

So spielt auch das Ego der Fahrer eine Rolle: Wer sich über sein Auto definiere, neige zu aggressivem Verhalten im Straßenverkehr, sagt Karl-Friedrich Voss vom Vorstand des Bundesverbandes niedergelassener Verkehrspsychologen. Das Auto sei für sie eine Art Kompensationsmittel, weil in anderen Bereichen Erfolge fehlten.

Wer sich von aggressiven Zeitgenossen auf der Straße bedrängt oder provoziert fühle, sollte allerdings jeder Form von Selbstjustiz abschwören, mahnt unter anderem der ACE. „Keine vorweggenommene Bestrafung von Rüpeln durch Ausbremsen, Drohen oder Beleidigen“, sagt Sprecher Hillgärtner. Das führe nur zu immer weiterem Ärger. (dpa, dmn)

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