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21. August 2012

Teure Auto-Schätze: Edle Oldtimer glänzen in Pebble Beach

Alt und edel: Dieser Mercedes 540K Spezialroadster von 1936 wechselte für 11,7 Millionen Dollar den Besitzer in Pebble Beach. Foto: dpa

Liebhaber klassischer Autos haben sich im kalifornischen Pebble Beach getroffen. Es ist wie ein Blick in die PS-schatzkammer: Beim Concours d'Elegance sieht man dort die Trends der Oldtimer-Szene sowie historische und aktuelle Auto-Einzelstücke.

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Geht es nach Menschen wie Dietrich Hatlapa, kann man den Deutschen Aktienindex glatt vergessen. Wer wirklich Geld verdienen will, der setze nicht auf Wertpapiere, sondern auf alte Autos, sagt der Analyst und Gründer der Historic Automobile Group in London. Dann zeigt er ganz ähnliche Grafiken wie Börsenmakler: Vier Indizes für verschiedene Fahrzeugkategorien hat er aufgestellt – und alle weisen sie steil nach oben. Basierend auf den Daten von 2008 ist ihr Wert im Schnitt um 50 Prozent gestiegen. Und ein Ende des Oldtimer-Booms sei nicht absehbar.

Entsprechend groß ist das Geschäft: Der Umsatz mit klassischen Fahrzeugen liegt in Europa mittlerweile bei 20 Milliarden Euro jährlich, berichtet die Finanzberaterin Janneke Aslander aus Hückelhoven. Alle fünf Minuten wechsele zum Beispiel beim Internetauktionshaus Ebay ein Oldtimer seinen Besitzer, so Aslander weiter.

Inspektion im feinen Zwirn: Juroren bewerten die Autoschätze auf dem kalifornischen Golfrasen in Pebble Beach.
Inspektion im feinen Zwirn: Juroren bewerten die Autoschätze auf dem kalifornischen Golfrasen in Pebble Beach.
Foto: dpa

Wohin diese Leidenschaft führen kann, sieht man alle Jahre wieder im August beim Concours d'Elegance in Pebble Beach. Als wäre Schautag in der PS-Schatzkammer, bringen Sammler aus aller Welt ihre schönsten Stücke auf den Golfrasen an der kalifornischen Pazifikküste und hoffen auf eine Auszeichnung. „Pebble Beach hat für Oldtimer den gleichen Rang wie Wimbledon fürs Tennis“, sagt Hatlapa über die Schau mit 200 Fahrzeugen und rund 100.000 Besuchern.

Wer mit seinem Fahrzeug dorthin eingeladen wird, kann sich glücklich schätzen: „Schon die Nominierung hat einen positiven Einfluss auf den Wert“, erläutert Eberhard Kittler, der die Klassik-Sparte des VW-Konzerns leitet. „Prämierungen bei derartigen Wettbewerben setzen den virtuellen Verkaufspreis des Autos dann noch einmal nach oben.“

Trendwechsel: Patina erwünscht

Dabei weist der Klassikchef des VW-Konzerns auf einen Trendwechsel hin, der sich auch auf dem Rasen von Pebble Beach erkennen lässt. Preise gewinnen dort zwar noch immer Autos im Hochglanz-Zustand – so wie der diesjährige Gesamtsieger: ein Mercedes 680 S von 1928 mit Torpedo-Karosserie von Jacques Saoutchik, der auf den ersten Blick nicht den Hauch einer Gebrauchspur aufweist. Doch man sieht immer mehr Klassiker, die in Würde gealtert sind und ein wenig Rost und Patina zeigen. Laut Kittler werden sie zum Teil sogar nachträglich in einen gut patinierten Urzustand zurück versetzt und stehen so im krassen, aber reizvollen Gegensatz zu überrestaurierten Exemplaren.

Der Concours in Pebble Beach ist mehr als ein reines Schaulaufen der schönsten Autos. Eine Woche lang blüht auf der Halbinsel von Monterey der Handel mit Klassikern. Überall sind Auktionen, auf denen Unternehmen wie R&M Auctions oder Gooding teils hunderte Fahrzeuge pro Abend versteigern. Den Umsatz schätzen Experten in dieser einen Woche auf mehrere hundert Millionen Dollar.

Zu wertvoll zum Fahren: Viele Klassiker, die beim Concours d’Elegance ausgestellt oder versteigert werden, reisen huckepack.
Zu wertvoll zum Fahren: Viele Klassiker, die beim Concours d’Elegance ausgestellt oder versteigert werden, reisen huckepack.
Foto: dpa

Einzelne Erlöse geben ihnen recht: So hat der Ford GT40 aus dem Steve-McQueen-Film „Le Mans“ bei R&M-Auctions 11 Millionen Dollar erzielt (ca. 8,9 Millionen Euro). Und der Mercedes 540K Spezialroadster von 1936 der Gräfin Gisela von Krieger gilt jetzt mit einem Verkaufspreis von 11,7 Millionen Dollar (ca. 9,5 Millionen Euro) als teuerster Mercedes der Welt.

Wo reiche Autosammler zusammen kommen, gibt es natürlich auch einen Markt für neue Luxuslimousinen und Supersportwagen. Viele Hersteller präsentieren deshalb bei der Oldtimer-Schau Studien und Sondermodelle. Bentley zum Beispiel hat ausgewählten Kunden den Mulsanne als Cabrio vorgestellt, das in zwei Jahren in Serie gehen könnte. BMW hat drei Monate nach dem Zagato Coupé nun noch einen Roadster von dem italienischen Karosseriebauer einkleiden lassen.

McLaren zeigte den 12C als Spider und mit dem X-1 ein Kundenfahrzeug, das so lange individualisiert wurde, bis das Original kaum noch zu erkennen war. Und das französische Konstruktionsbüro D3 hat den Porsche 550 neu interpretiert, jenen legendären Sportwagen, der durch den Unfalltod des Schauspielers James Dean zu trauriger Berühmtheit gelangte. (dpa, dmn)

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