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01. November 2012

Essen Motor Show: Tuning-Autos von Frauenhand

Die Optik hat Vorfahrt: Wenn Frauen Autos tunen, ist das Ergebnis meist eher schick als leistungsstark.Foto: dpa

Tunerinnen setzen nicht auf PS-Protzerei, sondern auf effektvolle Lackierungen, detailreiche Ausstattung und edle Materialien. Für sie steht beim Tuning die Optik im Mittelpunkt. Auf der Essen Motor Show kann man sich ein Bild davon machen.

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„Entry for women only! Sorry boys ...“ steht auf der Einstiegsleiste des lila-weiß lackierten Peugeot 206 Cabrio aus Eulenburg bei Leipzig. Jungs müssen also draußenbleiben. Der Fahrersitz des Wagens ist so kunstvoll mit Leder bezogen, dass er aussieht, als habe die Besitzerin ihre Damenjacke über den Sitz geworfen. Überhaupt ist vom ursprünglichen Interieur nicht mehr viel geblieben. Unverändert sind dagegen die 109 PS Motorleistung. So tunen Frauen ihre Autos gern: Ohne PS-Wahn, aber mit Liebe zum Detail, oft mutigen Farben – und mit reichlich Enthusiasmus. 

„40.000 bis 50.000 Euro dürften wir über die Jahre in das Auto reingesteckt haben“, erzählt die Peugeot-Besitzerin Christin Reutemann (23) und fügt hinzu: „Wir zahlen auf Raten.“ Autotuning aus Frauenhand ist in den Schrauberclubs und bei Fans ein Trend geworden. Reichlich Preise bei Tuning-Events haben die farben- und designfreudigen Frauen schon abgeräumt.

Auto-Tunerinnen bei der Essen Motor Show

Bei der diesjährigen Essen Motor Show (Publikumstage: 1. bis 9. Dezember) treten sieben Frauen aus Deutschland mit ihren Showcars an. Auf der zweitgrößten deutschen Automesse nach der IAA gibt es alles zu sehen, was Auto- und Tuningfans entzückt: Felgen und Zubehör aller Art, Sportwagen und Studien, ein Driftrennen, Oldtimer, Motorräder und erste aufgemotzte Versionen frischer Automodelle. Dazu zählen der Porsche Boxster, der Volvo V40, die neue A-Klasse von Mercedes und sogar der Golf 7.

Airbrush in lila und weiß – so äußert sich der weibliche Touch beim Tuning.
Airbrush in lila und weiß – so äußert sich der weibliche Touch beim Tuning.
Foto: dpa

Von Frauen getunte Autos sorgen bei Treffen der Szene oft für besonderes Aufsehen, sagt Sven Schulz, der für die Essen Motor Show die Showcar-Ausstellung organisiert. Denn Frauen zeigten mehr Mut bei der Farbe und Sinn für Details – etwa Strassverzierungen an Felgen, Tacho und Schaltknauf oder Lackierungen in Pink oder Hellblau zu weißem Leder.

„Sie wollen schöne Kleidung, um nicht als graue Maus herumzulaufen, und genauso wollen sie ein schönes Fahrzeug.“ Manche Ideen wie die Strassfelgen seien dabei schon von Zubehöranbietern übernommen worden.

Der weibliche Blick fürs Detail

„Wir gucken halt mehr in die Ecken“, sagt Jenny Kowalski, Versicherungsangestellte aus Bochum, die in Essen einen umgebauten Seat Arosa zeigt. „Mein Freund hat zum Beispiel einen Renn-Nissan mit 550 PS, aber wenn Sie hinter die Tür gucken, ist da Dreck. Das geht bei mir gar nicht.“ Die 31-Jährige hat an ihrem Wagen alles verändert außer dem Schaltknauf, wie sie sagt – vom lila-schwarzen Lack über ein Luftfahrwerk zur Tieferlegung bis hin zu den liebevoll mit Leder verkleideten Außenspiegeln. 30.000 Euro stecken in dem Kleinwagen, 54.000 Euro weist ein Wertgutachten aus.

Auf Höchstgeschwindigkeit und Macho-Gehabe kommt es der Bochumer Tunerin nicht an. Sie hat zwar einen 125 PS starken GTI-Motor aus dem VW-Regal in den Seat eingebaut, sich aber noch nie getraut, den Wagen auszufahren, wie sie offen zugibt. „Und wenn einer sagt, Frauen können nicht einparken, dann fürchte ich, da hat er in meinem Fall recht.“ Dafür kann sie ihr Auto komplett zerlegen und wieder zusammenbauen.

Ein Fünftel der Tuner sind Frauen

Die Vorliebe für Tieferlegung und breite Reifen haben Tunerinnen mit ihren männlichen Kollegen gemein.
Die Vorliebe für Tieferlegung und breite Reifen haben Tunerinnen mit ihren männlichen Kollegen gemein.
Foto: dpa

Bereits rund ein Fünftel der Tuner in Deutschland sind Frauen, schätzt Harald Schmidtke, Geschäftsführer des Verbandes der Automobiltuner (VDAT). Bei einem deutschen Tuning- und Zubehörmarkt mit rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr sind die schraubenden Frauen ein nicht zu unterschätzender Faktor geworden. Der unbefangene Umgang mit dem Design schlägt sogar bis zu Serienfahrzeugen durch. So seien etwa farbige Felgen für den Citroën C3 inzwischen ab Werk bestellbar, sagt Schmidtke.

Neben den Frauen mit ihren gestylten Autos werden bei der Essen Motor Show erstmals getunte Premierenfahrzeuge des Pariser Autosalons für Besucherschlangen sorgen, erwartet die Messe – allen voran der Golf 7. Da der Kompaktwagen erst Anfang November in den Handel komme, bleiben den Tunern nur knapp vier Wochen für die Veredelung. Das bedeutet Nachtschichten. (dpa, dmn)

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